Griechenland und der Euro – Was Merkel und Schäuble der Öffentlichkeit verschweigen

Glaubt man einer offenbar von Regierungskreisen gezielt im SPIEGEL lancierten Information, halten Angela Merkel und Wolfgang Schäuble einen Austritt Griechenlands aus dem Euro mittlerweile für „verkraftbar“. Die Ansteckungsgefahr für andere Länder sei „begrenzt“, der ESM „schlagkräftig“ – also alles kein großes Problem. Diese Aussagen sind jedoch bei näherer Betrachtung abenteuerlich und stellen das Nonplusultra einer marktkonformen Demokratie dar. Was Merkel und Schäuble verschweigen: Dank ihrer Politik haftet mittlerweile der europäische Steuerzahler für kommende Ausfälle bei der Rückzahlung der griechischen Staatsschulden. Ein Austritt aus dem Euro wäre sicher für die Märkte verkraftbar – für den Steuerzahler wäre er ein unglaublich teures Desaster. Einmal mehr zeigt sich, dass die Loyalität der Bundesregierung nicht dem Volk, sondern den Finanzmärkten gilt.

Viel hat sich seit Beginn der Eurokrise in Griechenland getan, darunter ist jedoch nichts zu finden, das in welcher Form auch immer Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht. Die Wirtschaft ist seit 2009 um mehr als ein Viertel geschrumpft, die Reallöhne sind im Schnitt um mehr als 10 Prozent gesunken, jeder vierte Grieche ist arbeitslos, bei den jungen Griechen hat sogar mehr als die Hälfte keinen Job. Das ist es wohl, was sich die Bundesregierung unter „den Gürtel enger schnallen“ versteht, das den Kern der sogenannten „Sparpolitik“ begründet. Dass diese „Sparpolitik“ nicht funktionieren kann, haben wir auf den NachDenkSeiten bereits unzählige Male dargelegt (u.a. hier, hier, hier und hier) – und dabei geht es freilich nicht ums „Recht haben“, gerne lägen wir daneben. Die Zahlen sprechen jedoch eine glasklare Sprache: Am Vorabend der Krise war Griechenland mit insgesamt 297 Mrd. Euro verschuldet, dies entsprach damals 129% des Bruttoinlandsprodukts. Nach einem „großen“ Schuldenschnitt und vier Jahren „Sparpolitik“ sieht die Situation heute folgendermaßen aus: Griechenland ist mit 322 Mrd. Euro verschuldet, was mehr als 170% des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Nicht nur dem griechischen Volk ist nicht mehr zu vermitteln, wofür es dieses ganze Leid auf sich nimmt, wenn keine Perspektive besteht, dass die Lage sich irgendwann einmal verbessern könnte, sich de facto vielmehr von Jahr zu Jahr verschlechtert.

Es spielt gar nicht einmal eine so große Rolle, wer am 19. Januar die Wahlen in Griechenland gewinnt – zu glauben, dass Griechenland seine Staatschulden mittel- bis langfristig brav bedient, beleidigt die Intelligenz all jener, die zumindest die Grundzüge der Mathematik beherrschen. Die einzige offene Frage ist, wann die Griechen aus ihrer Duldungsstarre ausbrechen und ihrem Leiden ein Ende machen. Sollte die griechische Linkspartei Syriza die kommenden Wahlen gewinnen und eine Regierungsmehrheit auf die Beine stellen können, besteht zumindest eine Chance, dass sich diese Entwicklung forciert. Wahrscheinlich wird in einem solchen Falle die neue griechische Regierung mit der Troika neue Verhandlungen aufnehmen, bei denen von griechischer Seite eine teilweiser Schuldenerlass (Umschuldung/Schuldenschnitt) und/oder eine Stundung der ausstehenden Zahlungsverpflichtungen angestrebt wird. Allem Theaterdonner aus Berlin zum Trotz ist es auch wahrscheinlich, dass Griechenland sich mit diesen Forderungen im Kern durchsetzt. Denn es gibt einen fundamentalen Unterschied im Vergleich zum Vorkrisenjahr.

Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

Hinterlasse einen Kommentar

46 Kommentare auf "Griechenland und der Euro – Was Merkel und Schäuble der Öffentlichkeit verschweigen"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
rainer
Gast

….ist doch alles nix Neues……nur der Doofmichel merkt es nicht bzw. will es gar nicht erst wissen……wir haben halt ne Verbrecherbande als Regierung…

schwitzig
Gast

@rainer

Der Doofmichel ist sogar so unglaublich dämlich zu glauben, dass die Griechen sein Geld bekommen haben und bekommen.
Du musst nur mal SPIEGEL-Foren lesen: Sprüche wie, „über die Verhältnisse gelebt“ sind da noch vergleichsweise intelligent.
Ich wünsche mir, dass so ein „über den Verhältnissen gelebt“-Typ behandelbaren und heilbaren Krebs bekommt und elend verreckt, weil seine Krankenkasse nicht „über den Verhältnissen leben“ will und die Bezahlung einer Behandlung verweigert.

