Venezuela – it ́s the economy stupid

Letzte Woche verhafteten die venezolanischen Behörden Antonio Ledezma, den Bürgermeister von Caracas. Von 76 oppositionellen Bürgermeistern sind nun 33 in Haft oder stehen vor Gericht. Offizielle venezolanische Nachrichtenkanäle sprechen im Fall Ledezma von einem verhinderten Staatsstreich – unterstützt durch die USA. Es ist von außen sehr schwer, diese Vorwürfe zu bewerten. Zweifel sind jedoch angebracht. Venezuelas Wirtschaft befindet sich im freien Fall. Die Menschen leiden an einem rasanten Verlust ihrer Kaufkraft und Versorgungsengpässen. Noch nie war die Zustimmung für die regierenden „Chavistas“ so gering wie heute und im Herbst stehen eigentlich Wahlen vor der Tür. Gut möglich, dass die „Bolivarische Revolution“ nach siebzehn Jahren an ihren eigenen Fehlern zu Grunde geht. Eine besondere Bedeutung sollte man dabei der fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik zuweisen.

Venezuela ist von außen betrachtet ein Land der ökonomischen Merkwürdigkeiten. Auf dem Papier ist Venezuela reich, steinreich. Dank seiner Erdölexporte erzielt Venezuela Jahr für Jahr einen Außenhandelsüberschuss in Höhe von mehr als 10% des Bruttoinlandsprodukts. Dennoch ist Venezuela im Ausland mit mehr als 70 Mrd. US-Dollar verschuldet. Die Hälfte der Staatseinnahmen stammt aus dem Erdölexport. Doch selbst in den Jahren, in denen der Erdölpreis weit über 120 US-Dollar pro Barrel lag, betrug die jährliche Neuverschuldung des venezolanischen Staates mehr als 15% des BIP. Nur als Vergleich: Die Maastricht-Kriterien der Eurozone gestatten maximal drei Prozent Neuverschuldung.

Diese Merkwürdigkeiten betreffen jedoch nicht nur abstrakte volkswirtschaftliche Größen, sondern auch und vor allem das Alltagsleben der Venezolaner. Ein Flug von Caracas nach Maracaibo kostet 16 US-Dollar, eine Tube Colgate-Zahnpasta 7 US-Cent und Benzin, Diesel und Strom gibt es fast zum Nulltarif. Das klingt doch wunderbar. Oder? Nein, denn die hier genannten Preise sind Dollar-Preise, gemessen am „offiziellen Umtauschkurs“. Den gibt es jedoch im Alltagsleben nur auf dem Papier. Wer die Probleme der venezolanischen Volkswirtschaft verstehen will, muss zunächst versuchen, das auf Außenstehende verwirrende Wechselkurssystem des Landes zu verstehen.

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124 Kommentare auf "Venezuela – it ́s the economy stupid"

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Steamboat Willie
Gast

Natürlich kann es sein, dass Maduro und Co. Recht haben und die USA tatsächlich einen Coup planten. Sehr wahrscheinlich ist das jedoch nicht, zumal die Opposition eigentlich nur auf Zeit spielen müsste, um im Herbst ganz legal an die Macht zu kommen.

In der Ukraine hätte die damalige Opposition auch nur bis zu den Neuwahlen im Dezember warten brauchen. Aber möglicherweise wäre sie dann zumindestens in dieser Konstellation nicht an die Regierung gekommen.

R_Winter
Mitglied

Ein guter, informativer Artikel, auch wenn der Leiter des privaten venezolanischen Umfrageinstituts Hinterlaces, Óscar Schemel, es aus Umfragen anders sehen will:

Der Meinungsforscher beurteilt als „die große Schwäche der Regierung“, dass sie über keine kommunikative Strategie verfüge, um „Hoffnungen und Sicherheitsgefühl wiederherzustellen.“

In Deutschland hat die GrKo 80% der BT-Sitze, aber ist deshalb die Griechenland-, Russland-, Wirtschafts– und Sozialpolitik richtig? Was unsere Regierung „besser“ macht, ist zweifellos die Kommunikation.
Es war schon immer so: Die dümmsten Kälber, suchen sich ihrer Schlächter selber und darum glaube ich der Ursachenbeschreibung von JB.

Winne2
Mitglied
Lieber Jens, als jemand der in diesem Jahr (und letztes Jahr auch) schon in beiden Ländern war und dort auch regelmässig Kontakt zu ’normalen‘ Menschen, Unternehmen, Organisationen unterschiedlichster Art hat muss ich sagen, Sätze wie „Sicher, im direkten Vergleich mit anderen südamerikanischen Staaten, wie beispielsweise Kolumbien, ist die Lebensqualität in Venezuela noch recht hoch“ lassen einen angesichts der erlebten Wirklichkeit in beiden Ländern in den letzten 5 bis 8 Jahren das Kinn vor Fassungslosigkeit fast bis auf das Knie fallen…. Die „Analyse“ der volkswirktschaftlichen Zahlen mag in sich stimmig sein. Allein: Wer glaubt denn wirklich noch irgendwelchen Zahlen aus Venezuela??… Read more »
schwitzig
Gast

@Jens Berger

Diese Analyse klingt freilich sehr negativ.

Eigentlich nicht. Du belegst nur unterbewusst – diesmal von der anderen Seite – dass Kapitalismus für die Mehrheit der Menschen nicht funktionieren kann und sagst durch die Blume (It’s the economy, stupid), dass man Ökonom sein muss, um so richtig stupide sein zu können.

Mordred
Gast

naja, in kombo mit
„3. Winne2 schrieb am 26. Februar 2015 um 15:15“
würde ich eher sagen, dass der kapitalismus als ursache hier gerade nicht greift.
in venezuele hat man wohl so ne art feudalismus als links getarnt.

die erzählungen klingen so abstrus – da bin ich inhaltlich näher am weltbild (ökonomisch, sozial…) von unserer kanzlerin. und das will was heißen^^

seyinphyin
Gast

Rechte System werden doch grundsätzlich als linke Systeme getarnt. Kommt selbst in einem 100%ige Polizeistaat nicht gut an, wenn die Herrscher ganz offen die Wahrheit über den status quo (oder gar über die zukünftige Planung) zu sagen, nämlich dass alles andere ihnen zu dienen hat.

Welcher überzeugte Demorkrat käme dagegen auf die Idee, mit despotischen Fantasien Werbung zu machen?

