Syrien: Demontage eines Landes und seiner Bevölkerung

16641056319_694411a5a7_mIn Syrien herrscht ein „Regime“, ein „Machtapparat“, angeführt vom „Despoten“, Diktator“ oder wahlweise auch „Machthaber“ Bashar al-Assad. Wir lesen das täglich, und wir hinterfragen diese Wertung schon lange nicht mehr, wenn wir es überhaupt je taten. Doch Syrien ist ein Land, das einst durchaus modern, fortschrittlich und weltoffen war. Im Grunde ist es das noch immer, doch diese Perspektive stört die Sicht derer, die ihre eigenen Ziele in Syrien verfolgen. Das meint zumindest Tim Anderson in seinem Buch „Der schmutzige Krieg gegen Syrien“. Doch auch andere Journalisten melden Zweifel an den offiziellen Versionen an.

Syrien, 2011:

Eine weitere Demonstration für Assad begann … sie mag eine Teilnehmerzahl von 200.000 bis zum Mittag erreicht haben … Es wurden keine Leute wie bei Saddam Hussein herangekarrt zum Omayad Platz (Damaskus) … die einzigen Soldaten standen bei ihren Familien. Wie berichtet man über eine regierungsfreundliche Demonstration während der arabischen Erwachens? Dort waren verschleierte Frauen, alte Männer, tausende von Kindern … wurden sie gezwungen? Ich glaube es nicht.

Diese Worte schrieb nicht etwa ein regierungsnaher syrischer Beamter oder Journalist, sondern Robert Fisk, ein britischer Auslandsjournalist, der von der „New York Times“ als der „wohl berühmteste britische Auslandskorrespondent“ bezeichnet wurde. Das lässt sich problemlos auf Wikipedia nachlesen. Seine Aussage zu der besagten Demonstration allerdings findet man nicht so leicht.

Syrien, so der Autor Anderson, hat sich in den letzten rund 45 Jahren in zahlreichen Bereichen weiterentwickelt. So konnte alleine die Kindersterblichkeit von 132 je 100.000 Einwohner im Jahr 1970 auf 14 im Jahr 2010 gesenkt werden. Ähnlich die Müttersterblichkeit, die im gleichen Zeitraum von 482 auf 45 reduziert werden konnte. Es gab Verbesserungen im sozialen Bereich, das Bildungssystem wurde vorangetrieben, Syrien hatte zudem keine Auslandsschulden und ging moderat mit Minderheiten um. Als im Jahr 2011 die Interventionen in Syrien begannen, befand sich das Land mitten in einem Prozess weiterer Veränderungen mit Kommunalwahlen, neuen Mediengesetzen und mehr Einfluss von Nichtregierungsorganisationen, die Präsident Assad ausdrücklich vorantrieb. Innerhalb der Bevölkerung erfreute sich der Präsident allgemeiner Beliebtheit. Selbst eine NATO-Studie kam 2013 zum Schluss, dass 70 Prozent der Syrier Assad unterstützten. 23 Prozent gaben sich neutral, nur 10 Prozent gaben an, die „Rebellen“ zu unterstützen (dieser Begriff bedarf einer Definition, die später folgen wird).

Wie passt das mit den Meldungen des Westens zusammen, die Assad als gefürchteten Machthaber darstellen?
Überhaupt nicht. Die Darstellungen über Syrien könnten konträrer nicht sein. Denn die westlichen Medien, insbesondere die der US-Regierung, decken sich nicht mit zahlreichen Beobachtungen anderer, von Anderson genannter Beobachter. Übrigens beinahe ausnahmslos westlicher Beobachter, auf dieses Detail legt Tim Anderson in seinem Buch „Der schmutzige Syrien-Krieg“ gesteigerten Wert. Aus einem einfachen Grund: Er wollte, so erklärt er sich, vermeiden, als befangen zu gelten und stützt sich ganz bewusst nicht oder kaum auf syrische Quellen, obwohl er in Syrien war und mit zahlreichen Menschen dort gesprochen hat.

Wie aus einem Gesicht eine Fratze wird

Wenn man den Krieg in und insbesondere gegen Syrien verstehen will, muss man sich zunächst klar machen, dass es sich dabei faktisch um einen Angriffskrieg handelt, verteidigt wird dort nichts, sieht man von den Interessen der Angreifer und Terrorfinanziers aus dem Ausland ab. Da nun aber Angriffskriege verboten bzw. geächtet sind, braucht es eine für die Öffentlichkeit glaubhafte Begründung, das gewaltsame gewaltsame Eindringen in ein Land als Verteidigungsmaßnahme zu titulieren. Dieser Punkt ist essentiell, denn seit 2011 wurde die Sprache beim Syrien-Konflikt kontinuierlich „kreativ gestaltet“. Vom „Kampf für die Demokratie“ war die Rede, untermauert durch vermeintliche und meist unbelegte Gräueltaten des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Dieser gilt schon lange als „Schlächter“, Diktator“ und Mörder, der seine eigene Bevölkerung tötet. Ihm gegenüber stehen die „moderaten Rebellen“, die als Freiheitskämpfer dargestellt werden, die sich wehrhaft (und vor allen glaubhaft) gegen ein „verbrecherisches Regime“ stellen. Von Amnesty International bis zur Neuen Züricher Zeitung wird die schlichte Unterscheidung in Gut (der Westen) und Böse (Assad) vorgenommen, ohne die Rollenverteilung im Syrien-Konflikt unter die Lupe zu nehmen. Auf diese Art wurde aus einem Regierungschef ein „Monster“ geformt, das skrupellos mordet und foltert, das „Verteidigungsbündnis“ musste eingreifen. So wurde und wird es verkauft.

Anderson schreibt richtigerweise weiter, dass Berichterstattung alleine jedoch nicht ausreiche, um einen Krieg zu rechtfertigen. Und da Angriffskriege geächtet bzw. verboten sind, brauchte es konkrete Anlässe, um in Syrien eingreifen zu können. Dafür wurden durch die USA, auch auch durch Saudi-Arabien, Katar und die Türkei „moderate Rebellen“ angeheuert, die bei Licht betrachtet nichts anderes als (unter anderem) Kämpfer des ISIS („Islamischer Staat im Irak und in Syrien“) waren. Die spätere Distanzierung vornehmlich der Amerikaner ist für Anderson fadenscheinig und wenig glaubhaft, immerhin ist der IS heute kaum schwächer als vor fünf Jahren. Jahrelang finanziert durch den Westen, heißt eines der wahren Monster IS, wenngleich die Gründe für die Finanzstärke in westlichen Medien kaum Erwähnung finden.

Laut Anderson tat die westliche Seite alles, um Präsident Assad für mörderische Aktionen verantwortlich zu machen. Zum Beispiel das Massaker von Hula, das Assad angelastet wurde. Dabei starben 108 Menschen, darunter 49 Kinder und 34 Frauen. Assad bestritt, für die Morde verantwortlich zu sein, doch er bleib ungehört, und selbst der UN-Menschenrechtsrat verurteilte das Vorgehen Syriens ungeachtet der dünnen Faktenlage. Ähnlich verlief die „Beweisaufnahme“ im Falle anderer Grausamkeiten, zum Beispiel beim Chemiewaffenvorfall in Ost-Ghuta oder beim angeblichen Einsatz von Fassbomben gegenüber Frauen und Kindern. Obwohl eindeutige Beweise für die Beteiligung der syrischen Regierung fehlten, fühlte sich Hilary Clinton im Jahr 2011 berufen, der syrischen Regierung anzulasten, sie habe „jegliche Legitimation eingebüßt“.

Innerhalb Syriens stellte sich die Lage anders dar. Bashar al-Assad wurde dafür kritisiert mit den „Rebellen“ zu lasch umzugehen. Innerhalb der Bevölkerung. Im Jahr 2013 gab es eine Armeeanordnung, die besagte, dass man die anti-syrischen Kämpfer möglichst lebendig fangen sollte, statt sie zu töten. Das brachte Assad in Teilen der Bevölkerung den Spitznamen „Mr. Weichherz“ ein, denn für sie waren die Angreifer im In- und aus dem Ausland nichts anderes als Terroristen, die ihr Land in den Abgrund stürzen wollen, schreibt Anderson.

Ist Tim Anderson in Besitz der Wahrheit?

