Paketzusteller als modernes Gesinde

Zu Tausenden beschweren sich die Menschen über Paketzusteller, allen voran kurz vor Weihnachten. Die Verbraucherzentrale stimmt in den Kanon ein und dokumentiert die vermeintliche Schlamperei. Ton und Maß der Kritik an den Beschäftigten gleicht dabei dem Gejammer wilhelminischer Herrschaften über ihr unzuverlässiges Gesinde

Natürlich habe ich auch schon mal so ein Kärtchen im Briefkasten vorgefunden. Darauf zu lesen stand, dass ich zu Hause nicht anzutreffen war, ich solle mein Paket deswegen am nächsten Werktag in der Filiale abholen. Komisch an der Sache war nur, dass ich den ganzen Tag daheim war, ein Klingelzeichen und ich hätte die Haustüre geöffnet. Hätte ich gewusst, dass es da ein Beschwerdeportal namens »Paket-Ärger« von der Verbraucherzentrale gibt, ich hätte dort schon gelegentlich was melden können. Aber manchmal ist es gut, wenn man solche Einrichtungen nicht kennt. Sonst notiert man dort als Kurzschlussreaktion, was einem später wahrscheinlich leidtut. Denn seien wir doch mal ehrlich: Die Meldung dort dient der Anschwärzerei; da werden die Lieferanten in die Pfanne gehauen. Dabei trifft sie doch nicht die Schuld. Selbst dann nicht, wenn sie es sich im Arbeitsalltag mit Aktionen wie der eben mal eingeworfenen Abholungsbenachrichtigung ein bisschen einfacher machen.

Weiterlesen beim Neuen Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

21 Kommentare auf "Paketzusteller als modernes Gesinde"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Miefi
Gast

Der Neuigkeitswert liegt in Weihnachten begründet oder warum dürfen wir
erst jetzt erfahren das Paketboten ausgenutzt werden ?
Oder ist Wallraffs Buch neu oder das Portal ?

Mich beschleicht die Befürchtung, dass viele Menschen im Diensteleistungssektor
ausgenutzt werden. Dem sollte man mal nachgehen ! Wenn das stimmt, hätte
das viele Geringsverdiener zur Folge. Kaum auszudenken. Die Vorstellung allein
das Menschen dauerhaft von der Hand in den Mund leben….furchtbar !……

Die könnten sich kaum was fürs Alter zurücklegen, wenn das stimmt.

Ich glaube die Paketboten sind nur die Spitze des Eisberges, wenn das stimmt was
du schreibst…..

bernie
Gast
@Miefi Lebst du hinter dem Mond? Bist du noch gar zu jung um zu wissen, dass der Dienstleistungssektur in Deutschland, ebenso wie der Niedriglohnbereich, riesig ist? Hast du verschlafen, dass Roberto J. de Lapuente dazu auch schon einiges in seinem ehemaligen Blog Ad Sinistram geschrieben hat? Fragen über Fragen…meinerseits wie du siehst 😉 Was Wallraff angeht, da kann ich deine Fragen, und Aussagen hier, wohl nur als Sarkasmus einstufen. Hab ich recht? Bei Wallraff wundert mich übrigens sein derzeitiges, oder schon jahrelanges, Schweigen zum Thema Leiharbeit, denn Wallraff war einer der ersten, der in seinem Buch „Ganz Unten“, incl. Folgen,… Read more »
Sukram71
Mitglied

Auf Paketzusteller bin ich eher nicht wirklich böse. Die haben einen schlecht bezahlten harten Job.

Aber wenn der mein Paket wieder mitnimmt und ich soll das bei der Post abholen, dann sind hier die Öffnungszeiten wie folgt:
9 -12 Uhr und 14-17 Uhr

Das sind keine Öffnungszeiten, sondern eine Zumutung. Zu diesen Zeiten muss jeder normale Mensch arbeiten!

Robbespiere
Mitglied
Tja, so läuft es eben, wenn man staatliche Unternehmen wie die Post privatisiert und dem Konkurrenzdruck der „freien Wirtschaft“ aussetzt. Irgendwer muss den Kopf hinhalten für die Gewinne der Eigentümer. In aller Regel sind es die Mitarbeiter und Kunden, auf deren Rücken die „Dividenden“ Weniger sprießen. Als das Postmonopol noch in Bürgerhand war, wurde zwar auch gemeckert, aber letztendlich doch akzeptiert, daß Pakete und Päckchen rechtzeitig aufgegeben werden mußten, um pünktlich beim Empfänger anzukommen. Leider haben sich die Bürger von der Politik einreden lassen, Privat könne alles besser und auch noch billiger als der unflexible Staat. Nur, daß der Staat… Read more »
bernie
Gast
Seh ich ganz genauso, zumal ich ja, wie weiter oben beschrieben, schon selbst erlebt habe, dass Postmitarbeiter, wenn die Zusteller sind, sich mit 3 Jobs durchs Leben durchhangeln müssen – im örtlichen REWE als „Wareneinräumer“, bei einer Leihbude für eine renomierte Schweizer Büromöbelfirma Stühle etc. schrauben, und als Postzusteller für die Post….und evtl. keine(r) im schönen grün-schwarz-regierten BW, mit Ausnahme von mir, hält dies für „nicht normal“….. Was „die Bürger“ angeht, da darfste die Bankenrettung aber nicht vergessen, die nicht erst mit 480 Milliarden Euro 2008, nein die Steuerzahler zahlen immer noch für marode dt. Banken….nur wird dies, typisch Lückenpresse,… Read more »
Robbespiere
Mitglied
@Bernie Was „die Bürger“ angeht, da darfste die Bankenrettung aber nicht vergessen, die nicht erst mit 480 Milliarden Euro 2008, nein die Steuerzahler zahlen immer noch für marode dt. Banken….nur wird dies, typisch Lückenpresse, in .de verschwiegen….auch Griechenland ist derzeit kein Thema mehr, denn auch dort werden nur Investoren gerettet, aber nicht die griechische Bevölkerung bzw. Wirtschaft…..auch kein Thema mehr, alles vergessen Über die Rolle der Presse als Kontrollinstanz der Politik brauchen wir nicht mehr zu reden. Das Medienoligopol ist längst zum Werkzeug der Oberschicht verkommen, zu denen ja auch dessen Eigentümer gehören. Viel schlimmer für mich ist, daß Menschen,… Read more »
Prostfaktisch
Gast
Also nicht beschweren über eine Dienstleistung, die nicht erbracht wird, für die ich aber teuer bezahlt habe, nur weil die Konzerne das Maximum an Profit auf dem Rücken der Beschäftigten raussaugen? Vielleicht ist beschweren oder Klagen, über eine Dienstleitung, die unter diesen miesen Bedingungen garnicht erbracht werden kann, der einzige Weg diesen Wahnsinn zu beenden? Das alles stillschweigend hinnehmen, den Konzernen weiterhin maximale Profite ermöglich, nur weil die armen Leute ausgebeutet werden, kann doch nicht die Lösung sein. Und zu glauben, dass Gewerkschaften oder Politik die Verhältnisse gerecht und vernünftig regeln werden ist noch absurder als an den Weihnachtsmann zu… Read more »
flurdab
Gast

Es wäre gut wenn deine Beschwerde etwas bewirken würde.
Aber hast du denn schon mal jemanden mit einer Beschwerde erreicht, der etwas zu verantworten hat?
Oder ist es nicht eher so das dort eine Kaskade an „Ich leite es weiter“ installiert wurde.
Ist wie bei VW oder in der Politik. Verantwortung wird so lange delegiert bis sie verschwindet.
Oder auch in der Justiz, wo Prozesse so lange durch Instanzen geprügelt werden bis der Normalsterbliche mangels Geld aussteigen muss.

bernie
Gast
Interessant wäre ob die Paketzusteller festangestellt, oder in Leiharbeit, tätig sind? Ich persönlich kenne nämlich da einen Postboten, den ich auch schon beim Wareneinräumen im REWE getroffen habe, und bei einer Probearbeit, die ich im Rahmen einer Arbeitsamtsmaßnahme „freiwillig“ für ein Leiharbeitsunternehmen in einem Kundenunternehmen dieser Leihfirma ableisten durfte. Modernes Deutschland eben! Dank dem Genossen der Bosse Gerhard Schröder (Ex-Kanzler-SPD-Grüne) neoliberal „reformiert“, und wie bereits weiter unten, mich persönlich betreffend geschrieben, ohne Rücksicht auf Angehörige von schwer-pflegebedürftigen Personen, oder gar sonstigen „privaten“ Problemen, die aus einer Geschäftsaufgabe, auch aus anderen Gründen, resultieren. Sch….egal übrigens ob man 12 Jahre Steuern und… Read more »
bernie
Gast
Ergänzung: Die Trainingsmaßnahme übrigens machte ich bei einer Firma, die via Vermittlungsgutschein Arbeitslose vermittelt, und zwar ganz egal was man vorher gelernt hat bzw. deren Firmenname übrigens auch verdächtig nach ZAF klingt. Dank Eigenrecherche weiß ich, wie auch hier schon erwähnt, dass die Firma tatsächlich eine Leihbude betreibt, und in unserem Bezirk mit dem Arbeitsamt zusammenarbeitet um Arbeitslose in Arbeit „zu vermitteln“ …. …auch dies dürfte regional unterschiedlich gehandhabt werden, und ist sicher kein Einzelfall. Vielleicht schreibt ihr mal was dazu? Der Zusammenarbeit von Arbeitsagenturen, Jobcentern und Leiharbeitsbuden, die über sogenannte Trainingsmaßnahmen erfolgt, die man als Kurz- oder Langzeitarbeitsloser „freiwillig“… Read more »
André Tautenhahn
Gast