R_Winter
Mitglied

@schwitzig

Verbrecher müssen Verbrecher genannt werden – gleich ob sie eine neoliberale oder linke Überzeugung vorgeben. Es ist zweifellos richtig, dass die Linken in Venezuela für die Bevölkerung etwa erreicht haben und doch: Bestimmten Kreisen kann nicht vertraut werden, denn die wenigen Zahlen von JB erzeugen das Bild, dass Milliarden von Dollars veruntreut wurden. Wir werden unglaubwürdig, wenn wir extreme Unregelmäßigkeiten auf der linken Seite mit „grundsätzlichen Einwendungen“ zu entschuldigen suchen.
Ein Vorbild sollte die jetzige griechische Regierung sein (hoffentlich haben die Anhänger um die „schwarze Null“ mit ihrer Taktik keinen Erfolg). Kein Vorbild ist eine unfähige, anti-demokratische Machtelite in Venezuela.

OAlexander
Gast

Ich persönlich habe den Eindruck, dass das ganze dort per se nicht verbrecherisch ablief, sondern eher dass man sich primär dem wirtschaftlichen Sachverstand des charismatischen, und hierarchisch höherstehenden, Hugo Chavez unterworfen hat. Selbstverständlich haben dabei auch einige Gewinne gemacht.

Ich erspare allen Anwesenden meine Meinung die ich persönlich aus Interviews von Herrn Chavez gewonnen habe.

schwitzig
Gast

@OAlexander
Zumindest Chavez unterstelle ich gute Absichten. Aber gut gewollt ist halt nicht gut gemacht.

Heldentasse
Mitglied
@schwitzig Könnte es nicht auch sein, dass man im Hinterhof der USA seinen Arsch nicht aus dem Dreck bekommt, wenn diese es nicht wollen? Da hilft auch guter Wille und bestes Können nichts! Im übrigen sehe ich einige Parallelen zur Situation in der Ukraine: Fernab von der Berichterstattung deutscher Mainstream-Medien finden in Venezuela schwere Unruhen statt. Aus europäischer Sicht scheint das Land – gar ganz Lateinamerika – weit weg und damit relativ uninteressant zu sein. Nur ca. 700 km von der deutschen Grenze entfernten Ukraine findet immerhin ein brisanter und gefährlicher Konflikt statt. Wenn die geopolitischen Auseinandersetzungen sich in den… Read more »
schwitzig
Gast
@Heldentasse Könnte es nicht auch sein, dass man im Hinterhof der USA seinen Arsch nicht aus dem Dreck bekommt, wenn diese es nicht wollen? Natürlich haben die USA an der kommenden Katastrophe auch einen nicht unerheblichen Anteil, aber falsche Entscheidungen wurden kontinuierlich nun einmal auch in Venezuela selbst gefällt. Damit hat Jens nicht ganz Unrecht. Förderprogramme und die praktizierte Umverteilung zum Zwecke der Ermöglichung erträglicher sozialer Standard sind sehr wohl angebracht und richtig gewesen – aber wenn man schon wie die Chavisten sich mit den Kapitalisten ins Bett legt, um der Bevölkerung auch etwas zukommen zu lassen; sich also als… Read more »
Norbert1980
Gast

@R_Winter/schwitzig/Joker

Verbrecher müssen Verbrecher genannt werden – gleich ob sie eine neoliberale oder linke Überzeugung vorgeben.

Exakt! 100% Zustimmung! Ich weiß Eigenlob stinkt, aber ich habe bereits vor einem Monat darauf hingewiesen dass Tsipras Venezuela sich nicht als Vorbild nehmen sollte. Damals wurde ich noch beschimpft, tja Schwamm drüber.

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/131253/freier-eintritt-fuer-alle-die-es-brauchen-das-wunder-im-wunderland#comment-330493

schwitzig
Gast
@R_Winter Es ist zweifellos richtig, dass die Linken in Venezuela für die Bevölkerung etwa erreicht haben und doch: Bestimmten Kreisen kann nicht vertraut werden, denn die wenigen Zahlen von JB erzeugen das Bild, dass Milliarden von Dollars veruntreut wurden. Wir werden unglaubwürdig, wenn wir extreme Unregelmäßigkeiten auf der linken Seite mit “grundsätzlichen Einwendungen” zu entschuldigen suchen. Keine Frage – Venezuela hat einen falschen Weg eingeschlagen und dort wird ebenfalls keine Politik betrieben, die der Gesamtheit auf Dauer ein besseres Leben gewährt. Doch die Ursache ist weniger die schlechte Wechselkurspolitik und der Korruptionsanteil – das sind Symptome. Die Ursache ist ein… Read more »
Leone
Gast

@schwitzig

Du belegst nur unterbewusst – diesmal von der anderen Seite – dass Kapitalismus für die Mehrheit der Menschen nicht funktionieren kann

Da muss ich JB bisschen in Schutz nehmen: Venezuele ist ein „Arbeiter und Bauer“ Staat, Dein Argument geht voll in die Leere. Richtig wäre hättest Du geschrieben:

Du belegst nur unterbewusst – diesmal von der anderen Seite – dass Kommunismus für die Mehrheit der Menschen nicht funktionieren kann

David
Gast
Eines der großen Probleme ist die Devisenkontrolle. Mit der kürzlich durchgeführten Reform (Februar 2015) wurde Simadi erst eingeführt und somit quasi der Dollar-Schwarzmarkt legalisiert. Es wird interessant sein wie sich das auf den Parallelmarkt auswirkt. Die bisherigen Reformen waren ja unbrauchbar. Die Devisenkontrolle sorgt auch für die Engpässe bei der Versorgung. Ein großer Teil der importierten Güter werden illegal im Ausland verkauft. Das ist auch aus kapitalistischer Sicht vollkommen logisch. Man bekommt als Unternehmen günstig Devisen (Cencoex – 6,3 : 1) für Lebensmittel, Klopapier usw. Diese Güter können aber nur zu den festgeschriebenen Preisen verkauft werden. Mehr Geld verdient man… Read more »
OAlexander
Gast
Der Artikel schneidet die Probleme Venezuelas gut an. Die Absurdität der chavezschen Wirtschaftspolitik fängt mit der nicht einmal erwähnten Landwirtschaftspolitik an. Leider haben es die USA den dortigen Machthabern ermöglicht sich hinter US-Putschversuchen zu verstecken. Auch unter Berücksichtigung der besonderen Schwierigkeiten die eine Volkswirtschaft die auf Rohstoffexporten basiert waren/sind dort Extremversager am Werk. Caracas, eine sehr schön gelegen Stadt mit knapp 3,5 Mio. Einwohnern und Heimat unzähliger Schönheitsköniginnen, offeriert mittlerweile die Chance, dass man 1:1000 umgebracht wird – nur San Pedro Sula, ein unbekanntes aber großes Millionenloch in Honduras, hat noch eine 50%ig bessere Chance. (116 per 100.000, bzw. 171… Read more »
Winne2
Mitglied