Dem Autor nicht wohlgesonnen, könnten man Anderson vorwerfen, ein ähnlich undifferenziertes schwarz-weiß-Bild zu zeichnen wie die, die er kritisiert. Zwar geizt er nicht mit unzähligen Quellenangaben, doch seine Rückschlüsse wirken zuweilen konstruiert. Dennoch ist das Buch empfehlenswert, denn es traut sich, einen anderen Blick, eine andere Perspektive auf die Sachlage einzunehmen. Etwas, das heute faktisch kaum noch anzutreffen ist.
Auch Tim Anderson ist natürlich nicht in Besitz der absoluten Wahrheit, er muss sich, wie die meisten anderen der schreibenden Zunft auch, auf seine Quellen verlassen und darauf hoffen, dass die Zeugen, mit denen er gesprochen hat, ein mehr oder weniger objektives Bild vermitteln. Doch genau das ist natürlich nicht möglich, wenn man mit Menschen spricht, die als Zeugen auftreten. Jede Wirklichkeit, jede Wahrheit ist getränkt mit den subjektiven Empfindungen der Menschen, die sich in der Situation befinden bzw. befunden haben.

Weitere journalistische Wahrheiten

Ist Tim Anderson ein Verschwörungstheoretiker, der sich vorgenommen hat, eine große Ungerechtigkeit zu konstruieren? Kann es wirklich sein, dass die nahezu gesamten westlichen Medien in Sachen Syrien-Krieg Lügen verbreiten? Und dass Syrien ein fortschrittliches Land ist, das auf Offenheit und Toleranz setzt? Westliche Medien widersprechen dem aufs Schärfste, Blogs wie diewirklichewirklichkeit (der eigenwillige Name des Blogs sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Artikel über Assad sehr interessant ist) bestätigen teilweise Andersons Interpretation, Doch die Rollenverteilung des „bösen Regimes von Assad“ gegenüber der „Weltpolizei“ USA tritt immer offener zutage. Mit der Vermutung, dass die sogenannten „Rebellen“ zu großen Teilen für die Gräueltaten an Zivilisten verantwortlich sind, um diese dann der syrischen Regierung unterzuschieben, steht Anderson nicht alleine.

Für die „taz“ war es ein Skandal, was die Journalisten Charles Glass, Patrick Cockburn und Seymour Hersh zu sagen hatten. Im November 2014 erschien ein Artikel, der unterschiedliche Zitate der drei Journalisten unter die Lupe nahm. Zum Beispiel dieses von Charles Glass: „Die Einführung von chemischen Waffen, die mutmaßlich nicht allein vom Regime, sondern auch von den Rebellen eingesetzt wurden, war nur die dramatischste Eskalation in einem Kampf, in dem beide Gegner versuchen, den anderen auszulöschen.
Die „taz“ störte sich besonders an den Worten „Einführung“ und „mutmaßlich“. Im ersten Fall kann man durchaus mitgehen, den Einsatz chemischer Waffen als „Einführung“ zu bezeichnen, wirkt in der Tat verharmlosend. Der Begriff „mutmaßlich“ allerdings bezieht sich darauf, dass nicht klar war, wer genau letztlich Chemiewaffen eingesetzt hat. Wenn man nicht genau weiß, wer an etwas beteiligt oder nicht beteiligt ist, ergibt der Hinweis „mutmaßlich“ aber Sinn.

Auch mit Patrick Cockburn hat die „taz“ so ihre Probleme. Sie schreibt: „Für Cockburn hat der IS wenig mit dem Regime zu tun, sondern ist ein Seitenprodukt des Westens und der mit ihm verbündeten Golfstaaten, die den Aufstand gegen Assad unterstützen.“ Was daran verwerflich ist, erschließt sich kaum, denn an dieser Aussage ist nichts Überraschendes. Auch wenn Cockburn behauptet, dass die Freie Syrische Armee ein Komplize des IS sei, stört das die „taz“ erheblich. Man fragt sich allerdings: warum eigentlich?

Aus „taz“-Perspektive hat jedoch Seymour Hersh den Vogel abgeschossen. Als den „vielleicht ungeheuerlichste(n) Fall journalistischen Fehlverhaltens“ ordnete die „taz“ diesen Satz Hershs ein: „Es gibt zunehmend Beweise laut vielen Quellen im Nahen Osten – meistens der syrischen Opposition und ihren Unterstützern zugehörig –, dass der Einsatz chemischer Waffen am 21. August eine geplante Provokation der Opposition und ihrer saudischen und türkischen Verbündeten war.
Für die „taz“ nichts weiter als eine Verschwörungstheorie. Zudem sei „abgeschrieben“ worden, was die Glaubwürdigkeit weiter erschüttere.

Eingangs schreibt die „taz“: „Im Journalismus gilt allgemein das Ziel, objektiv zu berichten. Das verlangt Fairness, Überparteilichkeit und Ausgeglichenheit. Doch so nützlich Ausgeglichenheit in der Regel ist: Herrscht eine starke Ungleichheit der Akteure vor, kann eine erzwungene Balance das Bild verzerren.
Nun ist der „taz“-Artikel selbst alles andere als objektiv, fair oder ausgeglichen. Umso verwunderlicher wirkt dieser Satz. Man muss ganz sicher nicht teilen, was Autoren wie Anderson, Hersh, Fisk oder Cockburn schreiben. Doch man sollte berücksichtigen, dass sie vor Ort gewesen sind und Eindrücke gewonnen haben, die bei näherer Betrachtung nicht abwegig erscheinen.

Es wäre also angebracht, alles zu hinterfragen, also alle beteiligten Seiten zumindest in die eigene Bewertung aufzunehmen. Die „taz“ tut jedoch das Gegenteil, wenn sie schreibt: „In Sachen Syrien hört man oft, dass „beide Seiten“ des Konflikts gleichermaßen schlecht wären. Aber diese beiden gleichermaßen böse Seiten existieren nicht. Denn ein Staat mit seinem Apparat, seinen Hierarchien und Kommandoketten steht hier einer diffusen, dezentralisierten Organisation der Rebellen gegenüber.
Das weiter oben angedeutete Schwarz-weiß-Bild formt die „taz“ bis zur Vollendung, wenn sie von einem „Apparat“ schreibt, der einer „diffusen, dezentralisierten Organisation der Rebellen“ gegenüberstehe. Diffus sind höchstens die Rollen der unterschiedlichen Förderer aus den USA, Katar, Saudi-Arabien oder der Türkei.

Medienbomben

Der Artikel aus der „taz“ ist beispielhaft für die allgemeine und auch und besonders die aktuelle Berichterstattung. Er zeigt, wo die journalistischen Schwächen beim Syrien-Konflikt liegen. Nämlich bei dem ernsthaften Versuch, sich ein möglichst vollständiges Bild zu machen (was sogar dann schwierig ist, wenn man nach Syrien reist). Dies geschieht nicht. Stattdessen werden Meldungen ungeprüft übernommen, wie sich gerade kürzlich wieder gezeigt hat, als nach dem Angriff auf den UN-Hilfskonvoi reflexartig die „Russen“ verantwortlich gemacht wurden. Als sich herausstellte, dass völlig unklar ist, wer diesen Angriff verübt hatte, ja, sogar, was genau eigentlich passiert ist, ruderte die Presse nicht etwa zurück oder korrigierte sich, sondern schwieg schlichtweg.

Die Medien werden ihrer Verantwortung einmal mehr nicht gerecht. Eben der Verantwortung, die die „taz“ selbst formuliert hat, unabhängig zu berichten, objektiv zu berichten, fair zu berichten. Die Lage in Syrien ist im Laufe der letzten fünf Jahre immer komplizierter geworden. Doch glaubt man der Berichterstattung, scheint alles ganz klar und einfach zu sein. Doch das ist es nicht. Es wäre die Aufgabe der Medien, die Gesamtlage und jede neue Situation kritisch zu hinterfragen. Stattdessen schreibt man gegenseitig ab, um der Schnellste zu sein und an den Feindbildern nicht zu wackeln. Das ist ein mediales Bombardement, das zusätzlich zur Eskalation beiträgt.

Was tun gegen den Terror?

Deutschland/Syrien, 2016:

Wie in jedem Krieg leidet die Bevölkerung unter den Auseinandersetzungen in und gegen Syrien mit Abstand am meisten. Und genau dort liegt einer der Gründe dafür, dass von Frieden in Syrien noch sehr lange Zeit keine Rede sein kann. Jürgen Todenhöfer hat es auf den Punkt gebracht, als er sagte, dass die USA kein sonderlich großes Interesse daran haben, den IS zu zerstören. Weil er für Konflikte in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sorgt. Und solche Konflikte brauchen die USA, haben sie selbst unterstützt, finanziert und forciert, um die eigene Rolle und den eigenen Einfluss stärken zu können. Die Konkurrenz zu Russland kommt erschwerend hinzu. Die Tatsache, dass der IS größer und mächtiger geworden ist, als geplant, und die Tatsache, dass er auch Anschläge in westlichen Ländern zu verantworten hat, erschwert die Sache zwar, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Bereitschaft der USA, Konflikte in Ländern wie Syrien zu streuen, versprechen sie sich davon doch geopolitische Vorteile.