Nils
Gast
Hallo Herr Berger, danke für den guten Beitrag. Eine Frage bleibt jedoch, die Griechen müssten doch letztendlich um eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen einen Marshallplan für ihr Land auflegen oder? Dass würde aber kompromislosen Keynesanismus bedeuten, wie soll das gehen? Deutschland wird sowas niemals zulassen, was dann heisst ein bisschen Keynes, der natürlich „ein bisschen“ oder „nur halb“ nicht funktionieren kann. Dann heisst es wieder Keynes geht nicht, also wieder Neoliberalismus, oder? Wäre es nicht das beste sie würden austreten mit allen Risiken die das birgt, aber dann ihre eigene Wirtschaftspolitik betreiben. Würde das funktionieren wäre das auch ein gutes Vorbild… Read more »
H.L.
Gast

Da hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen:

Die Wirtschaft ist seit 2009 um mehr als ein Viertel geschrumpft, die Reallöhne sind im Schnitt um mehr als 10 Prozent gesunken, jeder zweite Grieche ist arbeitslos, bei den jungen Griechen hat sogar mehr als die Hälfte keinen Job.

Am Vortag im Artikel „Der Kampagnenjournalismus hat ein neues und altes Opfer: Griechenland“ wurde als Arbeitslosigkeit 27% angegeben:

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 27 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei 58 Prozent, …

Dann müßte es korrekt heißen: „jeder vierte Grieche ist arbeitslos“.

R_Winter
Mitglied
Jens, der beste Artikel seit langem, auch wenn es im Prinzip bekannt ist. Der Abschnitt zeigt das politische Unvermögen der Staats-Narkosenistin, Merkel und der schwarzen Null, Schäuble: Man muss jedoch leider auch feststellen, dass der politische Wille, diese Dauerkrise im Sinne der Menschen zu lösen, nicht vorhanden ist. Daher ist es nicht auszuschließen, dass die deutsche Regierung die nächste Eselei begeht und nun nicht nur Griechenland über die Klinge springen lässt, sondern zudem den eigenen Bürgern eine weitere Milliardenhypothek aufbürdet. Die Banken haben die Rendite für ein Risiko kassiert, dass sie nicht tragen, sondern dank Angela Merkel und Wolfgang Schäuble… Read more »
The Joker
Mitglied

Dass diese „Sparpolitik“ nicht funktionieren kann, haben wir auf den NachDenkSeiten bereits unzählige Male dargelegt (u.a. hier, hier, hier und hier)

Bei den „hiers“ fehlt jeweils die Verlinkung.
Die Wahl ist am 25. Januar.

R_Winter
Mitglied

Heute hatte im Mittagsmagazin des Deutschland-Funk Seibert seine Lügen über den angeblichen Aufschwung in GR wieder verbreitet und der Moderator hatte es einfach so stehen gelassen.

Die FAZ schlägt fast täglich in die gleiche Kerbe und da es bekannt ist, dass die Deutsche Bank indirekt zu den Besitzern der FAZ gehört, ist dieses großkotzige Verhalten von Merkel/Schäuble in Richtung GR nicht mehr verwunderlich. Nicht das Wohl der Bürger, sondern jenes der Finanzspekulanten liegen den beiden am Herzen – oder sind sie erpressbar?

Heldentasse
Mitglied
@R_Winter oder sind sie erpressbar? Die Frage sind „sie“ korrumpierbar stellt sich zunächst. Das Herr Schäuble schon korrupt war hat sich in der „Schreiber“ Affäre als gesichert herausgestellt. So einem Menschen wäre normalerweise noch nicht einmal mehr das Amt eines Vereins- Kassenwarts angetragen worden, dass er nun Finanzminister ist sagt schon sehr viele über diesen „Verein“ aus. Am Ende stand ein gutes Ergebnis für die Banken: sie konnten ihre gefährdeten Anleihen zu günstigen Kon­ditionen in längerfristige, europäisch abgesicherte Anleihen umtauschen. Außerdem wurde der Plan einer Bankensteuer fallen gelassen. Das IIF hatte unter Führung von Josef Ackermann erfolgreich die Interessen der… Read more »
schwitzig
Gast

@R_Winter

sind sie erpressbar?