@OAlex Wie wahr! Ich würde sagen, das makro-ökonomische Verständnis und wirtschaftliche „Können“ bei den dort Herrschenden bewegt sich noch weit unter dem Niveau von Schäuble und Merkel und ihrem imperialen Gehabe in der EU. Und die USA mit ihren (tatsächlichen!) Putschversuchen, haben dämlich wie die militaristischen Geheimdienste da sind, auch noch das Feigenblatt für Jahre von unfassbarer Misswirtschaft geliefert. Man könnte transatlantisch sagen: Der Militär Chavez (und Nachfolger) ist eigentlich nur die Latino volkstümlich-uniformiert-machistische ‚Links’Variante von AfD-Lucke. ;o)

Truvor
Mitglied

@ OAlexander

Hat diesen „sehr schönen Artikel“ (aus Deinem Link) irgendein Nazi geschrieben ?

OAlexander
Gast

@ Truvor

Keine Ahnung wer den blöden Artikel geschrieben hat. Die Nazis mussten sich auf jeden Fall noch zwei Jahre gedulden ehe sie ihre eigene Fachpresse bekamen, dann aber gleich direkt von berufenster Qualität. Beliebt war die auch Kolumne „Gesundheit + Familie – Dr. med. Mengele rät“. Ironischerweise durften die ab 1940 oder 1941 nur noch auf Portugiesisch publizieren.

seyinphyin
Gast

CDU/CSU sind doch die „rehabilitierten“ Nazis und die haben einen ganzen Haufen an „Fachpresse“.

The Joker
Mitglied

Hallo OAlexander,

OT: Hier ist ein sehr schöner Artikel der die inhärente Seelenverwandtschaft des russischen Volkes mit dem Kommunismus verdeutlicht

Ja nee, is klar.
Und die Juden haben alle das selbe Gen.
Und der Schwarze schnackselt halt gern.
Und der Zigeuner klaut.
*kopfschüttel*

OAlexander
Gast

Entgegen anderslautenden Gerüchten bin ich kein „Schwarzer“. Darf man das Wort eigentlich noch verwenden, muss das heutzutage nicht „Afro-Dingsbums“ heißen wenn man die Nationalität nicht kennt?

lemmy Caution
Gast

Auch unter Berücksichtigung der besonderen Schwierigkeiten die eine Volkswirtschaft die auf Rohstoffexporten basiert

Lebst Du nicht in Australien?

Norbert1980
Gast
@Jens Berger Analytisch hervorragender Artikel! Es ist sehr schade, dass es so wenige kluge, linke – aber trotzdem analytisch und nicht ideologisch denkende – Ökonomen gibt. Ganz generell gilt: Subventionitis, wie in Venezuela ist extrem schädlich, v.a. langfristig. 1) künstlich verzerrte Preise begünstige riesige Schwarzmärkte, Korruption, Schlangen vor Geschäften die subventionierte Lebensmittel verteilen – tlw. auch re-importe ins Ausland. David hat das sehr schön beschrieben. http://www.spiegelfechter.com/wordpress/131320/venezuela-it-s-the-economy-stupid#comment-342920 2) verzerrte Preise verhindern auch notwendige Investitionen, z.B. in die heimische Landwirtschaft, sie setzen keinerlei Anreize sparsam mit Energie/Benzin umzugehen. Die größte Eselei ist es den Bezinpreis zu subventionieren?! Wozu bitte? Es wäre viel… Read more »
Lazarus09
Gast

guxu hier –> http://www.counterpunch.org/2015/02/26/us-aggression-against-venezuela/

…dass kommentiert sich selbst.

Heldentasse
Mitglied

Hi Lazarus,

ich hätte nun nicht gedacht, das unsere Freunde so etwas machen. Die setzen doch ihre Wirtschaftsmacht doch immer nur zum besten der Menschen ein:

An einer Vielzahl von Fällen aus dem latein- und südamerikanischen Hinterhof der Vereinigten Staaten dokumentiert Chomsky, wie die US-Politik dort seit nunmehr fünfzig Jahren ihre „Leidenschaft für freie Märkte“ – jedenfalls für die eigenen Investoren – durchsetzt, auf umgekehrte Marktfreiheit und Demokratie aber kaum Rücksicht nimmt. Auch Kolumbien hat nicht immer Drogen exportiert, sondern vor allem Weizen, bevor diverse US-Handelsabkommen dem vor einigen Jahrzehnten ein Ende setzten und so die eigenen Getreideexportquoten erheblich steigerten.

Quelle

Bester Gruß

The Joker
Mitglied

Ungewöhnlich dürftiger Artikel von Jens.
Die geschilderten Probleme – die ich nicht in Abrede stelle – werden zu einer pauschalen Ablehnung des venezolanischen Sozialismus genutzt.
Der Tenor „Die Sozialisten können nicht meit Geld umgehen“ löst bei leicht erregbaren Antikommunisten wie Winne2, Norbert1980 und David natürlich helle Begeisterung aus…

Winne2
Mitglied

@Joker „venezolanischer Sozialismus“?? Grööööhhhl. „Antikommunisten wie Winne2“ ? Supergröööhl.

The Joker
Mitglied

Quod erat demonstrandum.

