Kategorische Intoleranz: Wie aus zwei Seiten einer Medaille eine wird

man-77495_1920Toleranz gehört wohl zu den wichtigsten Dingen der menschlichen Zivilisation. Sie ist die Grundlage des Zusammenlebens unterschiedlicher Menschen mit verschiedenen Sichtweisen, Perspektiven und Überzeugungen. Aber wie viel davon haben wir eigentlich?

Ohne eine Mindestmaß an Toleranz droht die Gesellschaft zu zerbrechen, sich in ein aggressives Konstrukt zu verwandeln, das auf der Macht der Stärkeren basiert. Umso wichtiger ist die Überzeugung, dass andere Meinungen nicht nur zulässig, sondern gewünscht sind. Auch um die eigene, vielleicht eingeengte Perspektive zu überdenken, zu korrigieren, möglicherweise komplett zu erneuern. Doch im täglichen Leben nimmt die Toleranz nicht zu, sie scheint nicht einmal zu stagnieren, sondern nach und nach immer weiter abzunehmen.

Die graue Theorie

Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht.
So steht es bei Wikipedia.

Und der Duden schreibt:
1. (bildungssprachlich) das Tolerantsein; Duldsamkeit
2. (Medizin) begrenzte Widerstandsfähigkeit des Organismus gegenüber [schädlichen] äußeren Einwirkungen (besonders gegenüber Giftstoffen oder Strahlen)
3. (besonders Technik) zulässige Differenz zwischen der angestrebten Norm und den tatsächlichen Maßen, Größen, Mengen o. Ä.

Man muss nicht lange grübeln, um zum Schluss zu kommen, dass wir uns eher in die Richtung der Duldung entwickeln, als tatsächlich Toleranz zu leben. Zähneknirschend dulden wir andere Kulturen, und das auch nur, wenn sie uns nicht zu nahe kommen. Widerstrebend dulden wir politisch von unserer eigenen Überzeugung abweichende Meinungen. Selbst bei Äußerlichkeiten sind wir nur scheinbar tolerant, denn sobald jemand optisch auffällt, gerät er schnell in den Blick der Intoleranten.
Für die politische Auseinandersetzung ist Toleranz ungemein wichtig. Doch gerade dort verschwindet sie immer mehr.

Russland, das Reich des Bösen?

Der Konflikt zwischen West und Ost ist nicht neu. Doch eigentlich sind wir über die Vorstellung, Russland (bzw. die damalige Sowjetunion) sei das „Reich des Bösen“, längst hinaus. Diese Redewendung hatte US-Präsident Ronald Reagan erstmals 1983 gebraucht, und wir wissen, dass der Mann nicht gerade dafür bekannt war, sinnierend am See zu sitzen und sich philosophischen Gedanken hinzugeben.
Mit der Entspannungspolitik schien der Osten einen großen Teil seines gefühlten Schreckens zu verlieren. Heute ist die Sowjetunion Geschichte, doch das moderne Russland behagt vielen nicht. Festgemacht wird das gern an Putin, dem Präsidenten, der ganz offenkundig charismatisch ist und sich nur schwer von außen lenken lässt. Das macht ihn für die politische Eliten im Westen zu einer Gefahr, der man begegnen muss. Wohl auch deshalb berichtet die Presse gern betont kritisch, wenn es um Putin geht. Teils durchaus zu Recht, denn der Mann ist alles andere als ein Heiliger, er ist ein Machtmensch, der sich von den westlichen Machtmenschen nicht sehr unterscheidet. Allerdings ist es eine Verschwörungstheorie, Putin für nahezu alles Schlechte dieser Welt verantwortlich zu machen. Als Krönung werden aus Olympischen Spielen schon mal „Putin-Spiele“ und aus randalierenden Hooligans auf einer Fußball-Europameisterschaft mal eben „Putin-Hooligans“. Das Einflussgebiet Putins wird ausgedehnt auf alles, was politisch irgendwie bedeutsam ist (oder so interpretiert wird) und kritisch betrachtet werden soll. Das ist absurd, und es ist das Gegenteil von Toleranz.

Doch sie wäre nötig. Und gar nicht so schwer umzusetzen. Schließlich ist Russland nichts anderes als eine Wirtschaftsmacht, genau wie zahlreiche Länder des Westens auch. Eine Wirtschaftsmacht, mit der sich gute Geschäfte machen lässt, wie sie auch daran ablesen lässt, dass gerade Unternehmer gegen Sanktionen gegenüber Russland sind. Und wer das Folgende liest, kann sich gleich einmal ein bisschen in Toleranz üben:
Ausgerechnet Global-Player, Unternehmen, die darauf aus sind, ihren Profit um jeden Preis zu maximieren, argumentieren beim Umgang mit Russland am vernünftigsten. Weil sie das Land als einen Markt betrachten, der wertvoller ist, wenn mit ihm zusammengearbeitet wird statt gegen ihn. Die Motivation hinter dieser vernünftigen Sicht darf durchaus hinterfragt werden, sie muss es sogar. Denn natürlich hat sie nichts mit der puren Menschenliebe zu tun oder mit dem Ansatz, dass es doch allen gut gehen sollte. Sie beruht auf dem Willen der Profitmaximierung, aber das ist in diesem Fall in Ordnung. Denn sie beschränkt sich auf die Gemeinsamkeiten, klammert Unterschiede aus, so lange man miteinander Geschäfte machen und sich gegenseitig befruchten kann.

Nun mag man einwenden, dass es für Unternehmen wie Siemens oder BASF egal sein kann, ob Russland Schwule und Lesben unterdrückt, ethnische Minderheiten verfolgt oder die Pressefreiheit sehr eigen auslegt. Für Politiker sieht die Sache aber anders aus. Sie müssen sich positionieren, müssen Stellung beziehen, wenn es um Rechte geht, die „wir“ als besonders wichtig erachten. Nur funktioniert das so nicht, denn überaus kritisch äußern sich westliche Politiker zwar gern über Russland, nicht aber über „befreundete“ Länder, die ebenfalls alles andere als mit weißen Westen ausgestattet sind. Und wenn man bedenkt, in welche Länder Waffen geliefert werden, ohne mit der Wimper zu zucken, spätestens dann ist der Russland-Kritik hinfällig.

Toleranz gegenüber Russland scheint schier unmöglich zu sein oder im Gegenteil von Intoleranz zu gipfeln. Denn all jene, die sich lautstark über die ungerechte Behandlung Russlands aufregen, eben die überzeugten „Putin-Versteher“, neigen oft dazu, Kritisches vollständig auszublenden. In ihren Augen wird Russland nicht nur ungerechtfertigt für alles Schlechte verantwortlich gemacht, nichts davon entspricht den Tatsache, so nehmen sie es wahr.

Tolerant wäre es, Russland als Land anzunehmen, zu akzeptieren und Gemeinsamkeiten zu suchen. Tolerant wäre es außerdem, mit Russland über die Punkte zu sprechen, an denen es keine Gemeinsamkeiten geben kann, ohne dabei in Drohgebärden zu verfallen. Weil wir alle im Glashaus sitzen und niemand von sich behaupten kann (zumindest kenne ich kein Land, das es könnte), perfekt und ohne Fehler zu sein. Tolerant wäre es, sich die Kritikpunkte anzuhören, die Russland vorzutragen hat. Gelänge eine solche Praxis, wäre einem friedlichen Nebeneinander Tür und Tor geöffnet.
Graue Theorie eben …

Isst TTIP Cheeseburger?

Ein weiteres Beispiel für Intoleranz ist die Kritik an TTIP. Es sind jedoch weniger die TTIP-Gegner, die sich hier kategorisch zeigen, sondern vielmehr die Gegner der Gegner. Als rund 250.00 Menschen (laut Veranstalter) in Berlin an einer Demonstration gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP teilnahmen, dauerte es nicht lange, bis sie in die Ecke der Anti-Amerikaner gestellt wurden. Befeuert durch die Tatsache, dass sich auch rechte Gruppen unter die Demonstranten gemischt hatten. Und so wurde es in der Wahrnehmung der „TTIP-Kritiker-Kritiker“ plötzlich ein Aufmarsch von Rechtsextremen und Antisemiten, die sich mit Anti-Amerikanern vereinten, um krude Thesen und Verschwörungen zu verbreiten.