Sicher. NSA und Co. kriegen nicht umsonst Milliarden, um Erpressungspotentiale aufzubauen.

Voltaire
Gast

…,dass Griechenland seine Staatschulden mittel- bis langfristig brav bedient, beleidigt die Intelligenz all jener, die zumindest die Grundzüge der Mathematik beherrschen.

Politik und (Finanz)Mathematik sind disjunkt!

jowi
Mitglied
@Jens Berger Zustimmung zum unausweichlichen Schuldenschnitt, Zustimmung zur Merkel-Politik die Finanzmärkte aber nicht das Volk im Fokus hat, aber warum man an dem EURO-Gemurkse festhalten soll, das will mir immer noch nicht in den Kopf. Entweder man schafft – aber demokratisch bitte – etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa, mit allem was dazu gehört, oder man verabschiedet sich endlich von dem EURO-Experiment. Ich plädiere also für einen Schuldenschnitt UND einem EURO-Ausstieg! Die Diskussionen hatten wir alle schon tausend Mal, ich weiß. Für mich ist aber auch ein Festhalten am EURO, unter den gegebenen Umständen, eine Beleidigung der Intelligenz! Die… Read more »
Mordred
Gast
deine meinung kann ich verstehen. aber neben einigen anderen punkten: wenn wir jetzt schon das handling und die ursachen der krise in kombination mit den beteiligten politikern als katastrophal und hirnverbrannt sehen, was meinste denn dann, wie bekloppt sich die herrschaften erst beim auflösungsprozess der eurozone anstellen werden? die sind ja geistig irgendwo auf einem anderen planeten. oder gar auf mehreren (bsp. lucke vs. merkel)! oder nehmen wir diese gut begründete prämisse von jens: Einmal mehr zeigt sich, dass die Loyalität der Bundesregierung nicht dem Volk, sondern den Finanzmärkten gilt. du würdest doch wahrscheinlich die gelegenheit der auflösung dazu nutzen,… Read more »
schwitzig
Gast

@Mordred

wie bekloppt sich die herrschaften erst beim auflösungsprozess der eurozone anstellen werden?

Aus ihrer Perspektive überhaupt nicht bekloppt. Deswegen wurde der EU-Repressions-, Überwachungs- und Kontrollapparat aufgebaut. Seit 2006 sollte eigentlich klar sein, dass die „Eliten“ durchaus mit gewalttätigen Aufständen und einem Systemzusammenbruch rechnen, denn sie sind ja nicht doof und wissen genau, dass Kapitalismus als Wohltat für die Masse nicht funktioniert hat, nicht funktioniert und nie funktionieren wird.
Deswegen setzen sie darauf, die Masse zu zwingen. Und das werden sie mit aller Härte tun, denn sonst hätten sie nicht die Mittel dazu implementiert.

Heldentasse
Mitglied
@schwitzig Deswegen setzen sie darauf, die Masse zu zwingen. Und das werden sie mit aller Härte tun, denn sonst hätten sie nicht die Mittel dazu implementiert. Das wird so nicht funktionieren, man müsste dann die einen Hälfte der Bevölkerung bewaffnen damit diese die andere Hälfte in Schach hält. M.E. besagt die Historie, nicht das dadurch die Aussichten besser würden, das vielmehr innere und äußere Sündenböcke gesucht und gefunden werden damit sich sich das frustrierte Volk an denen abreagieren kann. Schlimmstenfalls gibt es wieder Krieg, was die interne Kritik schnell verstummen lässt und paradoxer Weise Geld in die Kassen spült, ein… Read more »
schwitzig
Gast

@Heldentasse

Das wird so nicht funktionieren, man müsste dann die einen Hälfte der Bevölkerung bewaffnen damit diese die andere Hälfte in Schach hält.

Doch, deswegen werden ja autonome Systeme, Drohnen und großflächig einsetzbare non-lethale Schmerzwaffen entwickelt. Da werden nicht viele Leute, sondern nur ein paar Privilegierte benötigt.
Ein Krieg wird es allerdings wahrscheinlich trotzdem geben, da wir eine Überproduktionskrise haben. Da kommt kein System, das an einer Kapitalismuskrankheit leidet, ohne Krieg und Zerstörung der Produktionskapazitäten heraus.

Mordred
Gast

faszienierender quellenauszug vom bundesfinanzministerium. besten dank.

