Russland sabotiert den Wahlkampf? Ein kleiner Faktencheck

Immer wieder geistert die Meldung durch die Gazetten, „russische Hacker“ mit „Verbindungen zu den russischen Diensten“ oder gar „dem Kreml“ hätten dies oder das gehackt und würden über gezielte Informations- und Desinformationskampagnen Einfluss auf Wahlkämpfe nehmen. Die drei großen „Leaks“ im US-Wahlkampf werden dafür gerne als Beleg zitiert und es gilt als ausgemachte Sache, dass „Moskau“ auch in den Bundestagswahlkampf 2017 eingreifen wird. So berichtet es beispielsweise die Frankfurter Sonntagszeitung in ihrer jüngsten Titelstory. Dieses Geraune ist erstaunlich. Bereits ein kleiner Faktencheck zeigt nämlich, dass es in keinem Fall Beweise für eine russische Beteiligung gibt und selbst die Indizien mehr als mager sind.

Die DC Leaks, der Hackerangriff auf das DNC und auf Clintons Kampagnenchef John Podesta – drei Fälle von Cyberkriminalität, bei denen wahrscheinlich vertrauliche Daten von Hackern an die Öffentlichkeit gebracht wurden, um Einfluss auf den Wahlkampf zu nehmen. Aber handelt es sich hierbei tatsächlich auch um drei Beispiele dafür, dass Russland Einfluss auf den US-Wahlkampf genommen hat? Immerhin wird dies ja regelmäßig von Politikern und den Medien behauptet.

Um es ganz kurz zu machen: Es gibt keine gesicherte Erkenntnis darüber, wer die verantwortlichen Hacker in diesen drei Fällen waren und auch über die Herkunft der Hacker oder ihren Aufenthaltsort gibt es keine echten Erkenntnisse. Alles was darüber hinaus geht, wie z.B. Verbindungen zu russischen Diensten oder dem Kreml, ist pure Spekulation.

Was ist gesichert?

Als gesichert darf angenommen werden*, dass im Jahr 2016 zahlreiche US-Politiker samt deren Stab und Beraterteam Ziel von sogenannten Phishing-Attacken waren. Solche Phishing-Attacken kennen freilich nicht nur Politiker; fast jeder E-Mail-Nutzer wird schon mal eine solche Mail bekommen haben. Beliebt sind beispielsweise Mails, die vorgeben, man müsse sein Kennwort bei PayPal erneuern. Wenn man den Link in der Mail anklickt, kommt man jedoch nicht auf die Seite von PayPal, sondern auf eine – je nach Professionalität der Täter – mehr oder weniger täuschend echte Kopie der PayPal-Seite. Hat man seine Login-Daten auf dieser gefälschten Seite eingegeben, haben die Täter die Daten und können das PayPal-Konto des Opfers leerräumen. Ganz ähnlich funktionierte auch der Trick, mit dem die Hacker an die Mails hochrangiger Politikberater, wie beispielsweise Clintons Kampagnenchef John Podesta gekommen sind.

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10 Kommentare auf "Russland sabotiert den Wahlkampf? Ein kleiner Faktencheck"

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Robbespiere
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Truvor
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@ Robbespiere

https://deutsch.rt.com/newsticker/44868-sanktionen-gegen-diplomaten-washington-wirft-chefkoch-vor-us-wahlen-unterminiert-zu-haben/

Seine Hack-Bällchen beim Diplomatendinner wurden ihm zum Verhängnis.:-)

