Ist das der Beginn vom Ende der Deutungshoheit?

In Großbritannien hat sich die geballte Front der Massenmedien zusammen mit den Parteieliten gegen den Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn verschworen. Corbyn nahm den Kampf auf – über die Sozialen Netzwerke und Onlinemedien haben seine Anhänger eine wirkungsvolle Gegenöffentlichkeit geschaffen. Bei den kommenden Wahlen zum Parteivorsitz geht Corbyn als großer Favorit ins Rennen. In den USA hat Bernie Sanders gezeigt, wie man ohne das große Geld, dafür aber mit der Unterstützung der Sozialen Netzwerke, gegen eine Einheitsfront der Massenmedien mehr als einen Achtungserfolg erzielen kann. Gleiches gilt für Donald Trump, der neben den Massenmedien auch noch das versammelte Parteiestablishment gegen sich hat. Hat die Macht der Meinungsmacher ihren Zenit überschritten? Sind die Beispiele Corbyn und Sanders auch auf Deutschland übertragbar?

Corbynistas gegen den Mainstream

Wissenschaftler der angesehenen London School of Economcis haben vor wenigen Wochen eine Studie veröffentlicht, in der sie analysiert haben, wie die großen Zeitungen des Landes über Jeremy Corbyn berichten. Das Ergebnis ist eindeutig und wenig überraschend: Klassisch konservative bis reaktionäre Blätter wie die Sun oder der Daily Telegraph berichten fast nie neutral oder gar positiv über Corbyn, sondern nehmen meist eine klar ablehnende Position ein. Und selbst bei „liberalen“ Blättern wie die dem Daily Mirror oder dem Guardian überwiegt die Kritik. Passenderweise trägt die LSE-Studie dann auch den Titel: „Vom Wachhund zum Kampfhund“.

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37 Kommentare auf "Ist das der Beginn vom Ende der Deutungshoheit?"

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GrooveX
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mediendinos sterben eben langsam aus. solange wir jedoch keine kompetenten jungen enthusiastischen politikerInnen haben, werden auch die internetportale nur von alten säcken bespielt.

68 wiederholt sich nicht mit 68ern. kannste knicken.

wschira
Mitglied

Die tatsächlichen Dinos sind aber sehr rasant ausgestorben. Für die Mediendinos fehlt nur ein entsprechender Asteroideneinschlag.

R_Winter
Mitglied
Corbyn nahm den Kampf auf – über die Sozialen Netzwerke und Onlinemedien haben seine Anhänger eine wirkungsvolle Gegenöffentlichkeit geschaffen. Die NDS können nur der Auslöser sein, aber auch der SF „kneift“ mehr und mehr in dieser Frage. Ohne Authentizität nutzt das gesamte Netz nichts. Es geht nicht darum wie etwas verkauft wird, sondern darum wer es verkauft und vor allem was hier überhaupt verkauft werden soll. Wagenknecht hat keine „Authentizität? Sie ist der einzige Hoffnungsträger z.Z. und dieses sage ich als Nicht-Mitglied irgendeiner Partei. … was aber (noch) fehlt ist der deutsche Jeremy Corbyn oder der deutsche Bernie Sanders. Jens,… Read more »
Heldentasse
Mitglied

Jens, hast Du nach der Erfahrung mit Merkel „weibliche Vorurteile“ in der Politik?

Meinst Du das jetzt wirklich rein politisch?

Beste Grüße

_MR
Gast

Jens, hast Du nach der Erfahrung mit Merkel „weibliche Vorurteile“ in der Politik?

Als Frau behaupte ich mal, dass es nicht möglich ist, eine weibliche „Hoffnungsträgerin“ zu benennen.
Sarah Wagenknecht?
Die Frau schöpft ihr Potential nicht aus. Sie macht zu wenig auf sich aufmerksam in sozialen Netzwerken.

Ansonsten, Angela Merkel, Hillary Clinton, Theresa May (nicht nur optisch scheinbar ein Klon der eisernen Lady) ???
Hier in Deutschland gibt es niemanden, der neue Impulse setzt, egal welchen Geschlechts.