Das ist in dieser Form hochgradig intolerant und undifferenziert. Selbstverständlich nutzen auch rechte Gruppen die Gelegenheit , um sich auf Großdemos zu positionieren. Sie auszuschließen, ist nicht möglich, bestenfalls der Versuch, sie zu isolieren, kann unternommen werden (und wurde unternommen). Das macht aus Menschen, die gegen TTIP sind, weder Rechtsextreme noch Anti-Amerikaner oder Antisemiten. Es ist aber einfacher, ein Gesamtbild einer Veranstaltung zu erstellen als sich mit den unterschiedlichen Strömungen zu befassen, die sich dort (unfreiwillig) treffen. Hinzu kommt ein sachliches Problem.

AfD und NPD sind genauso gegen TTIP wie die Linke oder andere kritische Lager, wobei die AfD in ihrer Positionierung am unklarsten ist. Zwar mögen die Beweggründe unterschiedliche sein, im Ziel sind jedoch sehr verschiedene Bewegungen vereint, ob sie es wollen oder nicht. Für die NPD ist TTIP ein Angriff auf die Souveränität Deutschlands, damit hätte die Linke wohl kein großes Problem, auf deren Argumentationskatalog eher die sozialen Auswirkungen von TTIP stehen.
So oder so, es gibt Überschneidungen, die sich eigentlich keine Seite wünscht, die aber nicht wegzuwischen sind.

Wer sich nun als politisch korrekt ausgibt und Gemeinsamkeiten mit der anderen Seiten unbedingt vermeiden will, der kann eigentlich nur passiv bleiben, um nicht auf die Stufe derer gestellt zu werden, die er in anderen politischen Fragen bekämpft. Selbst die Tatsache, dass beispielsweise die Linke immer wieder betont, dass sie aus anderen Gründen als die AfD gegen TTIP ist, kann nicht verhindern, in die gleiche Schublade gesteckt zu werden wie die Alternative für Deutschland.

Diese Haltung, dieses Schubladendenken, ist ein Zeichen größter Intoleranz. Weil sie sich nicht mit dem Thema TTIP beschäftigt, sondern all jene be- und abwertet, die sich gegen das Freihandelsabkommen stellen. Das Inhaltliche rückt in den Hintergrund, schlimmer noch, es wird ausgetauscht gegen ein anderes Thema (Anti-Amerikanismus, Antisemitismus) und so völlig unwichtig. Dementsprechend spielt sich der Konflikt auf Nebenkriegsschauplätzen ab, die im Kern nicht oder so gut wie nicht nachvollziehbar begründbar sind.

Kritik an Israel: kategorisch verboten?

Darf man Israel kritisieren oder nicht? Oder, anders gefragt: Ist man ein Antisemit, wenn man Kritik an der Politik von Israel übt?
Die Website „netzt-gegen-nazis.de“ hat eine im Grunde gute Begründung dafür, wie Kritik an Israel aussehen sollte. Auf der Seite heißt es auf die Frage, ob man Israel nun kritisieren dürfe oder nicht: „Doch, klar – aber man muss dabei sachlich und fair bleiben und sich benehmen, als handle es sich um einen beliebigen anderen Konflikt auf der Welt: Fakten und Quellen prüfen, Argumenten zuhören, Intentionen hinterfragen, versuchen, beide Seiten zu sehen, bereit sein, seine Meinung auch zu ändern, wenn sie sich als falsch herausstellt.
Und da ist sie wieder, die graue Theorie. Denn es funktioniert leider nicht.

Der Grund ist zwischen den Zeilen zu finden. Denn Israelkritik mündet oft in antisemitischen Botschaften eben dort. Die Journalistin Mirjam Fischer hat sich einmal die Berichterstattung der „Süddeutschen Zeitung“ unter die Lupe genommen und festgestellt, dass statt kritischer Berichterstattung immer wieder antisemitische Botschaften in Artikel eingestreut werden. Die Süddeutsche ist da allerdings wahrlich keine Ausnahme, andere Medien agieren ähnlich.
Wenn die SZ beispielsweise titelt: „Israel leidet an seinem Kreislauf der Rache“, dann sieht Fischer darin zu Recht eine pauschale Verurteilung der Juden an sich. Auch in einem Satz eines anderen Artikels wittert die Journalistin Antisemitismus: „Palästinenser greifen Israelis an, Israelis schießen Palästinenser nieder“, schreibt der Journalist Peter Münch und unterstellt damit laut Fischer den Israelis Mordlust, während die Palästinenser lediglich „angreifen“.

