Wir warten

Le Pen wird es vermutlich nicht werden. Hofer wurde es jedenfalls sicher nicht. Merkel stemmt sich gegen die AfD. Der ganz große Wurf des Rechtsruckes in Europa, er wird immer wieder abgewehrt. Diese Erkenntnis fühlt sich an, als ob man sich eine Beruhigungspille einwirft: Puh, gerade nochmal gut gegangen. Bis demnächst dann wieder. Wie lange soll das eigentlich noch so weitergehen? Hangeln wir uns jetzt echt von Wahl zu Wahl, von Richtungswahl, wie man das dann meilensteinmäßig nennt, zur nächsten Richtungswahl und bibbern darum, dass wir auch danach noch durchatmen können, nur um dann in der Legislaturperiode faul verschnaufen zu können? Können wir nur noch zuwarten? Solange sich nichts ändert, werden wir wohl das Gefühl nicht mehr los, dass wir zum letzten Mal durchgeatmet haben könnten.

Was geschieht nachdem die Bundeskanzlerin nächstes Jahr genau das weiterhin ist? Ich kann es schon mal prophezeien: Überall Durchatmung. Weil die Rechten nur eine Randnotiz im Bundestag bleiben werden. Dasselbe Muster werden die Kommentatoren schon einige Monate zuvor in Frankreich angewandt haben. Zum Glück nicht die Le Pen, werden sie erlöst ausrufen. Man wird sich publizistisch den Schweiß von der Stirn wischen und sich des Glücksmoments erfreuen. Wieder eine Schlacht geschlagen, wieder das Abendland von den Rettern des Abendlandes gerettet und deren Zugriff abgeschmettert. Danach passiert genau eines: Nichts. Oder sagen wir es so, dass es auch Sinn gibt: Es passiert so einiges, die Gesellschaft bewegt sich ja durchgehend. Nur bei der ökonomischen Grundausrichtung: Da passiert nichts Neues. Kurs halten. Weiter so. Vielleicht doch noch Pfründesicherung hier, Privatisierungsvorhaben dort. Verschlanken außerdem. Der Staat ist in den Köpfen der Wirtschaftspolitiker noch immer auf Diät.

Wie schlecht es um die Abwehr gegen die Rechtsausleger steht, ist mir erst neulich aufgefallen, als ich über ein Interview mit der Schauspielerin Marion Cotillard las. Eigentlich ist die Frau ganz tough, hat ein Händchen für kritische Rollen und steht für ein weltoffenes Frankreich. Sollte die Le Pen die Wahlen gewinnen, sagte sie, so werde sie Widerstand leisten. Frankreich dann im Stich zu lassen, das könne sie nicht. Aber sie war guter Dinge: Die Franzosen seien klüger, sie würde Le Pen Frankreich nicht antun. So weit, so gut. Sie werden aber ziemlich sicher ihrem Land Fillon antun. Das ist die Alternative, die alternativlos zu diesen alten Nativen ist. Der Neoliberalismus als Alternative – dabei ist er nur ein Wartesaal.

Wir warten. Wir warten bis zur nächsten Richtungswahl. Wehrhafte Demokratie? Nee: Die wartende Demokratie. Sie lässt die Zeit in einer Wartehalle verstreichen. Wenn sie uns dann neoliberale Häppchen anbieten, atmen wir tief durch und sagen uns, dass das noch besser ist als ein Rechtsruck und glauben gleich noch, damit dem Rechtsruck sogar entgegenzuwirken. Die Rechten spotten ja gemeinhin über die Demokraten. Sie seien keine Tatmenschen, wären zu phlegmatisch und wo sie durch ihren Patriotismus handeln, da warteten die Demokraten nur zu. Nicht alles trifft zu. Aber die letzte Einschätzung, sie kommt wohl nicht von ungefähr. Wir machen weiter so und warten. Aber die Warterei macht mürbe. Und das ist die Gefahr.

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20 Kommentare auf "Wir warten"

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Andreas Säger
Gast

AN DIE WAFFEN, liebe Schwestern, LGBTs und Follower! Zu Weihnachten merkt bestimmt keiner wie wir das System umkrempeln. Und diesmal nicht wieder Bahnsteigkarten lösen. Dafür gibts ne App.

Exaybachay
Mitglied

Was hast du gegen A- und Intersexuelle?

Andreas Säger
Gast

Was hast du gegen A- und Intersexuelle?

Deren Antriebslosigkeit schadet der Revolution.

Exaybachay
Mitglied

Ok das reicht. Ich hab die Sexismuspolizei alarmiert wg. bigotter Homonormativitaet. Das gibt mindestens drei Wochen Ponyhof.

Yarsin
Mitglied

Yo, Nase fass, wüsste nicht, was ich tun könnte ausser so zu sein, wie ich bin.

maguscarolus
Gast

Seit zig-Jahren versuche ich, Bekannte und Freunde für die fatale Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu sensibilisieren. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass der Panzer aus satter Zufriedenheit, Dummheit und mangelnder Liebe nur durch persönliche Katastrophen erschüttert werden kann. Und auch diese Erschütterungen werden als unverschuldeter Schicksalsschlag verbucht.
Ich weiß nicht, durch wieviele Blutbäder die Menschheit noch waten muss, bis eine Art globaler Solidarität entsteht – falls sie denn überhaupt je entsteht.