Gute Politik sollte nie eine Frage des Geschlechts sein.

btw: Gender studies scheinen imho eher zu einer Deemanzipation zu führen.

Jan Moltke
Gast

Es gibt in demokratischen Ländern keine Deutungshoheit.
Jeder kann seine Meinung verbreiten.

Heldentasse
Mitglied

M.E. ist hier der Umkehrschluss erlaubt, nämlich : Wenn es dann doch Institutionen gibt, die die Deutungshoheit für sich beanspruchen und erfolgreich im Sinne der Eliten durchsetzen, ist das betreffende Land de facto auch keine Demokratie!

Beste Grüße

smukster
Gast

Der Begriff Institutionen passt hier m.E. nicht, weil es sich in aller Regel um diffuse Netzwerkprozesse handelt. Es gibt keine lenkende Instanz im Medienbereich – sorry an alle VT’lerInnen. Punktuelle Ausnahmen in heiklen Situationen schließt das nicht aus.

hart backbord
Gast

Jeder kann seine Meinung verbreiten.

Haste mal nen Zeitungskonzern für mich?

Falk Hoerstel
Gast
Vom Schicksal der Verdammten Der beste Schutz für minderjährige Flüchtlinge, wären anwesende und ’starke‘ Väter. „Demnach verschwanden allein in Italien mindestens 5.000 Kinder, während man in Schweden von 1.000 Vermissten sprach. Auch in Deutschland sprach das BKA von 5.000 vermissten Flüchtlingskindern.“ Man könnte meinen, wenn Menschen ohne Papiere ankommen, von Soros mit dem Tipp ausgestattet, je jünger, desto großzügiger sind die Europäer zu dir, das einem die Idee kommen könnte, sowas könnte damit zusammenhängen. Die Quelle ist übrigens eine die folgendes gemacht hat; Im November 2014 erhielt der ehemalige britische Premierminister Tony Blair vom amerikanischen Arm der Organisation einen Preis… Read more »
Peinhart
Gast

Was bedeutet es für eine Gegenöffentlichkeit, sich dabei wesentlich auf zwei Privatkonzerne zu stützen, die wie andere Medienkonzerne auch ganz eigene Interessen haben und sich noch dazu ‚im Austausch‘ mit ‚Sicherheitsorganen‘ befinden?

Truvor
Mitglied

Ja, so ist es, die Soziale Netzwerke sind ein Machtfaktor geworden.
Deswegen haben die Politik und die Geheimdienste die Soziale Netzwerke für sich entdeckt.
Zum Beispiel diverse Farben „Revolutionen“ oder Maidan.

jowi
Mitglied

Eben, das wäre die Ironie der Geschichte, wenn Instrumente des tiefen amerikan. Sicherheitsapparates nun gegen die 1%-Elite gewendet würden.
Eines ist sicher: wenn sie, die Dunkelmänner der Macht, bei diesem Kampf ins Hintertreffen geraten, dann ziehen sie notfalls den Stecker.

Begründungen finden sich immer: Jugendschutz, Kampf gegen den Terrorismus, … .

Deshalb sollte die Vernetzung der Gegner einer Kapitaldiktatur robuster erfolgen, als nur über die sozialen Netzwerke. Letztlich, siehe Putsch in der Türkei, muss der Protest auf die Straße, ins reale Leben.

Truvor
Mitglied

@ Jowi

Das Komische an dieser ganzen Geschichte, um die Soziale Netzwerke ist, daß z. B. die Russen diese Waffe, nämlich Soziale Netzwerke, gegen den Westen gewendet haben und ziemlich erfolgreich gegen den Westen, im Informationkrieg, anwenden.

