Merkel macht‘s: Inhalte ade!

#Mehrwutstropfen/Kommentar

show-me-1123314_960_720Und es geht los. Merkel hat völlig überraschend bekannt gegeben, dass sie erneut Kanzlerin werden möchte. Die SPD ist sich noch unschlüssig, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass sie – Holzstück und Messer in der Hand – immer noch nicht fertig ist mit dem Schnitzen ihres Top-Kandidaten. Cem Özdemir von den Bundeswehroliven freut sich auf die „harte politische Auseinandersetzung“, während Parteifreundin Rebecca Harms sich 2017 durchaus eine schwarz-grüne Regierung vorstellen kann. Zwischendurch wird noch die Sache mit dem Bundespräsident abgehakt, Steinmeier lässt den Gelassenen raushängen, während die Abgehängten sich fragen, was das alles mit ihnen zu tun hat.

Die Antwort ist denkbar einfach: nichts! Was jetzt beginnt, hat mit den Wählern nichts zu tun. Denn jetzt ist es amtlich, Merkel wird Kandidatin, womit ebenfalls feststeht, dass Inhaltlich bis zur Bundestagswahl nicht mehr viel passieren wird. Wir sind jetzt in der Personaldebatte, und daran wird sich für lange, lange Zeit nichts mehr ändern.

Der „Stern“ zeigt gleich mal, wie es geht. Er zitiert den Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz mit dem Satz: „Mich ärgert, dass Phrasen ohne Inhalte kommen.“ Die hat er entdeckt, als Merkel die Zuschauer im Rahmen der Sendung „Anne Will“ einschläferte. Recht so, mag sich die „Stern“-Redaktion gedacht haben, um dann am Ende des Artikels heiße politische Facts zu präsentieren. Zum Beispiel, dass die Kanzlerin, keinen Schmuck trage, ihr Abi mit 1,0 abgeschlossen, früher mal eine Schachtel Zigaretten pro Tag geraucht habe und morgens Pfefferminztee statt Kaffee trinke. Das dürfte dem Psychoanalytiker wohl besser gefallen, harte Fakten statt hohle Phrasen.

Es geht also los. Seien wir gewappnet! Bereiten wir uns vor auf lauter Belanglosigkeiten, inhaltliches Wischiwaschi, auf Berichte über Mode und Urlaub. Bereiten wir uns vor auf gegenseitige Verwünschungen der Kandidaten (wenn es denn mal zwei davon gibt), auf große Ankündigungen und den Kater nach der Wahl, wenn wir feststellen, dass (erneut) die Wahlversprechen von vor der Wahl nichts anderes als das Geschwätz von gestern gewesen sein werden.

Wir müssen jetzt stark sein, tapfer und mutig. Vielleicht sogar so mutig, dass wir das inhaltsloses Geschwafel nicht akzeptieren. Die Journalisten könnten beginnen, in Talk-Shows und Interviews wirklich kritische Fragen zu stellen und sich nicht mit ausweichenden Antworten zufrieden zu geben. Sie könnten drängen, sich wiederholen, darauf hinweisen, dass ihre Fragen noch nicht beantwortet sind. Und wir, die Wähler, könnten es von Inhalten abhängig machen, wen wir wählen. Wir könnten versuchen, uns ein politisches Bild der Kandidaten zu machen, unterstützt durch umfassende Analysen von Journalisten, Wissenschaftlern und Wählern, die Spaß daran haben, die Parteiprogramme auseinander zu nehmen und darüber zu berichten.

Hach! Wäre das schön …

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Bild: bernswaelz

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