Bei DHL geht es inzwischen auch recht drastisch zu. Die haben mit der DHL Delivery GmbH eigene Tochterfirmen gegründet, um Mitarbeiter auslagern und Löhne drücken zu können.

Übrigens: Bei manchen Unternehmen kann man sogar noch an Heiligabend mit Liefergarantie bestellen.

Serienfan
Gast
Das System hat sich perfektioniert. Wenn ich mich als Kunde beschwere, lande ich zunächst bei einer unterbezahlten Person, die nicht „schuld“ ist an meinem Vorwurf, die meist auch nichts ausrichten kann, die mir in den meisten Fällen – da sie im Akkord arbeitet – nur irgendeine unpassende Standard-Antwort zuschickt, und wenn sie sich dann tatsächlich kümmert, kann sie meine Meldung nur weiterleiten an einen Ort, wo diese dann gesammelt wird, um wiederum Druck auf irgendein anderes Opfer des Systems auszuüben. Niemand hinterfragt es. Ein System, bei dem der Kunde immer schlechtere Leistung bei immer teueren Preisen bekommt, während der Zulieferer… Read more »
flurdab
Gast

Dazu passt der heutige Artikel auf den NDS wie Faust auf Auge.
„Die neuen Mächtigen“
http://www.nachdenkseiten.de/?p=36414

Folkher Braun
Mitglied
Diese Arbeitsbedingungen gibt es im Straßengütertransport hierzulande seit Anfang der 70er Jahre. Die Lohnfortzahlung für gewerbliche Arbeitnehmer brachte Spediteure auf die Idee, die Lkw für den Nahverkehr (meist kleine 7,5 t Butzen) an die Fahrer zu verkaufen. Ein paar kleine Tricks zur Umgehung des Güterkraftverkehrsgesetzes halfen dabei. Als dann deutsche Spediteure ihren Deutschen Paketdienst gründeten, hatten sie es bei den 3,5 t Lieferfahrzeugen noch einfacher: die Transporter unterliegen nicht dem GüKG, jeder mit FS B kann die fahren. Es entstand so eine weitere soziale Gosse, bei der ein Mindestlohn keine Rolle spielt. Man macht halt alle zu Mini-Transportunternehmern. Das war… Read more »
Knallcharge
Gast

Zu einem Vertrag gehören immer noch zwei! Wenn ein Fahrer sich auf so dämliche Bedingungen einläßt, ist das seine eigene Entscheidung. Hör auf von Hartz4-Druck zu reden, denn selbst dort kann man nicht dazu gezwungen werden einen Job als Scheinselbstständiger anzunehmen oder zu sittenwidrigen Löhnen zu arbeiten.

Beim besten Willen und Mitgefühl für Leute in Ausbeutungsverhältnissen: Es gehören zwei dazu! Der sich ausbeuten läßt und der Ausbeuter. Das ist in jeder Beziehungsstruktur so und gilt auch für das Arbeitsverhältniss.

Es gibt mehr als genug Möglichkeiten solchen Bedingungen auszuweichen. Man muss es aber auch wollen und machen!

Knallcharge
Gast
Ihr übertreibt ein wenig. Natürlich ist der Lohn überall knapp, aber die Leute machen den Job und sollen ihn auch zur Zufriedenheit der Kunden machen. Es ist doch hier das Abwälzen der Probleme mit dem Arbeitgeber, die Lohnknappheit bis zum Dumping. Wobei hier die Meinungen auch auseinandergehen was der angemessene Lohn sein soll – wieviel darfs sein? Mindestlohn? doch schon 2€ Stunde mehr? ach was, 12 Euro mindestens! Besser gar 16? – Darüber wird man sich nie einigen können. Wird immer welche geben, denen das zu wenig ist was bezahlt wird oder der Job zu hart, zu stressig zu viel… Read more »
Folkher Braun
Mitglied

Verstehe. Schon immer war der Arbeiter für seine Arbeitsbedingungen verantwortlich.

wpDiscuz