jowi
Mitglied
Am besten gefällt mir die bildhafte Beschreibung unserer Medienlandschaft: „Vom Wachhund zum Kampfhund„. Das sollte doch jedem echten Demokraten einen Schauer über den Rücken jagen! Aber es sind immer noch viel zu wenige, die das erkennen. Jeden Abend schaut beispielsweise meine Mutter das Heute-Journal an und findet den Transatlantiker Claus-Detlev Walter Kleber toll. (Oskarverdächtig: Claus-Detlev ist gerührt) Zu einer Echokammer der Mächtigen sind unsere Medien verkommen, wie es Ben Rhodes von der Obama-Regierung gehässig den dummen Pressepudeln aufs Brot schmierte. Sogar die Mächtigen langweilt dies. Und wie es Glenn Greenwald sagte, man muss Trump nicht mögen, aber wie z.B. alle… Read more »
Schweigsam
Gast

Das Monopol der Massenmedien auf Meinungsmacht bröckelt jedoch. Vielleicht beobachten wir ja momentan den Beginn vom Ende der Deutungshoheit.

Ja, das hoffe ich doch. So werden wir endlich frei sein vom neoliberalen Dogma!

Ein interessanter Artikel!
Nur ob die sogenannten „sozialen Netzwerke“ zukünftig frei zugänglich bleiben werden bzw. frei nutzbar bleiben…

hart backbord
Gast

Es gibt ja noch das Darknet. Für ca. 4000 Euro kann man sich nützliche Utensilien für künftige Auseinandersetzungen zulegen.

Bruder Johannes
Gast

Ja, das hoffe ich doch.

Einerseits-andererseits.

Nennen wir „Deutungshoheit“ doch mal „ein gemeinsames Verständnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“.

Muss es das nicht geben?

Das Problem mit den sog. Massenmedien ist doch eher, dass Offensichtliches schlicht uminterpretiert wird. Hinzu kommen dann Meinungs- und Denkverbote à la Heiko Maas und anderer.

Was JB vermutlich unter „Deutungshoheit“ meint, sind für mich eher erkennbar freche Lügen, die mit einem Meinungs- und Denkgebot einhergehen.

Heldentasse
Mitglied
Nennen wir „Deutungshoheit“ doch mal „ein gemeinsames Verständnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“. Wenn man die Deutungshoheit hätte, könnte man auch diesen Begriff im Sinne dieser Aussage umdefinieren, allerdings ist noch was ganz anderes damit gemeint, nämlich: Der Begriff Deutungshoheit wird auch synonym zum Wort Deutungsmacht genutzt. Er bezeichnet eine Machtstellung, die ausgehend von einer Person, einer Gruppe oder Institution, das für wahr und richtig ansieht, was diese definiert. Damit versuchen jene Gruppen oder Personen die öffentliche Meinung durch striktes Befolgen ihrer Werte, Ansichten und Meinungen zu beeinflussen. Die Deutungshoheit ist meist manipulierend und unterweist andere durch Zensur oder die… Read more »
Bruder Johannes
Gast

Die Deutungshoheit ist meist manipulierend und unterweist andere durch Zensur oder die Übernahme von gesellschaftlichen sowie politischen Stellungen.

Also wie die Antonio Amadeu Stiftung…

…im Übrigen lebt eine lebendige Gesellschaft u.a. auch von unterschiedlichen Auffassungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Jein. Eine Gesellschaft muss schon Gemeinsamkeiten haben, sonst ist sie keine. Sprache und Region dürften kaum ausreichen. Da muss mehr sein. Eine Frage des Maßes, meine ich.

smukster
Gast

So werden wir endlich frei sein vom neoliberalen Dogma!

Leider gibt es noch Schlimmeres als das neoliberale Dogma: Rechtspopulistische Stimmungsmache, die sich dank weitgehend faktenfreier Zuspitzungen rasant im sozialen Netz ausbreitet. Hier eine interessante Einschätzung vom WEF.

