Trump und Assad – Brüder im Geiste?

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Es schlägt medial großen Wellen, dass der syrische Präsident Bashar Al-Assad ausgerechnet die USA als „natürlichen Verbündeten“ bezeichnet hat. Dass der Präsident Syriens (nicht Machthaber und auch nicht Diktator, sondern Präsident) nun ausgerechnet Hoffnungen auf den angehenden US-Präsident Donald Trump setzt, kommt in der allgemeinen Gemengelage des Westens gar nicht gut an. Irgendwie bricht da im Moment ein ganzes Gedankengebäude zusammen, das die Aufteilung von „gut“ und „böse“ bisher so herrlich einfach gemacht hat.

Und so beeilen sich Süddeutsche Zeitung, Welt, Spiegel und wie sie noch alle heißen, noch mal explizit zu betonen, wie unglaublich böse Assad ist. Auch Chemiewaffen kommen sind wieder ins Spiel, wobei die Tatsache, dass die Beweislage nicht eindeutig ist, kein Problem darstellt. Warum auch? In der Geschichte der NATO-Kriege gehörten ausgedachte Gründe für Invasionen und Destabilisierung schon fast zum „guten Ton“, endgültig belegte Beweise daher waren und sind eher die Ausnahme. Und wieder stellt sich die rhetorische Frage: warum auch? Die NATO führt gemeinsam mit den USA seit Jahrzehnten verbotene Angriffskriege, missachtet und ignoriert die UNO und ist der festen Überzeugung, dass die UN-Charta für sie nicht gilt. Da macht die eine oder andere Kriegslüge den Kohl nun auch nicht mehr fett.

Ob Assads Hoffnungen allerdings gerechtfertigt sind, darf bezweifelt werden (er selbst formulierte seine Erwartungen ja sowieso schon sehr vorsichtig). Nicht etwa, weil Trump vor der Wahl neben einem Haufen Unsinn auch einiges gesagt hat, das tatsächlich Veränderungen durch den neuen Präsident vermuten lässt. Und auch nicht, weil man ihm nicht glauben kann, wenn er der Meinung ist, gemeinsam mit Syrien und Russland den IS bekämpfen zu können. Es ist durchaus vorstellbar, dass Trump sich einen gemeinsamen Kampf mit Russland und Syrien gegen den IS vorstellen kann. Der Grund, der gegen die neue Strategie spricht, ist ein ganz simpler: Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten.

Klingt komisch, ist aber so. Es ist nicht der Präsident, der entscheidet, wie die Militärpolitik der USA auszusehen hat. Es ist vielmehr das Netzwerk des militärisch-industriellen Komplexes, das die Fäden zieht. Das bedeutet, dass Trump vermutlich mächtig Gegenwind bekommen wird, wenn er tatsächlich die aktuelle Praxis der amerikanischen Kriegsführung in Frage stellt. Man denke nur an Trumps Vorgänger Obama, der einst das deutlich weniger ehrgeizige Ziel verfolgte, Guantanamo zu schließen. Das ging mächtig in die Hose, und im Februar 2016 hieß es, Trump wolle das Lager sogar noch ausbauen. Das allerdings war vor der Wahl, man darf also abwarten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es eine Allianz USA-Russland-Syrien gegen den IS geben wird. Unsere Qualitätsjournalisten müssen also gar nicht an ihren Bleistiften lutschen, um Trump seine vermeintlich dumme Idee auszureden oder die deutsche Bevölkerung weiterhin auf Kurs zu halten. Es reicht völlig aus, wenn sie weiter das machen, was beim Syrienkrieg in der deutschen Medienlandschaft schon Tradition hat: einseitig und tendenziös berichten, eine verengte Perspektive einnehmen und fleißig drauf los schreiben. Immer drauf auf den Bösewicht! Ob der nun Assad oder Putin oder inzwischen dann auch Trump heißt, ändert an der (fehlenden) Faktenlage eh nichts.

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Bild: Gage Skidmore

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