David
Gast
Antikommunist bin ich keiner. Da muss ich enttäuschen 😉 Ich bin eigentlich solidarisch mit der bolivarischen Bewegung. Es ist aber nun mal so, dass es die chavistische Regierung bisher nicht geschafft hat ein nachhaltiges wirtschaftliches System zu etablieren. Das ist leider Fakt. Ob das je gelingen wird ist schwierig zu beantworten. Seit Jahrzehnten (lange vor dem Chavismus) setzten die Regierungen auf Rentismus. Das zu beenden ist fast unmöglich. Es profitieren zu viele wichtige Leute von diesem System. Es gab unter der bolivarischen Regierung immer wieder Versuche alternative Modelle aufzubauen, die in kleinen Bereichen auch erfolgreich waren, aber das gesamte System… Read more »
The Joker
Mitglied
Hallo David, o.k., in Bezug auf Dich nehme ich den „Antikommunisten“ zurück. Die Putsch-Erfahrung von 2002 hat bei den Chavisten sicher zu einem Wagenburg-Effekt geführt, die Opposition grundsätzlich schärfer zu bekämpfen als etwa europäische Sozialdemokraten und Konservative dies gegenseitig tun. Dazu kommen dann Verkrustungen und Verfilzungen, wie sie bei langjährigen Regierungsparteien – gleich welcher Coleur – allzu häufig entstehen. Elias Jaua scheint in der Tat eine interessante Figur zu sein. Es wäre ja generell wünschenswert, wenn linkskeynesianische und/oder marxistische Ökonomen dort, wo linke Regierungen bestehen, diese umfassend beraten und sich austauschen. Häufig agieren die ja leider nur innerhalb des nationalen… Read more »
lemmy Caution
Gast
Anfang dieses Jahres hatte Elias *aua einen Skandal. Im Gepäck seiner Hausdienerin wurde bei der Einreise in Brasilien eine Pistole entdeckt. Das Gepäckstück gehörte Jaua, was dieser auch zugab. Die brasilianische Regierung wusste überhaupt nicht, dass sich dieser hochrangige chavistische Funktionär im Land befand. Es kam dann noch zu weiteren diplomatischen Verstimmungen, weil Jaua mit der Organisation der Landlosen verhandelte. Nun ist das Hauspersonalwesen eine in ganz Lateinamerika nach wie vor weit verbreitete gesellschaftliche Krankheit (oder deren Symptom). Aber haltet ihr das für einen Lebensstil, dass einem angeblich revolutionären Politiker angemessen ist? Sollten Politiker mit Schusswaffen rumlaufen? Ihr habt alle… Read more »
Heldentasse
Mitglied
Da haben wir es mal wieder, denn es wird wunderbar bestätigt das Linke nicht mit Geld umgehen können. Statt die Wettbewerbsfähigkeit der vor Herrn Chavez zukunftsträchtigen hightech Industrie zu erhöhen, man munkelte damals etwas von der bahnbrechende Entwicklung einer solar- betriebenen Crack- Pfeife bzw. Chips für die bargeldlose Überweisung von Erpressungsgeldern, warfen diese Phösewichte doch stattdessen mit sozialen Wohltaten für die Ärmsten um sich. Richtige Linke würden das niemals machen, denn links sein bedeutet immer auch die wirtschaftlichen Notwendigkeiten sowie ehernen Gesetze der Märkte anzuerkennen. Im übrigen sollten sich auch die Griechen mal dieses südamerikanische Desaster anschauen: Dennoch: Die Parallelitäten… Read more »
The Joker
Mitglied

Natürlich kann es sein, dass Maduro und Co. Recht haben und die USA tatsächlich einen Coup planten. Sehr wahrscheinlich ist das jedoch nicht, zumal die Opposition eigentlich nur auf Zeit spielen müsste, um im Herbst ganz legal an die Macht zu kommen. Da ist es schon wahrscheinlicher, dass man einen Vorwand sucht, um die Wahlen zu verschieben, ganz abzusagen oder aussichtsreiche Kandidaten (Ledezma gehört übrigens nicht dazu) wegen Insubordination von der Wahl auszuschließen

Merkwürdige Mischung aus reiner Spekulation und Diktatur-Geraune, die man ansonsten aus Papieren der Adenauer- oder Naumann-Stiftung kennt.

jowi
Mitglied

Kleptokratie auf venezolanisch, crazy shit!

Was ist komplizierter: das Wechselkurssystem von Venezuela, oder das Tarifsystem der deutschen Bundesbahn?

Wo ist eigentlich der Lemmy, der müsste sich doch freuen, wenn sein Lieblingsbashing-Land Thema ist?

In Chile ist jedenfalls alles viel besser 😉 !

The Joker
Mitglied

Hallo Jowi,

In Chile ist jedenfalls alles viel besser 😉

Und in Tory-England erst: Da kriegen die Staatsfeinde No. 1 – also Fettleibige und Drogenabhängige – nun richtig Zunder… :-/

jowi
Mitglied

Die Briten, Heimatland von Charles Darwin.
Irgend wann werden sie mit portugiesischer Saudade aufs Meer hinaus blicken und sich fragen, wo ihr schönes Empire hin verschwunden ist.

Aus meiner Sicht liegt Darwin nicht ganz falsch, die meisten Sozialdarwinisten betrachten aber den Wettbewerb und die Selektion nur auf der Ebene des Individuums und nicht auf der Gruppenebene und da kann zu viel Egoismus und Rücksichtslosigkeit durchaus die Gesamtleistung der Gruppe schmälern oder sogar den Untergang aller bedeuten, wie das Hühnerexperiment gezeigt hat:

http://de.wikipedia.org/wiki/Multilevel-Selektion#Optimierung_von_Legehennen-Batterien

Nuke_The_Wales
Gast

betrug die jährliche Neuverschuldung des venezolanischen Staates mehr als 15% des BIP

woher kommt diese Zahl?
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Staatsschuldenquote

Rainer N.
Gast

Interessanter Link. Venezuela auf Platz 71. Auf 72 die Schweiz.

Deutschland auf 33 und unangefochten die Nr. 1 – Japan.

Und wenn man sich die Vergangenheit anschaut:

Venezuela 1990 = 67 % / 2000 = 32 % / 2005 = 34 % / 2006 = 28 % / 2007 = 30 % / 2008 = 26 % …

Böses Venezuela – Snowden Asyl anzubieten … da liegt doch der „Hund begraben“.

jowi
Mitglied
Bei der Neuverschuldung sieht es schon recht düster aus und das schon vor dem Ölpreisverfall: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2222rank.html?countryname=Venezuela&countrycode=ve&regionCode=soa&rank=205#ve (Schätzwerte bei Venezuela von 2013) R_Winter hat Recht, auch wenn es manchen Traum platzen lässt, man muss der Wahrheit ins Auge schauen und aus der Ferne betrachtet, gibt es da doch eine Menge hausgemachter Fehler, die man den USA oder anderen Imperialisten nicht in die Schuhe schieben kann. Bleibt nur zu hoffen, dass der niedrige Ölpreis zu positiven Reformen zwingt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Es ist immer besser, zuerst entwickelt eine Gesellschaft eine moderne, stabile, demokratische politische Organisation und dann wird Öl entdeckt, so… Read more »
Norbert1980
Gast
@Rainer Deutschland auf 33 und unangefochten die Nr. 1 – Japan. Und wenn man sich die Vergangenheit anschaut: Venezuela 1990 = 67 % / 2000 = 32 % / 2005 = 34 % / 2006 = 28 % / 2007 = 30 % / 2008 = 26 % … a) relevant ist ob Land in heimischer oder ausländischer Währung verschuldet ist. Dollar kann Venezuela ja nicht einfach drucken, die Einnahmen sind aufgrund des Ölpreises abgesackt. Ein ähnliches Problem hat ja auch Griechenland. Wenn das Land sich in eigener Währung verschuldet, so kann sie theoretisch nicht pleite gehen. ABER: Aufgrund des… Read more »
lemmy Caution
Gast

Die Zahl der 15% Neuverschuldung wird auch von Amerika 21 und dem Neuen Deutschland angesprochen. https://amerika21.de/analyse/109934/venezuela-marktkraefte
Nicht nur von Jan Kühn. Afaik stand das auch in Artikeln von Harald Neuber.