Bei traditionellen Medien gibt es immerhin noch eine gewisse Aufsicht und ein Gefühl für journalistische Verantwortung (a.k.a. ‚freiwillige Selbstzensur‘). Diese Kontrollmechanismen fehlen bei facebook und Co. weitgehend, und die durchschnittliche Qualität der Informationen ist auch nicht besser…

Wolf
Gast
Das „Problem“ mit den Sozialen Medien wurde ja bereits im Artikel angesprochen ohne es klar zu benennen. Die Menschen leben in den sozialen Medien in einer Art Echoraum. Sie lesen meist nur das was ihrer Meinung entspricht. Noch dazu werden alternative Blickwinkel von den Medien bewusst ausgefiltert (damit kann der „bequeme“ User besser auf dem Medium gehalten werden). Innerhalb dieser Blase können sich Hypes wie um Corbyn, Sanders oder Trump schnell potenzieren und zur wahren Lawine werden. In der „Blase“ des politischen Gegners kommt dieser Hype jedoch nie an. Die Algorithmen von Facebook und Co verhindern das sich alternative Positionen… Read more »
smukster
Gast

divide et impera des technokratischen Zeitalters?
(Gibt es schon den Begriff Algorithmokratie?)

Lykurg
Mitglied
Während ich aber anmerken muss, dass ich, wenn ich eine eher linke Sendung etwa auf Youtube sehe, dann wirklich nie auf Ähnliches hingewiesen werde. Dann habe ich mir mal eine Sendung von FOXNews zu Gemüte geführt und konnte mich vor Empfehlungen bezüglich rechten Inhalten gar nicht mehr retten. Es scheint hier also durchaus eine gewisse Lenkung zu geben, vielleicht haben ja andere hier ähnliche Erfahrungen gemacht. Vor diesem Hintergrund halte ich den Nutzen von sozialen Medien für nur bedingt effektiv. Schließlich sind diese Plattformen ja nicht öffentlich, sondern gehören Privatpersonen, die dort nach Lust und Laune manipulieren und zensieren können… Read more »
Lykurg
Mitglied

Der Kommentar war als Antwort auf Wolfs Beitrag gedacht.

GuMStyle
Gast
Definitiv. Bei den Videoempfehlungen kommen meistens welche mit rechten Inhalten. Und Verschwörungstheorien, mit deren Brisanz es wohl nicht so weit her sein kann. Die Soros-Sachen kommen jedenfalls zuhauf. Es wäre ja einfach für Google, so etwas zumindest aus den Empfehlungen zu entfernen. Vor mehreren Jahren schon, da hab ich mich noch nicht so für Politik interessiert, erschien in der Empfehlungsliste ein gewisser „Seewald“, Inhalt war zu bezeichnen als okkult, völkisch, rassistisch und -wörtlich- dass „Putin ein Heiliger“ sei. Generell z.B. Deutschland+Russland wird nicht unterdrückt, Verherrlichung von Putin und russischem Militär, viel USA- und NATO-Kritik (was als Thema erst einmal neutral… Read more »
jowi
Mitglied

Gelenkte Anteilnahme:

http://www.tagesschau.de/ausland/aleppo-omran-101.html

Irgendwie braucht der Westen ganz dringend einen Waffenstillstand in Aleppo. Nachschubprobleme?

Wie lange soll der Konflikt noch verschleppt werden?

Vom Jemen bekommen wir solche emotionalen Bilder nicht, oder sehr selten.
Immerhin verurteilten die USA kürzlich eine Bombardierung eines Krankenhauses durch ihre saudischen Freunde. Nicht das erste … . Das hält die USA freilich nicht davon ab, weitere Waffen und Munition zu liefern:

https://theintercept.com/2016/08/15/doctors-without-borders-hospital-bombing-in-yemen-earns-rare-saudi-rebuke-at-state-department/

Und die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht …

Robbespiere
Mitglied

@Jowi

Und die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht …

Hast recht!
Das ist wirklich eine billige drei-Groschen-Inszenierung für ganz Merkbefreite.

Für die vortragenden ÖR- BlenderInnen gibts auch einen treffenden Song:

jowi
Mitglied

🙂 Schöner Song!

Heldentasse
Mitglied

Nun ja, wenn sie für Propagandazwecke Kinder missbrauchen, um die Heimatfront zu festigen, stehen die Zeichen m.E. ganz klar auf Eskalation! Die Wertegemeinschaft hat schon zu viel in diesen Krieg investiert um jetzt noch eine Niederlage zu akzeptieren.

Beste Grüße

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