ChrissieR
Mitglied

Man sagt ja, die Hoffnung sterbe zuletzt…na ja, meine ist schon lange tot . Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern das asozialste Lebewesen auf Erden!

der mit ohne auto
Gast

dieser mensch, von dem du da schreibst, ist nur deine projektion. auf meiner fläche ist da eine andere – keine schöpfung, keine krone, kein asozial, aber frag mich nicht, was.

Yarsin
Mitglied

Dafür gibt es ja das ASozialeNetzwerk 😜

maguscarolus
Gast

Nun, wer weiß, wofür der Mensch aus der Evolution herausdestilliert wurde. Vielleicht ist unsere einzige Bestimmung, den ganzen Globus derart radioaktiv zu verstrahlen und zu kontaminieren, dass danach die Evolution völlig neue ungeahnte Möglichkeiten erhält.

Nicht dass ich ein Anhänger teleologischer Prinzipien bin, aber ich frage mich schon bisweilen, welchen Sinn der ganze kriegstreiberische und gesellschaftszerstörende Unsinn haben könnte, den die Psychopathen aka „Eliten“, welche die Geschicke der Menschheit „lenken“, haben könnte.

maguscarolus
Gast

Bitte, schafft eine Editiermöglichkeit für Fehler in Kommentaren! Ich sehe zumindest derzeit keine.

Exaybachay
Mitglied

Auch meine Erfahrung.

Ich hab die Befuerchtung, dass Steinzeitreflexe uebernehmen. Bei einer Gruppe von 100 Menschen reicht es im Krisenfall ggf. die schwaechste Minderheit rauszukicken.
Bei einer Gruppengroesse von 8 Milliarden, Atombomben und autonomen Kampfrobotern, uiuiui.

P.s.: Schicke neue Seite!

Robbespiere
Mitglied

@maguscarolus

Ich weiß nicht, durch wieviele Blutbäder die Menschheit noch waten muss, bis eine Art globaler Solidarität entsteht

Das wird vermutlich erst dann eintreten, wenn sich die Menschheit soweit abgeschlachtet hat, daß man sich wie ein Kind freut, am nächsten unverseuchten Wasserloch jmd. der eigenen Spezies anzutreffen, woher er auch komme.

Heldentasse
Mitglied
Seit zig-Jahren versuche ich, Bekannte und Freunde für die fatale Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu sensibilisieren. Das ist edel und gut aber meistens leider auch erfolglos! Auch wenn man mehrere Stufen darunter Anfängt, nämlich ohne das System zu bewerten sondern nur auf seine Inkonsistenten hinzuweisen, verstehen es viele nicht, oder wollen es nicht verstehen. Kleines Beispiel dazu gefällig? Die meisten denken, alle Länder müssen wettbewerbsfähiger werden, um mehr zu exportieren, und gleichzeitig aber sparen bis der Arzt kommt, bzw. nicht mehr kommt wie z.B. in Griechenland. Das finden „wir alle“ gut, obwohl es grob der Saldenmechanik widerspricht und deshalb auf… Read more »
Heldentasse
Mitglied
Warten auf den „großen Knall“ von rechts außen ist wohl eine der schlimmsten Optionen, aber wieso ist man sich hier so sicher das Frau Le Pen nicht demnächst Präsidentin in Fronkreisch wird, und ist es sicher das Frau Merkel nicht mit der AfD ins Bett steigt, wenn es ihrem Machterhalt dient? Seit dem Erfolg von Mr. Trump scheint mir auch in der EU alles möglich, sogar das dieses Europa in 2017 an seiner langjährigen politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Inkompetenz zerbricht, wobei dabei die Rechten nicht Ursache sondern die Wirkung dieser langjährig gemachten fatalen Fehler, besonders die der Teutschen unter Frau… Read more »
Jörg Gastmann
Gast

Durch Fillon sind Le Pens Chancen drastisch gestiegen: https://www.economy4mankind.org/de/frankreich-fillon-eliten-nichts-begriffen/

StephanOchsenfurt
Gast

OK, ein stichhaltiger Grund dafür bitte, wieso es Marine LePen nicht werden wird?

The Joker
Mitglied

Dass es auf ein rechts-rechtes Duell in der Stichwahl hinausläuft, ist längst nicht sicher:
In Frankreich liegt Jean-Luc Mélenchon als aussichtsreichster Alternativkandidat zu Fillon und LePen bei 13 bis 17 Prozent.
Fillon könnte durch die Zentristen Bayrou, Macron und Valls durchaus noch in Bedrängnis geraten.
Steindumm verhalten sich derweil Dany Cohn-Bendits Grüne, die mit einen aussichtslosen Zählkandidaten um die drei Prozent liegen, die Mélenchon am Ende für die Stichwahl fehlen könnten.

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