Die durch massive Eingriffe in die relativen Preise geprägten Ökonomie Venezuelas ist nur bedingt mit anderen Ökonomien vergleichbar. So klingen dieses 15% dramatischer als sie in Wirklichkeit sind. Würden die die unteren beiden festen Devisen-Wechselkurse und den Benzinpreis realistischer setzen, wäre die Neuverschuldung schon deutlich niedriger.

Very Serious Sam
Gast

Da hat der real existierende Sozialismus ja mal wieder alles richtig aus und mit dem vielen Geld gemacht. Blühende Landschaften, wohin man sieht. Chavez, der Säulenheilige der Sozialisten weltweit, ist damit völlig zu Recht das Vorbild von Syriza, Podemos usw.

Unutulu
Gast

Ganz im Gegensatz zum real existierenden Liberalismus, der natürlich überall für blühende Landschaften sorgt. Man sollte schon etwas darauf achten, was man postet, sonst könnte man ziemlich dämlich dastehen. Es sei denn natürlich, du willst nur auf unterstem Niveau provozieren, dann ist dein geistig armes Posting absolut nachvollziehbar.

The Joker
Mitglied

Hallo Unutulu,
ach, für den Jens könnte es ganz hilfreich sein, wenn er merkt, welch Beifall vom Neolib-Stammtisch sein Artikel bekommt.

seyinphyin
Gast
Öh, Chavez hat Sozialismus als Ziel ausgegeben. Erreicht? Nunja… Verstaatlichung ist per se nichts sozialistisches. Nur wenn es ein demokratischer Staat ist und die entsprechende Teilhabe und Kontrolle funktioniert, kann wäre es das. So oder so kann sich Sozialiamus nicht entwickeln gegen eine schwerbewaffnete 1. Welt, deren Hauptbestandteil des eigenen System ist, die komplette Welt für das eigene Wachstum zu plündern, dafür ist er einfach nicht wehrhaft genug. Muss man anfangen, Sozialismus mit Gewalt durchzusetzen, ist es bereits gescheitert, aber was tun gegen die nun Mal über Jahrhunderte etablierte Gewalt, die ganzs sicher nicht freiwillig geht? Das ist das größte… Read more »
jowi
Mitglied

Breaking News: Baumarkt-Mitbegründer Albert Wilhelm Hornbach ist tot

Goethe ist tot, Schiller ist tot und jetzt auch noch Albert Wilhelm Hornbach!

Es geht bergab!

Sukram71
Gast

Hoffentlich hört jetzt diese beknackte TV-Werbung auf. 🙂

Norbert1980
Gast

:-))))))

OAlexander
Gast
In der ganzen Debatte wird hier immer wieder das Wort „Sozialismus“ verwendet. Ich halte das was Venuzuela anbelangt für ungeeignet. Die sprechen ja selber immer wenn es um was Konkretes geht lieber was von „Boliviarianismo“, was ein fast beliebig schwammiger Begriff ist. Nach meinem dafürhalten herrschen dort die Ausläufer des „Chavinismo“, was schlicht und einfach eine charismatische Bewegung ist, aufbauend auf die persönliche Beliebtheit von Chavez. Das wäre in Deutschland wohl ähnlich so gelaufen, wenn man auf dem Gipfel seiner Popularität, wohl Ende der 1990er Jahre, Kaiser Franz Beckenbauer zum Deutschen Bundesobmann bestimmt hätte, und der dann im Sinne von… Read more »
Winne2
Mitglied

@OAlex Ich fürchte mit dieser sehr realistischen Einschätzung landest du bei Joker unverzüglich auf dem Haufen der Antikommunisten… aber wie schrieb Jens Berger mal so schön: Wenn in Deutschland eine Theorie mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt – umso schlimmer für die Wirklichkeit.

OAlexander
Gast

@Winne2: Ich bin Antikommunist, und habe damit keine Probleme. Ich bin Sozialdemokrat. Ein Sozialdemokrat sehr alter Schule.

The Joker
Mitglied

Hallo OAlexander,
es ist wohl die Gustav NoskeSchule
Da halte ich’s lieber mit Thomas Mann.
Und noch ein Lesetipp.

OAlexander
Gast

@ Joker, @ seyin…,
Meinetwegen können wir uns gerne mal Richtung Kreisky bewegen. Wenn wir dort angekommen sind, dann schauen wir weiter.

seyinphyin
Gast

Wie kann man als Sozialdemokrat denn Antikommunist sein? o_O

Dass man sich nicht als Kommunist sehen will wäre ja eine Sache, aber Antikommunist ist irgendwie… so ähnlich wie jemand der meint, er badet gern, hasst es aber, nass zu werden.

Gut, wer weiß schon, was Sozialdemokrat noch überhaupt so genau heißt…

Winne2
Mitglied

Hmmm also echte Sozialdemokraten echter alter Schule – das sind doch Kommunisten ;o) – naja aus der Sicht des heutigen Spektrums. Jedenfalls ganz vernünftige Leute. Das Problem ist ja eher, dass die (und das was sie vertreten) schon lange nicht mehr in SPD sind. Vermutlich sowenig wie ernstmeindende Christen in der CSUCDU.

