Künftiger Bundespräsident Steinmeier: Erfolgreich hochgeschrieben

13078881964_f998f49c3e_zKommentar/#Mehrwutstropfen

Die Deutschen mögen ihn, den Frank-Walter Steinmeier. Und sollten sie das mal vergessen, gibt‘s Hilfe, zum Beispiel von der „Zeit“, die schreibt: „Der mögliche neue Bundespräsident ist bisher eher als Technokrat bekannt. Aber die Deutschen vertrauen ihm. Und wenn er will, wird er unbequem.“ Auf „tagesschau.de“ wird getitelt: „Steinmeier will unbequem bleiben.“ Wir lernen also: Kantig ist er, der künftige Bundespräsident. Aber trotzdem irre nett.

Die „Süddeutsche“ geht es subtiler an und möchte von den Lesern wissen, ob sie Steinmeier für den richtigen Bundespräsidenten halten. Nicht allerdings, ohne dann ein kleines, nettes Porträt hinzuzufügen, das die Laune der Abstimmenden in die richtige Richtung lenken könnte. Gleich zu Beginn heißt es rührselig: „Sie nannten ihn „Prickel“ damals als er in der Jugend-Mannschaft des TuS 08 Brakelsiek spielte. Defensives Mittelfeld, das passt, noch heute.“ Da denkt man spontan: Wie süß, der Kleine damals war. Und heute ist er das ja auch irgendwie noch. Und so kantig dabei, hach, wie schön!

Doch Steinmeier ist kein Sympathieträger. Er ist nicht „unbequem“ und im „defensiven Mittelfeld“ spielt er auch nicht. Er mag die vorderste Front, und zwar am liebsten aus sicherer Distanz. Wohl auch, weil er weiß, dass dort, wo er zu entscheiden hat, schnell die Luft brennt. „netzpolitik.org“ weist zu Recht auf den Fall Kurnaz hin, der für die Gnadenlosigkeit Steinmeiers steht. Dass Kurnaz auch gefoltert wurde, gehört in die Biographie Steinmeiers, der 2002 dafür sorgte, dass dieser nicht freigelassen wurde, obwohl sich eigentlich alle mehr oder weniger einig waren und auch Amnesty International Kurnaz Glaubwürdigkeit bestätigte, der angab, mit Waterboarding und Schlafentzug misshandelt worden zu sein.

Weitere Auffälligkeiten des so netten sympathischen Steinmeier: Er billigte im Jahr 2002 den Datenaustausch zwischen NSA und BND, wird eng in Verbindung mit der „Operation Eikonal“ aus dem Jahr 2004 gebracht, die Grundrechte mit Füßen trat. Zudem ist Steinmeier einer der Väter der Hartz-IV-Gesetze und war auf dem Weg zu bewaffneten Drohnenkriegen äußerst hilfreich.

Wie gesagt, die Deutschen mögen ihn. Und es passt natürlich ausgezeichnet, dass Politik und Presse Steinmeier jetzt auch gleich noch als ruhiges und mäßigendes Gegenstück zum lauten Trump verkaufen können. Er wird eben hochgeschrieben, was das Zeug hält. Die Bundesregierung zeigt, dass sie gern am Bewährten festhält, denn zwischen Gaucks und Steinmeiers Aussagen in Amt und Würden des Bundespräsidenten wird es kaum spürbare Unterschiede geben. Aber Steinmeiers Stimme ist viel schöner, so kantig, dass man fast heraushört, wie unbequem der Mann sein kann.

——————————————————————————————————-
Bild: Estonian Foreign Ministry

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz