Von der UN, Kinderrechten, der „Liste der Schande“, Saudi-Arabien und der Welt, die sich weiter dreht

war-953246_960_720Die Worte des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon am vergangenen Montag waren deutlich: „Der Bericht spricht für sich“, sagte er und meinte die sogenannte „Liste der Schande“, auf die es unter anderem Saudi-Arabien geschafft hatte.

Auf tagesschau.de ist nachzulesen: „Als am 26. März 2015 die von Saudi-Arabien angeführte Koalition mit Luftangriffen gegen die Huthi-Rebellen im Jemen vorging, schnellten die Opferzahlen massiv nach oben. Der jetzt veröffentlichte Bericht über die Lage von Kindern in Konfliktgebieten war eindeutig: Die Zahl der getöteten und verstümmelten Kinder im Jemen ist demnach allein 2015 um 60 Prozent gestiegen. 60 Prozent aller Opfer gingen demnach auf das Konto der von Saudi-Arabien angeführten Koalition, die den Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi unterstützt.
Saudi-Arabien hat sich seinen Platz auf der Liste der Schande eindeutig verdient, das drückte Ban Ki Moon sehr klar mit seinen Worten aus. Allerdings kippte er kurze Zeit später plötzlich um, Saudi-Arabien wurde von der Liste gestrichen.

Denn aus Saudi-Arabien kam laute Kritik am Eintrag der UN. Man wolle nicht auf einer Liste stehen, die man sich mit Terrorgruppen wie den IS oder Al Kaida teile, hieß es schriftlich und mündlich. Normalerweise ein Vorgang, der schon fast als normal bezeichnet werden kann, denn um auf die Liste zu kommen, muss es sich um drastische Vorwürfe handeln. Das ist schon etwas anderes als mit der „Goldenen Himbeere“ ausgezeichnet zu werden und passte Saudi-Arabien natürlich nicht.
Einerseits.

Alles halb so wild

Andererseits schafft man es von der Liste runter offenbar genauso einfach wie drauf. Denn die bösen Appelle aus Saudi-Arabien hatten Erfolg. Kurze Zeit später war das Land wieder von der Liste gestrichen worden. Menschenrechtsorganisationen liefen Sturm und bezeichneten diese Maßnahme als „ungeheuerlich“ und „empörend“ (Amnesty International). Für Human Rights Watch ist die UN „noch tiefer gesunken.“ Gemeint ist die Liste für 2014, von der schon im Entwurf Israel und die Hamas gestrichen worden waren. Mit der nun nachträglich vorgenommenen Streichung Saudi-Arabiens setzt die UN noch einen drauf. Dazu Human Rights Watch: „Dieses Mal haben sie die Liste sogar veröffentlicht und erst danach dem saudischen Druck und der offenbaren Einschüchterung nachgegeben.

Und Ban Ki Moon? Der versteht die Aufregung nicht, zumindest gibt es sich so. Über seinen Sprecher ließ er mitteilen, dass die Faktenlage neu geprüft werde, alles also kein Problem. Das sieht Saudi-Arabien allerdings ganz anders. Der saudische UN-Botschafter verkündete zufrieden, dass die Streichung „endgültig und bedingungslos“ sei.

Rauf, runter, rauf, runter?

Also rauf auf die Liste, runter von der Liste und dann doch wieder rauf auf die Liste? Man reibt sich verwundert die Augen, insbesondere wenn man liest, was Ban Ki Moon noch über seinen Sprecher verlautbaren ließ: „Es ist keine grundsätzliche Änderung der UN-Politik. Die Welt dreht sich weiter, Dinge entwickeln sich. Die Entscheidung ist getroffen.

Dann eben so. Aber wirklich wundern braucht man sich wohl nicht. In der heutigen Zeit werden ja auch „sichere Herkunftsländer“ aus Launen heraus gekürt, wenn man sich davon sinkende Flüchtlingszahlen verspricht.
Das ist eben die moderne Form der Ursachenbekämpfung. Man wischt die Probleme einfach vom Schreibtisch.
Nicht schön, aber schön einfach.

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Bild: Alexas_Fotos

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18 Kommentare auf "Von der UN, Kinderrechten, der „Liste der Schande“, Saudi-Arabien und der Welt, die sich weiter dreht"

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Mordred
Gast

kohle und macht spielen eben immer die erste geige. da wird dann medial auch nicht nachgehakt. sonst müsste saudi arabien ja immer in einem atemzug mit bspw. dem is genannt werden.

jowi
Mitglied

https://youtu.be/wzsu_uYTSko

Klarer Fall von Moneypulation würde ich im Falle von Saudi Arabien sagen.