Nun könnte man sagen, dass das doch sehr viel Interpretation auf einmal ist. Aber im Kern hat Fischer recht. Das macht allerdings sachliche Kritik an Israel schwer, denn wenn diese als Urteil über ein ganzes Volk formuliert wird, bleibt nichts mehr nach, worüber man diskutieren könnte. Außer eben der Tatsache, dass die Juden irgendwie alle gleich sind.

Ins Fahrwasser dieser pauschalen Verurteilungen geraten dann all jene, die wirklich sachliche Kritik üben wollen. Sie bewegen sich auf dünnem Eis, sobald sie den Mund aufmachen und können kaum berechtigte Kritik äußern, ohne als Antisemiten ertappt zu werden. Auf diese Weise führt die Intoleranz gegenüber Israel zur Intoleranz gegenüber Kritikern, die differenziert und frei von Vorurteilen die israelische Politik kritisieren.

Ist Toleranz möglich?

Natürlich ist Toleranz möglich! Und sie ist bitter nötig, gerade in der heutigen Zeit. Aber sie zu leben, wird immer schwieriger. Weil viele Menschen dazu neigen, die Welt in den Farben Schwarz und Weiß zu zeichnen. Alleine die destruktive Diskussion über TTIP ist exemplarisch dafür, wie es nicht laufen sollte. Inzwischen geht es beim Streit zwischen TTIP-Gegnern und deren Widersachern längst nicht mehr um das Freihandelsabkommen, man darf sogar vermuten, dass es darum nie ging. Vielmehr wird eine gänzlich andere Motivation unterstellt, nämlich Anti-Amerikanismus und Antisemitismus. Die unterschiedlichen Argumente und Ansätze zu betrachten, davon sind die Intoleranten weit entfernt.

Toleranz bedeutet: „Ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr eure Meinung ausdrücken könnt.“ Dieser Satz, der Voltaire zugeordnet wird (auch wenn es wohl nicht endgültig belegt ist), bringt das Dilemma au den Punkt. Denn er ist beispielhaft für die bereits angeschnittene graue Theorie. Er hat Gültigkeit, so lange er nicht mit Leben gefüllt werden muss. Wird es konkret, erinnern sich nur wenige an diesen Ausspruch.

Toleranz ist immer ein Eiertanz zwischen dem Akzeptieren und Respektieren der anderen Meinung. Und der Grenze, wenn die persönlichen Überzeugungen überschritten werden bzw. eine andere Meinung mit dem eigenen Menschenbild kollidiert.
Es ist nicht immer leicht, tolerant zu sein. Weil die Grenzen zwischen Toleranz und der Unmöglichkeit, eine menschenverachtende Meinung zuzulassen, teils fließend sind, teils so subtil verlaufen, dass sie nur schwer erkannt werden.
Aber wer hat gesagt, dass es einfach ist?

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37 Kommentare auf "Kategorische Intoleranz: Wie aus zwei Seiten einer Medaille eine wird"

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leslie
Gast

Nicht Toleranz,Akzeptanz…

Ihr müsst halt akzeptieren das ich mir jetzt ne dicke Tüte anzünde. :-p

Und wers mir verbieten will kann mich mal am A…. lecken.
Warum ist das überhaupt noch verboten. :-/
Kiffen ansich ist ja legal,der Besitz ist verboten.
Aber jedem Konsum geht der Besitz voraus,schizo wa.

Mfg

Heldentasse
Mitglied
Hallo Jörg, Toleranz bedeutet: „Ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr eure Meinung ausdrücken könnt.“ M.E. ist das viel zu kurz gesprungen, man müsste, um es mal grob vereinfacht zu sagen, demnach auch dafür eintreten das z.B. Nazis oder von mir aus auch Stalinisten ihre Meinung frei äußern dürfen, und das kann und darf es nicht sein! Des weiteren möchte ich mal den advokat diaboli spielen und nachfolgendes anbringen: Toleranz gegenüber dem radikal Bösen erscheint jetzt als gut, weil sie dem Zusammenhalt des Ganzen dient auf dem Wege zum Überfluß oder zu größerem Überfluß. Die… Read more »
Mordred
Gast

nenene. das hat nix mit toleranz im sinne des artikels zu tun. der artikel beschäftigt sich mit informationen, wissen, denken, einstellungen, meinungen. du bist aber schon einen schritt weiter und projezierst das auf handlungen.

Heldentasse
Mitglied
Nein, ich denke nicht! Ich wollte damit nur aufzeigen das „Toleranz“ für sich nur dann einen Wert darstellen könnte, wenn wesentliche Rahmenbedingungen erfüllt sind, Zitat aus obigen link: Im allgemeinen hängen Funktion und Wert der Toleranz von der Gleichheit ab, die in der Gesellschaft herrscht, in welcher Toleranz geübt wird. Toleranz selbst bleibt umfassenderen Kriterien unterworfen: ihre Reichweite und Grenzen lassen sich nicht gemäß der jeweiligen Gesellschaft definieren. Mit anderen Worten: Toleranz ist nur dann ein Selbstzweck, wenn sie wahrhaft allseitig ist und von den Herrschern so geübt wird wie von den Beherrschten, von den Herren wie von den Knechten,… Read more »
seyinphyin
Gast

„Toleranz bedeutet: „Ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr eure Meinung ausdrücken könnt.“

Geht an sich zu weit. Toleranz heißt einfach nur: ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich kämpfe deswegen trotzdem nicht gegen diese oder Euch an. Per se würde das schon für Frieden ausreichen.

Mordred
Gast
diesen artikel sollten sich vielmehr politiker und medien als der normale bürger zu herzen nehmen. denn diese sind es, die bspw. russland/putin zum bösen schlechthin stilisieren und somit toleranz eine absage erteilen. und der andere wichtige punkt, den der artikel zumindest impliziert ist die frage nach den ursachen und erklärungen für meinungen und einstellungen von parteien und co. da wird viel zu wenig in die tiefe gegangen. einerseits ist man in sachen ttip (oder auch mindestlohn, höhere steuern für reiche etc.) in den medien zu blöde, herauszufinden, warum zum einen die rechten und zum anderen die linken da gleiche meinungen… Read more »
La Gioconda
Gast

Ich mochte den Begriff „Toleranz“ noch nie, begibt man sich damit doch in eine Position der Überlegenheit. Ich bin da ganz beim alten Goethe:

„Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Heldentasse
Mitglied

Wäre es hier nicht besser wenn man „muß“ durch „kann“ ersetzte?

Beste Grüße

Braman
Gast
Da gehts mir doch wie Dir. Toleranz ist ja auch definiert als „Missbilligende Duldung“. Dies impliziert: könnte ich was an dem Tolerierten ändern, würde ich es tun – es geht mir gegen den Strich, ich knirsche mit den Zähnen und sitze es aus. Ansonsten ist die Bemerkung mit dem Beleidigen sicher richtig, ich erhebe mich (moralisch, ethisch …) über den oder das Tolerierte(n), ich maße mir also ein Recht auf Wertung an. Entweder akzeptiere ich jemand oder etwas oder nicht, das wäre wohl ehrlich. Und wenn ich einen Faschisten für jemanden mit einem hohen A-Quotienten halte, dann muss das legitim… Read more »
The Joker
Gast

Das Problematische am Begriff der Toleranz ist, dass sie Ausdruck einer Schieflage ist:
Sie wird gewährt.
Eine rechtlich überlegene Seite – in früheren Zeiten gern ein monarchischer Souverän (etwa der preußische König) – gewährt einer anderen, rechtlich unterlegenen Seite – oft Flüchtlinge (etwa französische Hugenotten) – freiwillig Toleranz (etwa in Form von Asyl und Niederlassungserlaubnis).
Zum zweiten kann diese Toleranz jederzeit von der rechtlich überlegenen Seite jederzeit widerrufen oder eingeschränkt werden.
Toleranz hat also vieles von einem vordemokratischen Gnadenrecht.
Sie kann daher niemals gesetzliche Gleichstellung ersetzen.

Heldentasse
Mitglied

ACK! Wahrscheinlich ist es so, dass es wahre Toleranz nur in einer gleichberechtigten Gesellschaft geben kann. Wenn man diesen Begriff in einer nicht gleichberechtigten Gesellschaft einfordert, fordert man damit implizit u.a. auch den Tolerierung der Ungleichheit und zementiert ggf. damit diese Ungleichheit.

Beste Grüße

R_Winter
Mitglied
Ohne ein Mindestmaß an Toleranz droht die Gesellschaft zu zerbrechen, sich in ein aggressives Konstrukt zu verwandeln, das auf der Macht der Stärkeren basiert. Die Aussage ist richtig im Privat-Bereich, aber in der „Gesellschaft“? Wie sieht die Wirklichkeit in unserer Gesellschaft aus? Wir haben in unserer Gesellschaft den Kampf Arm gegen Reich – ungefähr so: Zwei Boxer im Ring und der eine Boxer hat ein Hufeisen im Handschuh…… Ja, der Boxer mit dem Hufeisen im Handschuh…… ……..Sie ist die Grundlage des Zusammenlebens unterschiedlicher Menschen mit verschiedenen Sichtweisen, Perspektiven und Überzeugungen…….. ………aber der Artikel beschreibt die Intoleranz in unser Welt. Toleranz… Read more »
Rainer N.
Gast
Auf die Gefahr hin, wieder mal beleidigt zu werden … meine Anmerkung zur Toleranz, die ich vor einigen Jahren einmal als Leserbrief UND als Brief an Merkel … ob sie den je erhalten hat ist mir nicht bekannt, es erfolgte keine Reaktion. Zur Meldung in meiner Tageszeitung: Als ich diese Meldung las, überraschte mich sehr, dass Frau Merkel jetzt eine Kultur der Toleranz als Teil der so genannten neuen Leitkultur der CDU bezeichnet. Für mich hat bereits einmal ein großer Deutscher, Johann Wolfgang von Goethe, gesagt, die Toleranz sei nur als eine vorübergehende, bis zum endgültigen Anerkennen geeignete Haltung. Denn… Read more »
Braman
Gast
Da hast Du einige Sachen geschrieben die der Realität zu nahe kommen und ein paar, die anders formuliert sein sollten (aus meinem Blickwinkel) als da sind: „Die Angeordneten sind dem Wohl des deutschen Volkes verpflichtet“ Das steht zwar irgendwo, gehört aber eindeutig in die Kategorie „Sonntagsreden“. Deutsche Abgeordnete (sofern einer Regierungspartei angehörend) sind dem Wohle des internationalen Kapitals verpflichtet! Wahlkämpfe sind dazu da, den politischen ‚Gegner‘ zu diffamieren, nicht etwa dazu, zu sagen, wie die kommenden 4 Jahre gestaltet werden sollen. Fraktionszwang ist eindeutig GG-widrig. Sogenannte Toleranz, Weltoffenheit, „westliche“ Werte, diese Worthülsen gelten auch nur, wenn sie den eigenen Interessen… Read more »
Andrea
Gast
Die politische Linke muss meiner Ansicht nach von der Gesinnungsethik endlich zur Verantwortungsethik kommen. Wer eifersüchtig darüber wacht, dass die eigene Ideologie auch ja „rein“ bleibt und sich – wie z.B. die sog. „Antideutschen“ lieber mit den neoliberalen Neocons verbündet als mit jenen, mit denen man leider nur 95% Übereinstimmung hat, der wird niemals eine gerechtere Welt erleben. Ich habe bereits gegen Atomkraft demonstriert, als die Antifa-Bübchen noch in ihre Windeln geschissen haben. Es ist und war mir völlig egal, mit WEM ich da demonstriere. Wenn ein Neo-Nazi gegen Atomkraft ist, so what – soll mir recht sein, wenn der… Read more »
hart backbord
Gast

…das sehr laue Gefühlsgemisch aus Ekel, Verachtung und Mitleid, bekannt als Toleranz…

Harald Schmidt

Sigmund
Gast

Ich möcht‘ es mal so sagen: Ich glaube, die Russen wären froh, wenn RU genauso „kritisch“ und „anti“ in deutschen Medien behandelt würde wie Israel.

jowi
Mitglied
@Sigmund Da kann man sich wirklich nur noch in Ironie flüchten. Die „political correctness“ die Jörg Wellbrock bezüglich Israel einfordert, ist doch schlicht bescheuert. Zitat: Wenn die SZ beispielsweise titelt: „Israel leidet an seinem Kreislauf der Rache“, dann sieht Fischer darin zu Recht eine pauschale Verurteilung der Juden an sich. Bei solchen Maßstäben ist es leichter sich durchs Knie ins Auge zu schießen, als poltisch korrekt Kritik an Israel zu üben. Israel ist zuallererst ein Staat, wie auch Deutschland oder die Türkei. Eine Kritik an der Politik eines Staates hat doch nichts mit der Kritik an einer Rasse zu tun,… Read more »
The Joker
Gast

Hallo Jowi,
stimmt, diese hochnaive Stelle in Jörgs Text hatte ich doch glatt überlesen.
Sein Fimmel für Mirjam Fischer, die zum Rennstall des rechtskonservativen Cicero gehört, ist zumindest erklärungsbedürftig.

Heldentasse
Mitglied

<- Sorry, falsche Einrückstufe

Israel ist zuallererst ein Staat, wie auch Deutschland oder die Türkei.

Dies ist ganz klar eine Selbstverständlichkeit, die aber ausgesprochen schon dazu führen kann, dass man in Diskursen als Antisemit diffamiert wird, zumindest wenn man den Damen und Herren von der Herrschaft als wichtig genug und wirksam eingeschätzt wird. Ein Beispiel:

Ken Jebsen über: Rausschmiss beim RBB und dreiste Antisemitismus-Vorwürfe.

Beste Grüße

Heldentasse
Gast

@Jowi

Israel ist zuallererst ein Staat, wie auch Deutschland oder die Türkei.

Dies ist ganz klar eine Selbstverständlichkeit, die aber ausgesprochen schon dazu führen kann, dass man in Diskursen als Antisemit diffamiert wird, zumindest wenn man den Damen und Herren von der Herrschaft als wichtig genug und wirksam eingeschätzt wird. Ein Beispiel:

Ken Jebsen über: Rausschmiss beim RBB und dreiste Antisemitismus-Vorwürfe

Beste Grüße

w. feldhake
Gast

Toleranz ist sehr schwierig aber auch wichtig (die Meinung des anderen zu akzeptieren, auch wenn sie gegen die eigene Meinung steht). Das implementiert aber dierekt das man Alternativen zuläßt, was schon seit einiger Zeit von unserer Regierung unterbunden wird (Merkels Alternativlosigkeit). Darüberhinaus wird die Intolleranz gegen Andersdenkenden stark gefördert und gefordert. Gute Nacht Demokratie – Gute Nacht Zivilisation

Truvor
Mitglied

Toleranz erfordert von dem Menschen, daß er alles akzeptiert.
Wir sollten aber nicht alles akzeptieren.
Eine Gesellschaft, die alles akzeptiert, bricht irgendwann zusammen.

Sukram71
Gast

Es soll ja auch gar nicht alles akzeptiert werden. Alles was anderen Menschen massiv schadet ist in der Regel ja auch durch Gesetze verboten und wird bestraft.

Aber was anderen Menschen nicht schadet, kann und sollte man nun mal akzeptieren. Jeder sollte sein Leben so führen können, wie er möchte, solange er nicht anderen Menschen dabei Schaden zufügt.

Zudem sollte man andersdenkende und anderslebende Menschen nicht zur tolerieren, sondern auch respektieren.
Also für voll nehmen und als ganze Menschen sehen, die halt bloß für sich eine andere Lebensentscheidung getroffen haben.

Yarsin
Mitglied

Dann bin ich die Intolleranz in Person.
Was ich nicht bereit bin zu tollerieren:

Hass, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Zwang, Gewalt, ……..

Heldentasse
Mitglied

Grob gesagt entsteht m.E. der aufgeführte Unbill u.a. erst durch ein hohes Maß an Intoleranz! Dies zu tolerieren würde bedeuten auch die Intoleranz mittelbar zu tolerieren, und das ist ein starker Widerspruch in sich.

Beste Grüße

Vitaminese
Gast
Ich würde noch weiter gehen. Der Toleranz und Akzeptanz geht immer ein Werturteil voraus, wobei dieses Werturteil immer davon abhängt in welche Ideologie man hineingeboren wurde, vollkommen unabhängig von der Art der Ideologie. Solange jedermanns Wertvorstellung von Klein auf mit den vom Kulturkreis abhängigen Idealen und Moralvorstellungen geformt wird, wird er zur Intoleranz gegenüber anderen Wertvorstellungen erzogen. Toleranz und Akzeptanz beginnt demnach beim Hinterfragen der eigenen Wertvorstellung. Das ist jedoch schwierig bis unmöglich, da sich einem dann wohl möglich offenbaren würde, dass man sein Leben lang nur versucht hat sein eigenes Leben an etwas Fremdbestimmten auszurichten, somit auch immer intolerant… Read more »
Robbespiere
Mitglied
@Vitaminese Ich stimme dir zu , bis auf diesen Punkt: Das ist jedoch schwierig bis unmöglich, da sich einem dann wohl möglich offenbaren würde, dass man sein Leben lang nur versucht hat sein eigenes Leben an etwas Fremdbestimmten auszurichten Das klingt fatalistisch, wie dieses dämliche Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Im Grunde spricht man damit dem Menschen die Fähigkeit zur Veränderung ab. Die frühkindliche Prägung ist zwar sehr fest in uns verankert und die Arbeit an den eigenen Überzeugungen ist sicher kein Zuckerschlecken und braucht viel Zeit, aber unmöglich ist es nicht. Psychotherapien, Achtsamkeitstraining oder fernöstliche Meditation… Read more »
Peter Romaker
Gast

Blick auf Andere. Woraus dann nur Duldsamkeit entstehen kann.
Und eben nicht Toleranz. Die eben nicht mehr existiert in dieser Gesellschaft so lange es für Leben einen Wert gibt…

R_Winter
Mitglied

Toleranz gehört wohl zu den wichtigsten Dingen der menschlichen Zivilisation.

Gelebt, politischen Toleranz von unser Bundeskanzlerin am 7.7.2016 im Bundestag:

Nach ihrer im Leiherton vorgetragenen „Regierungserklärung“ antwortete die Vertreterin der größten Oppositionspartei, Frau Dr. Wagenknecht.

Merkel ging während der Rede demonstrativ zu dem Vorsitzenden der Grünen und zeigte ihre Sitzfläche in Richtung Wagenknecht, so dass diese Merkel zur Ordnung rief.

Toleranz bei Merkel? Sicher nur, wenn sie aus USA zur Toleranz „aufgefordert“ wird und es in die US-Strategie passt.

Dieses Video gehört in allen sozialen Netzwerken.

schwitzig
Gast

@R_Winter

Dieses Video gehört in allen sozialen Netzwerken.

Nicht nur das. Diese Person Merkel gehört mit einem Arschtritt in die USA oder Nordkorea befördert. Laut Berlusconi (wohl der einzige Sympathiepunkt, den er bei mir erzielen konnte) ist er ja groß genug, dass man ihn nicht verfehlen kann.
Veruntreut als meine Untergebene meine Gelder und fühlt sich auch noch wichtig. Wie tief kann ein Mensch sinken?

Heldentasse
Mitglied

@R_Winter

Merkel ging während der Rede demonstrativ zu dem Vorsitzenden der Grünen und zeigte ihre Sitzfläche in Richtung Wagenknecht, so dass diese Merkel zur Ordnung rief.

Man könnte auch als Alternative, um seine Verachtung für die Linken im Allgemeinen und Frau Wagenknecht im Speziellen zu bekunden, großartig in der Nase popeln und falls man da etwas hübsches finden sollte, dieses unter die Regierungsbank kleben.

Beste Grüße

schwitzig
Gast

@Heldentasse

großartig in der Nase popeln und falls man da etwas hübsches finden sollte

Im Vergleich zu dieser Person namens „Merkel“ ist ein Nasenpopel ästhetische Kunst.

Ich staune immer wieder, dass diese Person auch nich die Impertinenz besitzt, andere zu verachten. Verachten kann man nur, wenn man höher steht oder etwas besser kann. Diese Person namens „Merkel“ hat in dem aktuellen Regime in Deutschland unter Beweis gestellt, dass sie rein gar nichts kann. Ausser ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen und grenzdebil herumzurauten.

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