Heldentasse
Mitglied
Hmmm also echte Sozialdemokraten echter alter Schule – das sind doch Kommunisten Nein, sie sind bzw. waren damals schon schnöde Feldfrüchte, oder noch genauer „Radieschen“: Sinnend geh ich durch den Garten, still gedeiht er hinterm Haus; Suppenkräuter, hundert Arten, Bauernblumen, bunter Strauß. Petersilie und Tomaten, eine Bohnengalerie, ganz besonders ist geraten der beliebte Sellerie. Ja, und hier -? Ein kleines Wieschen? Da wächst in der Erde leis das bescheidene Radieschen: außen rot und innen weiß. Sinnend geh ich durch den Garten unsrer deutschen Politik; Suppenkohl in allen Arten im Kompost der Republik. Bonzen, Brillen, Gehberockte, Parlamentsroutinendreh … Ja, und hier… Read more »
Teiler
Gast

Es wurde schon immer vermutet dass die bolivarische Revolution im Grunde nur ein linker Traum war der vom hohen Ölpreis lebte. Die Frage ist, würde es den Menschen in Venezuela heute besser gehen wenn das Land immer dem Rat der westlichen Ökonomen gefolgt wäre? Die elitäre Mittelschicht hätte dann jetzt womöglich ausreichend Klopapier. Dafür hätten die Bewohner der Barrios keine Bildung, keine medizinische Versorgung und kein Wasser.

Venezuela zeigt dass es in der globalisiserten Welt von heute so gut wie unmöglich ist, eine lebenswerte Alternative zum Kapitalismus auf nationalstaatlicher Ebene aufzubauen.

Winne2
Mitglied
@Teiler Also: 1. Es ist sehr, sehr bedauerlich, dass die boliviarische Revolution (wenn sie denn eine war/ist) wohl gescheitert ist. 2. Es geht und ging nicht darum „westlichen Ökonomen“ zu folgen, sondern vernünftige ökonmische Linke sozialistische Politik. Statt Klientelpolitik der Almosen. Das irre ist ja, das Chavez eigentlich sowas wie die linkvulgäre FDP war ;o) – nur hat er die Gelder nicht einfach an die Apotheker, sondern die Armen verteilt. 3. Sehr wohl wäre es möglich gewesen eine lebenswerte Alternative zum Kapitalismus aufzbauen (übrigens sogar mit Unterstützung von weiten Teilen der Mittelschicht – wobei ich mich Frage, was du unter… Read more »
schwitzig
Gast
@Winne2 Alles richtig, was du schreibst und im Prinzip könnte man die Überschrift „Nachhaltigkeit“ dafür wählen. Insofern haben auch Ideologen wie Jens Berger nicht ganz unrecht mit ihren Analysen, aber schließlich – und das ist, was die Ökonomisten-Ideologen wie z.B. Jens nicht in ihre Dogmatik integrieren können – führst Du hier auch an, weshalb es in einem kapitalistischen System keinen „humanen“ Kapitalismus geben kann: darf man gespannt sein, ob sie a. überhaupt ne Chance haben (leider sehr unwahrscheinlich…) und b. ob man sie lässt (garantiert nicht – jedenfalls nicht ohne Druck). Selbst ein gut funktionierendes System auf nationalstaatlicher Basis würde… Read more »
Heldentasse
Mitglied
@schwitzig Selbst ein gut funktionierendes System auf nationalstaatlicher Basis würde durch die kapitalistischen Länder über kurz oder lang sabotiert und zerstört werden. Es könnte ja immerhin auch sein, dass das linke Experiment in Venezuela nicht so grandios gescheitert wäre, wenn sich das Imperium mal nicht eingemischt hätte? Was allerdings hypothetisch ist, denn die mischen global alles auf, im besonderen „ihren“ Hinterhof. (Mal so ein Beispiel: Interview with Ex-CIA Collaborator: “The CIA’s Plans in Venezuela Are Far Advanced” ) Ist es überhaupt zulässig von einem Versagen der dortigen politisch Verantwortlichen zu sprechen, wenn sich die globale Supermacht so massiv einmischt? Bzw.… Read more »
schwitzig
Gast
@Heldentasse Es könnte ja immerhin auch sein, dass das linke Experiment in Venezuela nicht so grandios gescheitert wäre, wenn sich das Imperium mal nicht eingemischt hätte? Was Ideologen (Ökonomisten und Komplizen) einfach nicht begreifen ist, dass es kein alternatives kapitalistisches System geben kann, da im worst case sofort ein Demokratiebringer mit Bomben zur Seite steht, um es zu zerstören. Es kann in kapitalistischen System nicht-ganz-so-schlechtes-Leben im schlechten Leben kurzzeitig geben. Kuba hat da z.B. einen deutlich besseren Job als Venezuela geleistet. Aber grundsätzlich ist Scheisse Scheisse und bleibt auch Scheisse. Das ist der Grund, weshalb etwas intelligentere Ideologen wie zum… Read more »
Heldentasse
Mitglied
@schwitzig Was Ideologen (Ökonomisten und Komplizen) einfach nicht begreifen ist, dass es kein alternatives kapitalistisches System geben kann, Ich gebe Dir dahingehend recht, dass das kapitalistisches System allumfassend global ist, und im Grunde „nur“ durch die ökologischen Grenzen eingeschränkt wird. Die Frage ist deshalb nicht ob die Natur und die Mitmenschen ausgebeutet werden, sonder wer die Macht hat diese Ausbeutung für seine Profite zu realisieren. Und da scheint die Vormacht der USA zu bröckeln, denn das was sie und ihre Vasallen z.B. in der Ukraine veranstalten ist m.E. kein Zeichen von Stärke sondern deutet eher auf ein letztes (worst case… Read more »
ChrisA
Gast

@schwitzig:

Zu schnell getippt?

[…] dass es kein alternatives kapitalistisches System geben kann, […]

Ein alternatives kapitalistisches System? Oder eine Alternative zum kapitalistischen System?

[…] obwohl ich dafür plädiere, die Ideologie abzulegen (!)[…]

Die da wäre? Was ist die allgemeingültige Definition der Ideologie? Ohne eine solche Basisdefinition gibt’s keine Möglichkeit überhaupt Alternativen zu diskutieren, weil der gemeinsame Bezugsrahmen der Diskursteilnehmer fehlt.

Ist jemand, der sich um eine möglichst exakte Beschreibung der Funktion des nun mal de facto existierenden Wirtschaftssystems bemüht, eigentlich gleich ein Ideologe, oder erst mal nur Analytiker?

Ernst gemeinte Fragen, btw!

