Ein Trumpeltier als Präsident – alles halb so schlimm?

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Es ist passiert. Wirklich. Donald Trump, der Rhetoriker vor dem Herren, ist Präsident der Vereinigten Staaten geworden. Wrong! möchte man spontan ausrufen. Aber die Alternative wäre ja auch nicht gerade die Rettung der Welt gewesen.

Jetzt stehen natürlich viele Fragen im Raum. Wann wird Trump mit dem Bau der Mauer von Mexiko beginnen? Muss Hillary Clinton jetzt ins Gefängnis? Zweifelt Trump eigentlich jetzt immer noch die Wahl an? Und überhaupt: Was passiert jetzt?

Man könnte sich wohl stundenlang darüber austauschen, was schief gelaufen ist in den USA. Man könnte jetzt auf die „dummen Amerikaner“ eindreschen, die doch tatsächlich Trump gewählt haben. Könnte man, muss man aber nicht. Denn was die Amerikaner gemacht haben, ist letztlich auch nichts anderes als das, was in anderen Ländern passiert, nur eben im weitaus größeren Stil. Wir in Deutschland haben mit der AfD zu kämpfen, die Franzosen haben ihre Variante von Rechtsauslegern, die Niederländer, die Polen, die Ukraine – überall sind besorgniserregende Bewegungen nach rechts zu erkennen. Ob diese Strömungen durch einen Putsch an die Macht kamen, durch Wahlen Mehrheiten gewinnen oder laut krächzend auf den Straßen demonstrieren, ist dabei zweitrangig. Fakt ist, dass die neoliberale Politik einfach nicht mehr so funktioniert wie geplant. Hillary Clinton steht für diesen Neoliberalismus, ihre Niederlage ist daher durchaus nachvollziehbar. Die Tatsache, dass die Amerikaner die Wahl zwischen einem rassistischen Großkotz und einer überzeugten Kriegstreiberin hatten, macht die Sache auch nicht leichter oder besser. In den letzten Woche war ja täglich zu lesen, dass es eine Wahl zwischen Pest und Cholera war. So gesehen konnte der amerikanische Wähler nur verlieren. Doch wie geht es weiter?

Man weiß es ja nicht, wie auch? Wenn es denn stimmen sollte, dass 8 von 10 Aussagen von Trump Lügen sind, ist die Zeit nach der Wahl ein einziges Überraschungspaket. Austritt aus der Nato? Gemütliches Beisammensitzen mit Putin? Jobs, Jobs, Jobs? Ausbürgerung aller Ausländer, die nicht bei drei „Mexiko“ sagen? Vor der Wahl hat Trump ordentlich Wind gemacht. Demnächst dürfte ihm dieser aufgrund die politischen Realitäten scharf ins Gesicht wehen. Denn einen bunt-grässlichen Wahlkampf zu machen, ist eine Sache. Sich gegen all jene, die in den USA seit Jahren die Fäden ziehen, wirklich durchzusetzen, eine ganz andere.

Wenn Donald Trump denn tatsächlich das Ziel hat, die Militärpräsenz der USA auf der Welt zu verringern, könnte man zynisch sagen: Dumm gelaufen für die Amerikaner, die sich innenpolitisch in der nächsten Zeit noch verzweifelter umschauen werden als bisher. Gut für den Rest der Welt, wenn denn kriegerische Handlungen mit amerikanischer Beteiligung (und das sind sie ja nun fast alle) künftig weniger werden.
Andererseits hat dieser Mann jetzt die Macht über den Atomkoffer, und diese Vorstellung ist nicht nur etwas unangenehm, sondern höchst beängstigend. Und überhaupt, ist es denkbar, dass ausgerechnet Trump für eine gemäßigte Militärpolitik stehen kann? Man darf es nicht nur bezweifeln, man muss es.

Man weiß nach der Wahl eigentlich genauso wenig wie vor der Wahl. Die Versprechen von Trump reichen von komplett hanebüchen bis eigenwillig fantasievoll. Nur eines ist sicher: dieser Kerl ist gefährlich. Wir müssen nur noch rausfinden, wie gefährlich genau. Und das werden wir, ob wir wollen oder nicht.

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Bild: Michael Vadon

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