Robbespiere
Mitglied
Wer hat da wohl die UN motiviert, den Terrorstaat Saudi-Arabien von dieser Liste zu nehmen? Vermutlich die Selben, die alle wichtigen internationalen Organisationen dominieren und deren Regeln nach Belieben brechen, weil sie sich als legitime Weltherrscher betrachten. Es sind vermutlich diejenigen, die auch der Öffentlichkeit Einblick in die 28 geschwärzten Seiten des 9/11-Untersuchungsberichts verweigern, weil sonst evtl. herauskäme, wer die Anschläge finanziert hat und womöglich offenbar würde, dass über eine Million Afghanen und Iraker zu Unrecht und absichtlich abgeschlachtet wurden, nur um die wahren Verantwortlichen zu decken. Für diese Leute heiligt der Zweck alle Mittel, selbst vor der Kooperation mit… Read more »
Rainer N.
Gast
Sehr geehrter Robbespiere … es wird nicht Zeit, es wäre längst schon Zeit … aber dazu wird es nicht kommen … leider. Es ist nur wieder deutlich geworden … Macht korrumpiert, totale Macht … korrumpiert total, Es ist an der Zeit, die Menschheit als gescheitert zu betrachten. Da es keine neue Sintflut gibt … ist die Existenz eines „höheren Wesens“ auch widerlegt. Sollte es ein „höheres Wesen“ trotzdem geben, werde ich dem dann irgendwann einmal die Leviten lesen … und mit der Verachtung „strafen“ die ich bei den „Klingonen“ so bewundere. Arme vor der Brust gekreuzt und den Rücken zukehren.… Read more »
leslie
Gast

“ ist die Existenz eines “höheren Wesens” “

Der Mensch hat sich die Hölle auf Erden geschaffen,
Mammon hat ganze Arbeit geleistet. :-O

Mal sehen wann Mensch checkt das Kapitalismus in der jetzigen Form eine Ausgeburt der Hölle ist.
Wahrscheinlich erst,wenn um ihn atomare Pilze sprießen.

Mfg

Yarsin
Mitglied

Na frag‘ mal ein paar Betroffene der letzten Unwetter wie weit die nächste Sintflut weg ist.
Wir schaffen das schon selbst uns auszurotten, da nützt dann auch alle Verachtung nix mehr.
Die Zeiträume sind halt nicht mit der Lebensspanne eines Menschen zu messen sondern viel grösser.

Rainer N.
Gast
Ich bin etwas älter … und habe damals die Flut … 1962 … auch noch an meinem Geburtstag … also da sehe ich so eine „Überschwemmung“ nicht so tragisch an. Nur die Entwicklung … die schon … menschgemacht … was aber von einigen Menschen bestritten wird. Also ich weine der Menschheit keine Träne nach. Wenn ich es erleben sollte. Und zur Lebensspanne eines Menschen … denk mal an den 30 jährigen Krieg, der eigentlich 100 Jahre (für Niederländer) dauerte. Meine Großeltern erlebten 2 WK in einer Lebensspanne. Meine Eltern einen, ich NOCH keinen. Ich erlebte die Schleifung des Sozialsystems. Lernte… Read more »
Am_Rande
Gast
Die UN ist eine Organisation von Staaten. Sie hat zur Zeit 193 Mitglieder. Freedom House ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die einen jährlichen Bericht, „Freedom in the World“, veröffentlicht, in dem der Grad an Demokratie und Freiheit in der ganzen Welt bewertet werden. „Von den 195 untersuchten Ländern waren 89 (46 Prozent) frei , 55 (28 Prozent) teilweise frei und 51 (26 Prozent) nicht frei. “ (Freedom in the World, 2015) Nimmt man an, es gäbe einen Kinderschutzverein, der 100 Mitglieder hat, von denen 26 verurteilte Kinderschänder sind und von denen 28 öfter unter dem dringenden Tatverdacht eben dieser Straftat polizeilich… Read more »
Mordred
Gast

super.
https://de.wikipedia.org/wiki/Freedom_House

Freedom House zählt Institutionen der US-Regierung zu seinen größten Geldgebern.[1] Zu den drei größten Spendern gehörte 2010 der Demokratieförderfonds der Vereinten Nationen (UNDEF). Dazu kommen Mittel weiterer Regierungen sowie verschiedener halböffentlicher und privater Stiftungen, etwa der Open Society Foundations von George Soros.[2] Aufgrund dieser Finanzierungsstruktur wird die Organisation häufig mit dem Vorwurf politischer Parteilichkeit konfrontiert.

freedom house ist also eine institution von staaten und privaten milliardären. letztere machen sie natürlich direkt vertrauenswürdiger^^

trackback

[…] Quelle: Von der UN, Kinderrechten, der „Liste der Schande“, Saudi-Arabien und der Welt, die sich weiter … […]

Bonsta
Gast
Solche Listen sind der reine Schwachsinn und dienen am Ende nur der Volksverdummung. Natürlich… nur die gaaanz schlimmen Buben kommen auf die Liste, wie der IS – der zwar nicht einmal ein Staat ist, aber wo es leicht fällt zu verdammen. Wen juckt, ob der IS auf irgendeiner bekloppen Liste steht? Wahrscheinlich nicht einmal den IS selbst. So hat man keine Befürchtungen, womöglich irgendwo anzuecken. Die USA haben seit dem Ende des 2. Weltkrieges (und das sind nur die wirklich nachweißbaren Opferzahlen) über 20 Mio Menschen getötet. Meistens Zivilisten und auch bei abscheulichen Kriegsverbrechen. Die Kriegsgründe selbst waren dabei auch… Read more »
joe
Mitglied

die Bundesliga kriegt mehr Geld u wir mehr Fußball ……das ist die Antwort.
Alles wird gut wenn der Ball rollt.