The Joker
Mitglied
Die Frage ist, ob das bolivarische Modell für die Wähler überhaupt gescheitert ist: Während der WM 2014 ist die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff in den eigenen Stadien permanent ausgepfiffen worden. Als dann noch die Ex-Umweltministerin Silva sich gegen Rousseff stellte, schmetterten die geschlossenen Reihen der bürgerlichen Nennjournalisten den Abgesang auf Rousseff, ganz ähnlich wie der gute Jens es hier mit Maduro macht. Im Fall Brasilien belehrte die Realität sie eines besseren. Ich denke, Jens hat sich hier einfach verrannt (was als Wesenszug im Grunde nicht unsympathisch ist: jeder verrennt sich mal). So stark er als Blogger ist, er hat gelegentlich… Read more »
schwitzig
Gast

@ChrisA
Nein, das Posting ist sehr genau formuliert.

Und: Kapitalismus ist eine Ideologie.

Mod
Gast

@schwitzig, Kapitalismus ist eine Ideologie. »Griechenland erklärt, allen finanziellen Verpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern vollständig und pünktlich nachzukommen« sowie »keine bereits umgesetzten Maßnahmen rückgängig zu machen und einseitig keine Maßnahmen umzusetzen, die die Haushaltsziele, die wirtschaftliche Erholung oder die Finanzstabilität gefährden«.. schreibt die junge Welt unter „Falsche Solidarität“„Nach linkem Ja für »Griechenland-Hilfen«“

Es ist wie hier schon befürchtet worden ist, das gleiche Problem wie unter dem französischen Präsidenten Hollande, der Kapitalismus hat das sagen aber warten wir noch ein wenig ab, bin gespannt was passiert wenn die Bedingungen für die Kredite, wie etwa die Privatisierung der Wasserversorgung „Früchte“ trägt!

Lazarus09
Gast

@schwitzig & Mod

Ich bin soweit zu sagen der Kapitalismus ist eine Religion ..! Glauben wieder besseren Wissens , Unantastbarkeit der Dogmen bzw. Doktrin, Fanatismus, Lebenseinstellung etc.

Winne2
Mitglied
@schwitzig: „Selbst ein gut funktionierendes System auf nationalstaatlicher Basis würde durch die kapitalistischen Länder über kurz oder lang sabotiert und zerstört werden.“ Also ich habe auch nicht behauptet und glaube auch nicht, dass ein ‚alternatives‘ System sich durch freundliches Argumentieren durchsetzen lässt…. Allerdings glaube ich schon, dass man durch unfreundliches Argumentieren (ich möchte unsere Pazifisten hier nicht zu sehr reizen…) auch auf nationalstaatlicher Ebene einiges in die richtig Richtung erreichen kann. Aber ein wenig ‚Können‘ gehört schon dazu (um nicht zu sagen KnowHow) und auch ein wenigstens rudimentäres Verständnis dafür, dass die Bereicherung der eigenen Clique nicht zu den Massnahmen… Read more »
The Joker
Mitglied

Hallo Winne2,

ich möchte unsere Pazifisten hier nicht zu sehr reizen…

Ach ja, nach dem Motto: Man wird ja wohl noch was gegen die pöhsen Pazifisten sagen dürfen…

Heldentasse
Mitglied

(ich möchte unsere Pazifisten hier nicht zu sehr reizen…)

Wohl war, denn wer behauptet ich wäre brutal wird sofort den Krokodilen zum frasse vorgeworfen!

Im übrigen eignen sich offensichtlich Pazifisten wunderbar als universelles Feindbild, sie sind doch bestimmt verantwortlich das so viele Menschen getötet werden. Siehe z.B.: Stoppt den deutschen Reflex-Pazifismus: Wann wir Krieg führen müssen

Bester Gruß

Winne2
Mitglied

@Joker: Falls du mit deinem Reflex meinst zum Ausdruck bringen zu müssen, dass ich etwas gegen Pazifisten habe oder etwa meine sie seien ‚pöse‘ – nö.
Falls du damit der dir dämmernden Erkenntnis Ausdruck verleihen möchtest: Winne2 ist kein Pazifist – jo.

@Heldentasse: Falls du mit deinem Reflex zum Ausdruck bringen möchtest, dass ich wohl die Pazifisten dafür verantwortlich mache, dass viele Menschen getötet werden. Nö.
Falls du damit zum Ausdruck bringen möchtest, dass ich der Meinung bin, dass man unter Umständen auch unangenehme Dinge unternehmen muss, um angenehme Dinge gegen unangenehme Zeitgenossen durchzusetzen. Jo.

The Joker
Mitglied

Hallo Winne2,
Du hast noch die Floskeln vergessen:
„Viele meiner besten Freunde sind Pazifisten. Aber sie müssen sich der nichtpazifistischen Leitkultur anpassen. Und radikalpazifistische Friedensprediger sind sofort auszuweisen.“

Heldentasse
Mitglied

@Winne2

Falls du damit zum Ausdruck bringen möchtest, dass ich der Meinung bin, dass man unter Umständen auch unangenehme Dinge unternehmen muss, um angenehme Dinge gegen unangenehme Zeitgenossen durchzusetzen. Jo.

Das wirklich Unangenehme an diesem Vorgehen ist doch, dass damit jede Seite willkürlich und subjektiv definieren kann welche Zeitgenossen „unangenehm“ sind, und was dagegen „Unangenehmes“ zu unternehmen sei, um damit vielleicht noch schlimmeres zu verhindern. Für mich ist das keine Lösung, sondern ein grundsätzliches Problem.

Bester Gruß

OAlexander
Gast

@ schwitzig

… dass es bei der Partizipierung an kapitalistischen Systemen mit dem jetzigen Weg den Venezolanern wenigstens kurzfristig ein wenig besser ging, als wenn das Land den üblichen kapitalistischen Weg gegangen wäre. Deine netten Vorschläge in allen Ehren – aber innerhalb eines kapitalistischen Systemes haben sie keinerlei Chance auf dauerhafte Realisierung.

Dann können wir gleich ganz aufgeben nachhaltigere, gerechtere Entwicklungsmöglichkeiden anzudenken, da alle sowieso keinen Sinn machen solange die Wall Street und die City niedergebrannt wurden.

Fressen wir also alles gleich ganz auf, weil die Zukunft nicht stattfindet.

schwitzig
Gast

@OAlexander

Dann können wir gleich ganz aufgeben nachhaltigere, gerechtere Entwicklungsmöglichkeiden anzudenken, da alle sowieso keinen Sinn machen solange die Wall Street und die City niedergebrannt wurden.
Fressen wir also alles gleich ganz auf, weil die Zukunft nicht stattfindet.