Paranoia hat die US-Wahlen gewonnen 😉
Hätte nie gedacht, daß die US-Führer/Bosse so tief fallen.
Wie im Kindergarten, ehrlich 😉
Mann, Mann, Mann ……… Putins Schlag war offensichtlich viel zu heftig ;-))))

aquadraht
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Ich darf bei dieser Gelegenheit auf eine Analyse der vom Department of Homeland Security und vom FBI als Beweis für das Russenhacking durch „Grizzly Steppe“ vorgelegten „Studie“ hinweisen. https://www.wordfence.com/blog/2016/12/russia-malware-ip-hack/ Wordfence ist eine amerikanische IT-Security-Bude mit Schwerpunkt auf WordPress und PHP, sie analysieren die Malware, die DHS und FBI angeblich auf Regierungsservern gefunden haben (jetzt auch auf dem Laptop eines Energieversorgers in Vermont). Ihr Ergebnis: Es handelt sich um eine veraltete Version einer Malware, die aus der Ukraine stammt, und die von der Seite der Programmierer, die sie als Sicherheits- (Pentest- °) Feature anpreisen, frei heruntergeladen werden kann. Die gefundene Malware… Read more »
Truvor
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@ aquadraht

Zum Thema: https://politpuzzle.ru/49702-a-byl-li-haker/
Ich weiß nur nicht wie ernstzunehmend ist/war dieses „Interview“.

jowi
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Danke für den unterhaltsamen mit leichter Feder geschriebenen Artikel!

Es ist schwer, diese Dinge ohne Sarkasmus, Ironie oder Zynismus zu kommentieren.

Eines wird sich sicher auch 2017 fortsetzen: unsere westlichen Eliten sind schlechte Verlierer. Das lässt mich etwas sorgenvoll in die Zukunft blicken.

Truvor
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@ jowi

unsere westlichen Eliten sind schlechte Verlierer.

Das war ein Treffer 😉

Guten Rutsch !!!!

aquadraht
Mitglied

Nicht nur unsere Eliten sind schlechte Verlierer, die Presstitutes sind es auch. Gerade papageite die Tagesmärchenschau die Fake News der Washington Posts über die russischen Hacker in US-Stromnetzen, auf die ich weiter oben hingewiesen habe. Dass es sich um ein Fake handelte, sowohl beim Regierungsbericht als auch bei der WaPo-Meldung, das erfahren die Zuschauer der Tagesschau eher nicht.

a^2

jowi
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Zu der Washington-Post-Geschichte gibt es auch einen sehr lesenswerten Artikel von Glenn Greenwald auf „The Intercept“: Russia Hysteria Infects WashPost Again: False Story About Hacking U.S. Electric Grid An diesem Beispiel lässt sich kristallklar der Verstoß gegen Mindeststandards journalistischer Arbeit, zum Zwecke der Russlandhetze belegen. Das Elektrizitätswerk selbst hat die Washington-Post-Geschichte richtig gestellt: bei einer Routineuntersuchung der Computer des Stromlieferanten wurde auf nur einem Laptop dieser Trojaner gefunden und dieser hatte gar keine Verbindung zum Firmennetzwerk: The truth was undramatic and banal. Burlington Electric, after receiving a Homeland Security notice sent to all U.S. utility companies about the malware code… Read more »
Robbespiere
Mitglied

@Jowi

Möge sich der Spruch, dass Lügen kurze Beine haben, erfüllen!

Na, dann dürfte Merkel demnächst auf ihren Lefzen laufen und nicht nur die.:-)

aquadraht
Mitglied
Um auf einen weiteren Aspekt der angeblich russischen Hacks zurückzukommen: in den „Guccifer Leaks“ fanden sich Hinweise auf eine Word-Editierung, die von einem Rechner mit dem Namen „Феликс Эдмундович“ gemacht wurde. Ich halte es schom für mehr als schwachsinnig, anzunehmen, dass Hacker von Windows-PCs aus arbeiten, schlicht weil Unix- oder Linuxrechner ein viel mächtigeres und besser kontrollierbares Werkzeug darstellen und kein Profi von einem Windows-PC als Basis aus arbeiten dürfte (dass sie Windows-PCs mit ihren meist schlechten Sicherheitsfeatures gern hijacken, ist eine andere Sache). Auch Microsoftprodukte wie Word dürften bei Hackern eher als pfui gelten, schon wegen ihrer Neigung, nach… Read more »
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