Theater, Theater! Viele, viele bunte Renten …

#Mehrwutstropfen

Die Rente. Damit kann man was reißen. Und auch wenn es noch gar nicht so lange her ist, als es aus allen möglichen Koalitionsecken hieß, die Rente sei als Wahlkampfthema nicht vorgesehen, die Verlockung war dann doch zu groß. Jetzt sind wir also mitten drin im Wahlkampf, pardon: der Rentendebatte. Und wie und was da so debattiert wird, lässt sich in vernünftige Worte kaum fassen.

Es wurde sich auf dies und das geeinigt. Und auf dies und jenes nicht geeinigt. Zum Beispiel auf die sogenannte „höhere Haltelinie“ von Andrea Nahles wurde sich nicht geeinigt. Da zog dann doch lieber die Union die Reißleine. Ist im Prinzip sowieso egal, denn wer will schon ernsthaft Prognosen über das Rentenniveau von 2045 anstellen? So gesehen hätte man sich eigentlich auch einigen können. Aber das macht die Aufführung kaputt, die ja eine gewisse Dramaturgie braucht.

Und sonst so? Es ging natürlich hart zur Sache, immerhin sprechen wir hier über die Rente, über die Rente! Die hat Tradition, wurde in nahezu jedem Jahrzehnt für tot oder in den letzten Zügen liegend erklärt, um dann irgendwie doch zu überleben, allen ignoranten und neoliberalen Maßnahmen zum Trotz. Aber die Damen und Herren in Berlin sind frohen Mutes, dieses verbiesterte Ding doch noch irgendwie in die Knie zu zwingen. Sei es durch sinnlose, teure private Altersvorsorge, durch Betriebsrenten, die alle bezahlen, nur halt die Betriebe nicht, oder durch Riester-Verträge, die jetzt noch besser schmecken sollen, nur eben keine gesunden Inhaltsstoffe enthalten.

Fehlt noch dies und das. Geeinigt wurde sich darauf, ab 2025 ein vereinigtes Deutschland zu haben, also rentenmäßig. Ich müsste mal kurz durchzählen, wie viele Legislaturperioden das … ach, egal! Gucken wir doch lieber auf die Erwerbsminderungsrente, die richtig klasse werden soll, und zwar zu einem deutlich früheren Zeitpunkt als diese störende Ost-West-Anpassung, die ja nun wirklich noch Zeit hat. Die Erwerbsminderungsrente soll schon bis 2018 deutlich verbessert werden. Na ja, oder bis 2024, das wird man dann sehen. Und irgendwie gelten diese ominösen Verbesserungen, die sage und schreibe 50,- Euro im Monat ausmachen, dann auch nur für neue Antragsteller. Das ist echt nett, denn wir sehen, dass das Augenmerk offenbar auf die jüngere Generation gerichtet wird, bei der man offenbar davon ausgeht, dass Erwerbsminderung für sie ein Thema ist und sein wird. In Anbetracht der Arbeitsmarktes heute und – sagen wir mal – 2045 ist das eine weise Annahme, denn gesünder wird Arbeit in Zukunft sicher nicht, wenn die Arbeitsmarktpolitik sich nicht gravierend verändert. Zum Positiven, wohlgemerkt. Da mal doch lieber die Erwerbsminderungsrente um ein paar Taler anheben, kommt günstiger.

Und das Karussell dreht sich weiter, diesmal wieder zurück zu dieses und jenes. Wie gesagt, die „kurzfristige“ Haltelinie des Rentenniveaus auf 46 Prozent bis 2045 will die Union irgendwie nicht so recht, also ist das erst mal vom Tisch. Immerhin, Nahles hat Haltung und sich streitlustig gezeigt, wobei es da um die Sache geht, nicht um Wahlkampf, denn wir sind in einer Rentendebatte, nicht vergessen!

Die singende Andrea hat sich auch beim Thema Solidarrente in Kampfstimmung gebracht. Denn sie findet es blöd, dass Geringverdiener womöglich weiter auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sind, deswegen wollte sie da was tun. Die Solidarrente eben. Gut, ok, schöner wäre es gewesen, wenn es diese merkwürdige Solidarrente gar nicht geben müsste, wenn es keine Geringverdiener gäbe, die dann auch nicht weiter im Wahlkampf, pardon: der Rentendebatte diskutiert werden müssten. Aber erneut ist das sowieso egal, man konnte sich ja nicht einigen.

Aber die Selbstständigen, da muss doch was gehen. Die sind irgendwie außen vor, und gerade kleine Unternehmer und Freiberufler dümpeln vor sich hin, was ja auch nicht schön ist. Einerseits. Andererseits konnte sich die Koalition – wer hätte das gedacht?! – auch in diesem Punkt nicht so richtig einigen. Also, eigentlich gar nicht. Vertagt also. Auf 2045 oder so.

Tja, was bleibt noch zu sagen?
Nicht viel, sollte man meinen. Aber ein Zitat kann eigentlich nicht schaden. Das stammt von einem Mann, der sich richtig auskennt und (natürlich!) ein ausgewiesener „Rentenexperte“ ist (nein, es ist diesmal nicht Jens Spahn, von dem brauche ich echt mal eine Pause!). Auf die Frage, ob das alles denn überhaupt funktionieren kann und was die Menschen machen sollen, die in 20 oder 30 Jahren in Rente gehen, sagte der „Experte“ auf „Deutschlandfunk“:

„Nach jetzigem Stand müssten die dazu in der Lage sein, weil wir am Arbeitsmarkt so viele Menschen in Lohn und Brot haben wie nie zuvor. Das heißt, wir haben eine gesunde, starke wirtschaftliche Basis. Wir dürfen nur nicht müde werde, den Menschen zu sagen, auch in Phasen niedriger Zinsen privat vorzusorgen. Das ist die einzige Chance, die wir haben.

Ja, ist klar.

Derselbe „Experte“ macht sich auch rührende Gedanke um die junge Generation. Auf die Frage, ob es besser sei, sich nur noch auf die jüngere Generation zu kümmern, weil die die Lasten in Zukunft womöglich nicht mehr tragen könnten, entgegnete der Renten-Spezie:

Ganz genau und sich möglicherweise als Beitragszahler in 20 oder 30 Jahren verweigern, und dann wackelt das ganze System. Solidarität ist eben keine Einbahnstraße.

Das bedarf dann wohl noch ganz kurz der Auflösung. Der „Experte“ heißt Dr. Jochen Pimpertz, er ist Leiter des sogenannten „Kompetenzfelds Öffentliche Haushalte und soziale Sicherung“ beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln und schreibt regelmäßig für die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“.

Und was macht meine Rechtschreibprüfung am Ende dieses Textes? Es zeigt sich ahnungslos und kennt das Wort „Pimpertz“ nicht, hat aber einen Alternative anzubieten: „Impertinenz.“

Gekauft!

——————————————————————————————————-
Bild: Kigsz

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz