Sparkassen, Strafzinsen und andere Merkwürdigkeiten – ist das schon Kampagnenjournalismus?

whistle_01Ein auf Krawall gebürsteter bayerischer Sparkassenpräsidenten denkt laut über „Strafzinsen“ für Privatkunden nach und die Medien sind aus dem Häuschen. Das Thema Negativzinsen scheint aktuell das Thema Inflation als Lieblingsaufreger für deutsche Finanzjournalisten abgelöst zu haben; und wie beim Thema Inflation wird leider auch beim Thema Negativzinsen viel Unsinn geschrieben. Wer beispielsweise im Kontext angedachter „Verwahrgebühren“ von einer Enteignung der Sparer fabuliert, sollte sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob er den richtigen Job ergriffen hat. Selbst wenn die Banken die Negativzinsen voll durchreichen geht es für den durchschnittlichen Sparer nämlich um weniger als 40 Cent pro Monat – wie viel Kontoführungsgebühren zahlen Sie doch gleich?

Gemäß eines schönen Zitats funktioniert das klassische Banking nach der 3-6-3-Methode: Gib Deinen Kunden 3% Zinsen auf ihre Einlagen, verlange 6% für einen Kredit, mach um Drei Feierabend und geh dann Golf spielen. Würden alle Banker so handeln; uns wären die ganzen Crashs, Krisen und milliardenschweren Rettungspakete erspart geblieben. Aber bleiben wir bei diesem vereinfachenden Modell: Was hat sich seit dem Beginn der Niedrigzinsära substanziell daran geändert? Heute kriegen Kunden 0% Zinsen und gut abgesicherte Kredite kosten rund 3% Zinsen. Der Unterschied beträgt also heute wie damals rund drei Prozent und dies können Sie ruhig auch auf andere Jahrzehnte übertragen: Ein gut abgesicherter Kredit kostete schon immer rund drei Prozent mehr als es als Einlage für Festgeld von der Bank gibt. Diese Differenz deckt zum Einen das Ausfallrisiko und trägt zum Anderen einen Teil der Kosten: Schließlich kosten auch ganz normale „Schalterbeamte“, Geldautomaten und Filialen Geld – es muss ja nicht immer der gieriger Anlageberater oder der zockende Broker sein, den es bei kleineren Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken ja ohnehin nicht gibt.

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33 Kommentare auf "Sparkassen, Strafzinsen und andere Merkwürdigkeiten – ist das schon Kampagnenjournalismus?"

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Seb78
Gast
Was ist das denn für ein Artikel? Zunächst einmal bin ich bei keiner Sparkasse sondern einer Online-Bank. Zuvor noch Jahre bei einer Bank die laufend in den Medien ist. Und das nicht positiv. Ja Finanzprodukte. Ich habe noch nie ein Angebot dafür erhalten. Sparkassen hingegen waren mit die schlimmsten Andreher mieser Titel vor der Lehman Pleite. „Alt und Dumm sind die besten Kunden“ lautete das Motto. Das wir Negativzinsen haben ist das Verfahren von Schäuble plus Banken. Warum sollte ich da nur einen Cent bezahlen. Noch abstruser die Aussage 3% Abstand seien normal. In einem normalen Markt vielleicht. Wenn aber… Read more »
Sukram71
Gast

Deshalb gibt es Negativzinsen nur für Kunden, die so viel Geld haben, dass es nicht unter die Matratze passt. 😉

hart backbord
Gast

Abzocke pur.
In der Dienstleistungs-befreiten Zone BRD wundert einen aber nix mehr.

Mordred
Gast

grundsätzlich bin ich mit dem artikel bzw. seiner stoßrichtung einverstanden.

aber a bisserl mehr gebühren-blaming häts dann doch gerne sein dürfen 😉
vom hausbau, autokauf, sonstigen ratenkauf abgesehen, bei welchem kredit gibts denn nur 3%?

Heldentasse
Mitglied
Wieder ein sachlich guter und unaufgeregter Artikel des Spiegelfechters, der einiges gerade rückt. Was m.E. auch notwendig ist, denn den Tanz ums güldene Kalb sollten Habenichtse die eh nur 0,4 Euronen im Jahr zahlen würden, wenn es denn überhaupt so käme wie die Propaganda tönt, wirklich mal hinterfragen, zumal die versteckten Kosten so oder so viel höher sind. Im weiteren sollte auch mal hinterfragt werden, wem es nützt wenn sich Menschen an solchen Schreckgespenstern wie z.B. „Negativ Zinsen“ abreagieren, ohne wirklich die Systemfrage zu stellen! Beste Grüße Der ganze Hassel um die Knete Macht mich taub und stumm Für den… Read more »
Am_Rande
Gast

Was sagt eigentlich Papa Marx zur derzeitigen Situation?

Wenn man die Umschlagszyklen betrachtet, worin sich die moderne Industrie bewegt – Zustand der Ruhe, wachsende Belebung, Prosperität, Überproduktion, Krach, Stagnation, Zustand der Ruhe etc., Zyklen, deren weitere Analyse außerhalb unserer Betrachtung fällt-, so wird man finden, daß meist niedriger Stand des Zinses den Perioden der Prosperität oder des Extraprofits entspricht.

(Das Kapital – Dritter Band)

Also hoffe ich, dass sich hier im Forum niemand mehr darüber aufregt, dass die Mehrheit mit Frau Merkel so zufrieden ist…

Mordred
Gast

lesen sie mal lieber bei keynes was über die liquiditätsfalle.

Lennard
Gast

Allerdings kann andererseits niedriger Zins mit Stockung, und mäßig steigender Zins mit wachsender Belebung zusammengehen.

Ebenfalls „Das Kapital, Band 3″…und jetzt?

Der schrieb i.Ü. auch so Sachen wie:

„Die Entwicklung des Kreditsystems und die damit beständig wachsende, durch die Bankiers vermittelte Verfügung der Industriellen und Kaufleute über alle diese Geldersparnisse aller Klassen der Gesellschaft, und die fortschreitende Konzentration dieser Ersparnisse zu den Massen, worin sie als Geldkapital wirken können, muß ebenfalls auf den Zinsfuß drücken.“

Marx hat schon damals erkannt, das (übermäßige) Produktion irgendwann keinen Absatz mehr findet.
Schlauer Papa. Offenbar schlauer als Merkel und Wähler Merkels. 😛

Simplicissimus
Gast

Womit wir bei der Grundsatzdiskussion über „das System“ an sich wären, @ Heldentasse.
Wie „zeitgemäß“ ist der bereits über dem Abgrund stehende Kapitalismus mit seiner x-ten selbst kreierten „Krise“ und anschließender „Neuerfindung“ noch?
Welche Alternativen wären denkbar?

Gab´ mal ein ganz witziges Buch. Unter dem Synonym Toby Blubb wurde da über „Panokratie“ konfabuliert.

😉

Sukram71
Gast
Die Leute sind halt am Jammern, weil es für die Ersparnisse keine Zinsen mehr gibt. Man kann das ja verstehen. Erst sinken die Zinsen von Nichts auf Garnichts und jetzt sind sogar Negativzinsen im Gespräch. Ich musste viele Jahre lang auf Wohnungs-Eigentümer-Versammlungen Fragen beantworten, warum die Zinsen für die Rücklage so niedrig sind. 🙂 Schuld ist allerdings nicht die EZB, wie die Politik gerne glauben machen möchte, sondern die Weigerung der – insbesondere der deutschen – Politik z. B. eine echte Banken-Union, gemeinsame europäische Staatsanleihen (Eurobonds) oder irgend eine andere Lösung, die eine gemeinsame Schuldenhaftung bewirkt und die in der… Read more »
Querleser
Gast

Ihr imaginärer „Euroraum“ wird mit K-E-I-N-E-M „Dreh“ oder „Kunstgriff“ funktionieren.
Das Pferd wurde vom Schwanz her aufgezäumt in der Hoffnung, daß sich das Maul danach richten werde.
Diese ganze Blase war von vornherein eine „Totgeburt“.

Sukram71
Gast

Na für ne Totgeburt hat er sich aber schon ne ganze Weile gehalten und etabliert.

Vielleicht hat die Politik ja noch irgendwann, wenn es Spitz auf Knopf steht, ein Einsehen und führt schrittweise europäische Staatsanleihen ein, eine echte Bankenunion und gemeinsame europäische Steuern und Sozialversicherungen. Und für Griechenland gibt es einen Schuldenschnitt, den ja sogar der IWF fordert.

Dann haben der Euro und Europa eine große Zukunft. Die Hoffnung stirbt zuletzt. 🙂

Querleser
Gast

„Na für ne Totgeburt hat er sich aber schon ne ganze Weile gehalten und etabliert. “

Auch derartige kann man eine Weile künstlich am (Schein-)Leben erhalten.

„Dann haben der Euro und Europa eine große Zukunft.“

Ohne gleiche oder zumindest vergleichbare Wirtschaftskraft der diversen Länder wird sich durch keinerlei „Maßnahme“ irgend etwas „nachträglich renken“.
Diese Funktion oblag den bis „Einführung“ des Spielgeldes gültigen Wechselkursen.

Bitte nehmen Sie heut´ eine doppelte Dosis Ihrer Medikamente!

Sukram71
Gast

Nun, ich gebe zu, dass plötzlich überall die große Einsicht einkehrt, ist ziemlich unwahrscheinlich. 🙂

Wahrscheinlicher ist im Moment, dass Groß Britannien aus der EU austritt und dass das eine Kettenreaktion auslöst, die die ganze EU in Wanken und zum Zusammenstürzen bringt. Leider…

Mordred
Gast

Und weil sich die deutsche Politik beharrlich weigert, dies einzusehen, übernimmt die EZB diesen Part und nimmt den reichen Sparern im Norden ihre Zinsen und gibt sie den armen (Staats-)Schuldnern im Süden Europas.

wie biste denn auf diese absurdität gekommen?

Sukram71
Gast
Hätte man die Banken und daraus folgende Staatsschuldenkrise innerhalb Europas solidarisch gelöst, auch der Sachverständigenrat der Bundesregierung hat dazu viele Vorschläge gemacht, dann hätten wir schon lange keine Krise mehr und die Zinsen wären deutlich höher. Aber so bleibt der EZB nur übrig, den verschuldeten Staaten im Süden Europas mit niedrigen bzw Null-Zinsen und massiven Ankäufen von Staatsanleihen unter die Arme zu greifen. Deshalb sind die Konservativen in Deutschland am toben, weil das indirekt einen ähnlichen Effekt hat. Aber sie selber haben damals – gottseidank – darauf bestanden, dass die EZB unabhängig agiert und regen sich jetzt darüber auf. –… Read more »
Mordred
Gast
hier schreibst du was anderes, als das was ich als absurdität bezeichnete. Hätte man die Banken und daraus folgende Staatsschuldenkrise innerhalb Europas solidarisch gelöst, auch der Sachverständigenrat der Bundesregierung hat dazu viele Vorschläge gemacht, dann hätten wir schon lange keine Krise mehr und die Zinsen wären deutlich höher. und wieder einmal frage ich mich, wie lange du hier eigentlich mitliest. die finanzkrise war sozusagen nur der auslöser für die tiefergehende eurokrise, die du mit ner transferunion bekämpfen willst. das hauptproblem sind, wie hier wahrscheinlich jedem außer dir bekannt ist, die auseinanderlaufenden inflationen. statt dieses symptom mittels dem medikament transferunion zu… Read more »
Sukram71
Gast

Also zum einen ist die EU ja schon jetzt eine Transfer-Union. Riesige Agrarsubventionen werden von der EU verteilt. Es gibt Nettozahler und Nettoempfänger.

Um die Euro und Schuldenkrise zu lösen, ist aber eine gemeinsame Schuldenhaftung unerlässlich. Zum einen für die Staatsschulden und zum einen für die Banken. Damit alle zusammen das Haftungsrisiko tragen und somit alle Euroländer von den niedrigen Zinsen profitieren.
Dann wäre dir Nullzins Politik der EZB gar nicht notwendig.

Genosse S.
Gast

Schuld ist allerdings nicht die EZB, wie die Politik gerne glauben machen möchte, sondern die Weigerung der – insbesondere der deutschen – Politik z. B. eine echte Banken-Union, gemeinsame europäische Staatsanleihen (Eurobonds) oder irgend eine andere Lösung, die eine gemeinsame Schuldenhaftung bewirkt und die in der EU dauerhaft eine Transfer-Union einrichtet zuzulassen. Ohne das kann der Euroraum aber nicht funktionieren.

Wo hast Du den diesen Quatsch her? Aus der „Brüssler Zentrale“?

Die EZB macht explizit eine Politik des „billigen Geldes“ und Du sagst die EZB ist nicht verantwortlich für die niedrigen Zinsen? Welche Drogen nimmst Du??

Sukram71
Gast

Die EZB macht eine Politik des billigen Geldes, weil die Staatsschuldenkrise durch die Politik, insbesondere durch Angela Merkel und Wolfgang Schäuble, seit Jahren verschleppt wird, statt gelöst.

Selbst der IWF drängt auf einen Schuldenschnitt für Griechenland. Und der Sachverständigenrat der Bundesregierung hat vielfältige Vorschläge gemacht, wie man in Europa die Schuldenlast etwas verteilen kann.

Genosse S.
Gast

weil die Staatsschuldenkrise durch die Politik, insbesondere durch Angela Merkel und Wolfgang Schäuble, seit Jahren verschleppt wird, statt gelöst

Mutti und Co „lösen“ das Problem ja grade DURCH DIE NEGATIVEN ZINSEN.

leslie
Gast

Bankräuber sind Dilettanten,Profis gründen ne Bank. 😉

Mfg

ChrisA
Mitglied
@Jens Berger Rein aus eigener Erfahrung kann ich aber Gegenteiliges als von dir im Artikel Geschriebenes sagen. Bei Volksbanken und Sparkassen: Lächerliche Gebührenstrukturen für alles und jeden, je nach Stadt unterschiedlich, aber immer ähnlich lächerlich. Gebührenpflichtig u.a.: – jede Buchung – jedes Quartal, einfach mal so – die Bankkarte – mit der gebührenpflichtigen Bankkarte ausschließlich bei der gleichen Bank gebührenfrei abheben können, sonst lächerlich hohe Gebühren – vor dem mTAN Verfahren Gebühren für die TANs bzw. den TAN-Generator – Verrechnungsschecks können ausschließlich (!!!) bei den Banken des eigenen Regionalverbandes eingelöst werden. Zusätzlich stimmt deine Aussage, Sparkassen u.ä. würden keine Finanzprodukte… Read more »
Fusel
Gast
Bei der aktuellen Thematik, die EZB Negativzinsen auf die einfachen Sparer umzulegen, ist mir mal aufgefallen, dass es genau das ist was ein ganzes Rudel verschiedenster Kapitalismuskritiker im Rahmen von Freigeld und Zinzverteufelung eigentlich schon immer gefordert haben. Ein Geld was sich entwertet wenn man es liegen läßt soll ja laut Freigeldkonzept von den Leuten in Umlauf gehalten werden damit weniger Wertverlust anfällt. Beim klassischen Freigeld werden Papierscheinchen monatlich manuell um geringe Prozentsätze entwertet. Bei einer digitalen Kontoführung würde das einfach nur automatisiert. Wer hätte gedacht das gerade die Banken, die ja nicht nur das weiterreichen von EZB Negativzinsen sondern… Read more »
Genosse S.
Gast

Was will uns Jens B. also mit diesem Artikel sagen?

Früher gab es ein Kredit für 6%, fürs Guthaben dagegen nur 3% bekommen. Differenz = 3% Pkte. Habe ich Verstanden. EInfachste Mathemathik.

Heute gibt es ein Kredit für 2%, fürs Angesparte nun -1%.
Differenz? Immer noch 3%!!!

Also Leute, was soll die Aufregung in den Medien? Ist doch alles in Ordnung. Der Euro verliert zwar eine klassische Geldfunktion, nämlich die des Sparens. Aber das ist doch egal. Altersvorsorge ist doch von gestern. Berger ist genial!

Ironie off

Dennis82
Mitglied
Ähm, bzgl. der ach so netten und sozialen Sparkassen hätte ich das örtliche Gegenbeispiel anzubieten. Die haben damals im Rahmen der Lehman-Pleite ordentlich Zaster versenkt. Anschließend viele Filialen auf dem Land dicht gemacht. „Zinsen“ für das Sparbuch dort derzeit: 0,5 Promille! Das neue „Gebührenmodell“ war dann auch der Punkt, an welchem ich diesen Laden in Richtung einer Genossenschaftsbank verlassen habe. Die örtlichen VR-Banken verlangen inzwischen übrigens von ihren Privatkunden für jede(!) Buchung gesonderte Gebühren… Nun gäbe es da ja grade bei Sparkassen eine Möglichkeit der politischen Einflussnahme. Aber: der örtliche Sparkassen-Verwaltungsrat ist durch die übliche schwarz-rote Grundbesetzung begeistert von diesem… Read more »
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