Aber nein – wir sollten nur mal anfangen, die ideologischen Scheuklappen abzulegen und über andere Wirtschaftssysteme nachdenken. Ideologen wie Jens halten Kapitalismus für „alternativlos“ im Merkelschen Sinne. Aber das ist er nicht, denn er ist einfach nur eine popelige, nicht funktionierende Erfindung des Menschen.

Winne2
Mitglied
@Heldentasse. Ja, da hast du völlig recht – das ist ein grundsätzliches Problem. Welches sich beständig für jeden Einzelnen oder auch ganze Gesellschaften in beständiger Definitions-Diskussion befindet. Grundsätzliche Lösungen gibt es aber ja auch. Z.B.: „Du sollst nicht stehlen“. Umgesetzt in diese Welt heißt das: „Du sollst nicht stehlen, ausser wenn…. “ ;o) … es sich z.B. um fringsen handelt ;o) Und es ist aller Ehren wert, wenn sich jemand entschieden hat nicht zu stehlen, nicht ehe zu brechen, nicht zu töten. In der gegenwärtigen Welt muss man sich aber m.E. auch der „…ausser wenn…“ Seite stellen und Antworten /… Read more »
Heldentasse
Mitglied

@Winne2

THX für die Resonanz mit der ich weitgehend einverstanden bin. Nur mit „Diese Antworten (Regeln, Gesetze) sind in der Tat völlig subjektiv / willkürlich.“ habe ich so meine Bauchschmerzen, denn wenn Mensch sich als Teil des globalen Ökosystems begreift, was wir objektiv sind, werden m.E. damit die Grenzen unserer Möglichkeiten gezogen. Z.B. war die Entscheidung für die Nutzung der Atomkraft falsch und unverantwortlich, u.a. auch deshalb weil wir die Entscheidungsspielräume der nachfolgenden Generationen damit drastisch bestimmt haben.

Besten Gruß

P.S.: OT Dirk C. Fleck – Maevas Rede

Winne2
Mitglied
@Heldentasse Interessante Annahme. Aber obwohl Menschen ’natürlich‘ Teil des Systems Erde sind, so sind doch mitnichten „die Grenzen unserer Möglichkeiten gezogen“. Wie man ja sieht – grad z.B. an der Atomkraft. Die Möglichkeit ist da und sie wird auch genutzt. Das Thema Nachhaltigkeit i.S. von Generationengerechtigkeit wirft eine weitere Frage auf: Warum sollten die jetzige Menschheit (als Gruppe und als Einzelner) überhaupt Verantwortlich fühlen für das Leben künftiger Menschen. Menschen, die es ja überhaupt noch nicht gibt. Die künftigen Menschen/Generationen übernehmen ja auch keine Verantwortung für die jetzigen Menschen. Und ein unmittelbarer Schaden für diese künftigen Menschen entsteht auch nicht… Read more »
Heldentasse
Mitglied
@Winne2 Warum sollten die jetzige Menschheit (als Gruppe und als Einzelner) überhaupt Verantwortlich fühlen für das Leben künftiger Menschen. Menschen, die es ja überhaupt noch nicht gibt. Die künftigen Menschen/Generationen übernehmen ja auch keine Verantwortung für die jetzigen Menschen. Und ein unmittelbarer Schaden für diese künftigen Menschen entsteht auch nicht – da es sie ja noch nicht gibt. ;o) Nun ich überlese mal diese Provokation und erwähne nur, dass sich der Begriff „Verantwortung“, ggf. gerade durch die exorbitanten technischen Möglichkeiten des Menschen schon ein wenig weiterentwickelt hat: Wie bereits bei Georg Picht angedeutet, hat sich in den 1970er Jahren eine… Read more »
OAlexander
Gast

@ Heldentasse

Bei einer Erdbevölkerung von 10 Milliarden sind solche Fragen nurmehr von akademischen Wert.

Wolle
Gast
In Ländern mit sehr hoher Auf- oder Abwertung der inländischen Währung ist es sehr schwer Preise umzurechnen. Meistens ist das auch gar nicht sinnvoll. Den Bolivar bekommt man nicht konvertierbar. Dazu ist die einheimische Wirtschaft viel zu schwach und schmal aufgestellt. Den Dollar als Zweitwährung zuzulassen, kommt einer Abschaffung der eigenen Währung gleich. Preisdiktate funktionieren nicht wirklich. So etwas ist nur durch totale Abschottung erreichbar und erzeugt immer einen Schwarzmarkt. 2007 oder 2008 wurde auch ein sehr rigides Steuersystem eingeführt. Eigentlich gut, aber vielen Leuten hat das nicht gepasst. Meine Venezuelaerfahrungen sind zwar schon etwas her(2008, 2009 und 2010), aber… Read more »
lemmy Caution
Gast
??? Jedes Lateinamerikanische Land ausser Venezuela besitzt eine frei konvertierbare Währung. Ok. In Argentinien gibt es seit einiger Zeit ein paar Einschränkungen für Inländer. Aber sonst kann jeder der Bock die inländische Währung in Dollar/Euro oder was auch immer tauschen und umgekehrt. Die einzigen Schwarzmärkte, die ich je in Chile gesehen habe waren: – raubkopierte DVD, Musik, Bücher, seit Mitte der 00er Jahre nicht mehr so offensichtlich, aber nach wie vor sehr virulent – ein Lager von Eisenbahnbohlen, gestohlen im Zusammenhang der geplanten aber nur teilweise realisierten Bahnlinie Santiago – Puerto Montt. Das nur, weil jemand mich für verschwiegen genug… Read more »
lemmy Caution
Gast
Was auch zu berücksichtigen gilt. Der Chavismo war äusserst freigiebig bei der Ausgabe von Geldern an ideologisch nahestehende Gruppierungen in der 1. Welt. Die spanische mitte-links Tageszeitung El País hat das für Podemos nachgewiesen: http://elpais.com/elpais/2014/06/18/inenglish/1403082454_361529.html Der Ex-Eigentümer des Kanals 33 des spanischen Fernsehens, behauptet in seinem Buch, namentlich genannte Podemos Führer hätten 2013 mit ihm über einen Kauf seines Kanals verhandelt. Dabei gaben sie laut ihm ausdrücklich an, dass die Gelder aus Venezuela stammten. Der Podemos Gründer Monedero erhielt von den Regierungen Ecuadors, Boliviens, Venezuelas und Nicaragua 2013 425.150 Euro für eine „wissenschaftliche Studie“ bezüglich der Schaffung einer gemeinsamen Währung.… Read more »
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