Todenhöfer beklagt, dass auf das Konto der USA unter George W. Bush in dessen Regierungszeit 1,3 Millionen Tote gehen, während im gleichen Zeitraum durch Osama bin Laden und den IS rund 3.700 Menschen zu Tode kamen. Ihm geht es nicht darum aufzurechnen, sondern Erklärungen für die Entstehung weiterer Terroristen zu finden. Und er macht deutlich, dass westliche Bomben nicht weniger terroristisch sind als die Kämpfer des IS. Im Jahr 2007 traf Todenhöfer einen jungen Mann, der zum IS gegangen war. Er fragte ihn, wie es dazu kommen konnte, und der junge Mann schilderte, wie US-amerikanische Soldaten in sein Haus eingedrungen seien und seine Mutter sich vor ihnen auf die Knie geworfen hatte, um zu flehen, sie mögen der Familie nicht auch noch das Letzte nehmen, was sie besaßen. Die Soldaten erschossen daraufhin die Mutter des jungen Mannes. Nach diesem traumatischen Erlebnis entschied er sich, zum IS zu gehen und gegen den Terror der USA zu kämpfen. Das ist eine von 1,3 Millionen Geschichten, die in unzähligen Fällen dazu geeignet sind, aus Opfern Täter bzw. Terroristen zu machen. Wer nichts mehr zu verlieren hat, kann nur gewinnen.

Die Antwort auf die Frage, wie man den Terror beenden kann, ist denkbar einfach und ungeheuer kompliziert gleichermaßen. Kompliziert, weil außenpolitische Interessen dafür sorgen, dass weiterhin Destabilisierung betrieben wird. In Syrien, aber auch anderswo. Denn nur geschwächte Länder sind geeignete Ziele für eine wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische von außen erzwungene Übernahme. Syrien ist geschwächt, alles läuft also im weitesten Sinne so, wie die USA sich das vorstellen.
Sehr einfach ist die Antwort aber auch. Gegeben hat sie der junge Mann, mit dem Todenhöfer gesprochen hat. Auf die Frage, wie der Terror beendet werden kann, sagte er sinngemäß: „Verschwindet aus unseren Ländern. Und der Terrorismus wird verschwinden.
Es darf jedoch bezweifelt werden, dass die despotischen Machthaber der Regime, die Länder wie Syrien überfallen, bombardieren und mit Terror überziehen, sich durch diesen Appell beeindrucken lassen.

Nachtrag: Bei der Auswahl der Themen und Fakten musste ich Kompromisse eingehen, damit der Artikel nicht noch länger wurde, als er eh schon ist. Mir ist klar, dass ich zahlreiche Faktoren hier nicht be- und verarbeitet habe. Vielleicht hole ich das in einem oder zwei weiteren Artikeln nach.

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Bild: Jordi Bernabeu Farrús

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3 Kommentare auf "Syrien: Demontage eines Landes und seiner Bevölkerung"

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aquadraht
Mitglied

Nur um noch einmal diesen wichtigen Beitrag ins Gedächtnis zurückzurufen (er steht jetzt „tief unten“ und war auch im Spiegelfechter zeitweilig nicht oder schlecht sichtbar. Es ist gut, dass auf die wenigen aufklärenden Stimmen wie Anderson, Fitz, Hersh und Cockburn hingewiesen wird.
Wichtig ist er auch, weil er die schmutzige Kriegshetze der taz aufspiesst, einem der abstossendsten Mord- und Terrorhetzblätter schon seit dem Jugoslawienkonflikt. Uns fehlt ein Blatt wie der Independent, dessen Syrienberichterstattung beispielhaft ist.

a^2

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[…] zu unterstützen (dieser Begriff bedarf einer Definition, die später folgen wird). Quelle: neulandrebellen Tim Anderdon Der schmutzige Krieg gegen Syrien Beispiel Omran. Das Foto des kleinen Jungen wurde […]

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