Sukram71
Gast

Ban Ki Moon hat Saudi Arabien aber nicht einfach so von der Liste gestrichen, sondern

Saudi-Arabien und andere arabische und muslimische Länder hätten daraufhin gedroht, ihre Zahlungen für humanitäre Programme der UNO zu kürzen.
[…]
Ban selbst erklärte: „Das war eine der schmerzlichsten und schwierigsten Entscheidungen, die ich treffen musste.“ Wegen der angedrohten Mittelkürzungen habe er der realen Gefahr Rechnung tragen müssen, „dass Millionen anderer Kinder schwer leiden“.

http://m.tagesspiegel.de/politik/un-liste-zu-kinderrechten-ban-ki-moon-wirft-saudi-arabien-unzulaessigen-druck-vor/13715438.html

Ban Ki Moon war da ein bisschen in der Zwickmühle. Aber jetzt steht Saudi-Arabien erst Recht weltweit in der Presse und am Pranger.

Rainer N.
Gast
Hab ich anders gehört. Hat er da nachgelegt und genannt, wer DRUCK gemacht hat? In der Meldung die mir bekannt ist, hat er keinen Staat genannt und Saudis haben sofort abgestritten … Also: Das Finanzierungssystem der Vereinten Nationen basiert auf drei wesentlichen Säulen: den Pflichtbeiträgen zum ordentlichen Haushalt, den Pflicht-Beitragsumlagen zur Finanzierung der Friedensmissionen und Internationalen Tribunalen sowie den freiwilligen Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Freiwillige Beiträge der Mitgliedsstaaten bilden die dritte Säule des Finanzierungssystems der Vereinten Nationen. Aus den freiwilligen Beiträgen werden die Spezial- und Nebenorgane, Programme und Fonds der Vereinten Nationen ganz oder zumindest teilweise finanziert. Dazu gehören zum Beispiel… Read more »
Sukram71
Gast
Die Saudis werden aber wohl kaum nur Dududu! gesagt haben, sondern die haben ihre Beziehungen spielen lassen und sich mit andern Staaten der Region zusammen getangetan, um zusammen mit Entzug des Geldes für dortige Projekte zu drohen. Die USA müssen da nicht unbedingt eine Rolle gespielt haben. Die Golf Region ist auch für die UNO wichtig und Saudi-Arabien hat dort sehr viel Einfluss. Und es geht nicht nur um Geld, sondern möglicherweise auch um den Abzug von Mitarbeitern, die Aussetzung von Überflugrechten und den Sonderrechten von UNO Mitarbeitern, zukünftigem Abstimmungsverhalten usw.. Da gibt es sicher ne ganze Latte womit man… Read more »
Rainer N.
Gast
OT – bin so was von frustriert und geladen … sorry. was bekommt man eigentlich für Sterbehilfe … Solch eine Tat wird dann als „Tötung auf Verlangen“ mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Tja, dann lieber nicht … Indirekte Sterbehilfe ist zulässig und liegt vor, wenn etwa ein Arzt einem Todkranken mit dessen Einverständnis schmerzlindernde Medikamente gibt, die als Nebenwirkung den Todeseintritt beschleunigen. Diese Art der Lebensverkürzung ist und bleibt nicht strafbar, weil sie dem Patienten einen Tod in Würde und Schmerzfreiheit ermöglicht. Verweigern Ärzte solche Schmerzmittel mit der Begründung, keinen vorzeitigen Tod herbeiführen zu wollen, können sie laut… Read more »
Rainer N.
Gast
Erweiterung – JA – OT – aber ich denke es beschreibt die Situation in Deutschlands Pflegeheime. Den Text habe ich an die Zeitung meines Wohnortes gesandt. Menschen sterben. Täglich, überall, irgendwo. Auch in ORT. Wenn es dann um eigene Angehörige geht, ist es natürlich schwerer. Nun liegt meine Mutter im Sterben. In einem Haus der Heimstiftung. Unterbezahltes Personal, Hauptsache billig, auch 450 € Kräfte mit 45 Stunden im Monat. Klar, wenn Pflegepersonal erkennt, da ist ein „Gast im Haus“ der in Kürze verstirbt, kann sich da keine umfassenden Gefühle leisten. So agieren oder reagieren manche Pflegekräfte eben „schnoddrig“. Und die… Read more »
Rainer N.
Gast

Sie ist nun eingeschlafen. So möchte ich nicht sterben …

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