COPOKA
Mitglied


M.E. besagt die Historie, nicht das dadurch die Aussichten besser würden, das vielmehr innere und äußere Sündenböcke gesucht und gefunden werden …

Wie wir ggw. in Ukraine sehen können, das Eine schließt das Andere wie auch das Sparen für den Krieg gar nicht aus – ganz im Gegenteil, das ganze Bukett samt Staatsterror im Inneren gehört zum Repertoire der Krigspropaganda. Und selbstverständlich kommen dabei alle Mittel zum Einsatz, die angeblich zum „War on Terror“ implementiert wurden.

Mordred
Gast
deswegen schrieb ich ja vorher, dass WIR das als bekloppt ansehen. der kapitalismus im engeren sinne, also die erhöhung der produktivität, ersatz von händearbeit durch maschinen usw. KANN theoretisch mehr wohlstand für alle bringen und gleichzeitig auch ressourcenschonend (im sinne von rohstoffen, menschen, umwelt) agieren. denn egal was für eine systemgrundlage (zb kapitalismus) du nimmst, es kommt u.a. auf folgendes an: 1. das regelwerk sowie seine einhaltung 2. die größe des systems 3. die (monetäre) bewertung von dienstleistungen, gütern und rohstoffen 4. die verteilung des erwirtschafteten zu 1.: spekulation, wechselkurse, arbeitszeiten… zu 2.: wenn ich weltweit handeln will brauche ich… Read more »
schwitzig
Gast

@Jowi

Für mich ist aber auch ein Festhalten am EURO, unter den gegebenen Umständen, eine Beleidigung der Intelligenz!

Bringt auch nicht wirklich viel. Eine Beleidigung der Intelligenz ist es schon, überhaupt an einem nachweislich destruktiven kapitalistischen Wirtschaftssystem festzuhalten. Die Vermögensverteilung und die mehr als 100-jährige Bilanz der Menschenvernichtung (Kriege, Aushungern etc.) spricht da eine deutliche Sprache:
DIESES GELDBASIERTE MONOPOLYSYSTEM FUNKTIONIERT FÜR DIE MASSE DER MENSCHEN NICHT!

jowi
Mitglied
@Schwitzig Interessant auch, was Krugmann zur Kapitalismus-Kritik schreibt, die nach der Wirtschaftskrise nach 1930 bei Intellektuellen sehr verbreitet war: Zur Überraschung der Skeptiker überlebte der Kapitalismus tatsächlich. Doch auch wenn es die heutigen Anhänger der reinen Marktwirtschaftslehrer nicht gerne hören werden: Dass das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wurde, ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass Keynes‘ Therapievorschläge zum Tragen kamen. Allerdings war es der zweite Weltkrieg, der für den Anschub sorgte, den Keynes seit Jahren gefordert hatte. Wir brauchen also wieder einen großen Krieg um den stotternden Motor in Schwung zu bringen. Es ist somit richtig, wenn… Read more »
schwitzig
Gast
@Jowi Ein Ansatz wäre z.B. die Modifikation der Menschenrechte. Und zwar müssten alle Erpressungspotentiale (Wohnen, Essen, Trinken) via Menschenrechtskonvention abgefangen werden. Parallel dazu ein BGE und ein Pflichtdienst einmal oder mehrmals im Leben nach dem Vorbild des ehemaligen Wehrdienstes der BW – in dem Fall in Bereichen, die durch Arbeitsleistung abgedeckt werden müssen. Z.B. Infrastrukturerhalt. Sollte das aus unerfindlichen Gründen nicht finanzierbar sein, muss das Geldwesen abgeschafft werden. Es muss das Denken implementiert werden, dass die Wirtschaft dem Menschen zu dienen hat und eben nicht, dass der Mensch der Wirtschaft zu dienen hat – so wie es jetzt ist. Viel… Read more »
ChrisA
Gast
@schwitzig: Zu deinem Schrieb diesmal Widerspruch von meiner Seite: Kapitalismus ist praktizierte Asozialität. Ich versuch es möglichst kurz: Was Menschen durch den Kapitalismus bedingt machen können, ist praktizierte Asozialität. Liegt es am Kapitalismus oder an den Menschen? Im selben Kapitalismus könnten die selben Menschen aber auch uneingeschränkt gemeinwohlfördernd wirken. Was wäre der Kapitalismus dann? Nein, unser Wirtschaftssystem ist per se ohne jegliche Ethik und Moral, ausgestattet nur durch eine systemimmanente Logik. Das System mit Ethik und Moral zu bestücken ist Aufgabe der Menschen. Ich male es überspitzt in einem etwas plumpen Bild (mir fällt auf die schnelle kein besseres ein):… Read more »
R_Winter
Mitglied

@Jowi

Der Euro ist in zu vielen Nationen mit extremen Unterschieden in der Wirtschaftskraft eingeführt wurden. Der letzte Punkt ist Litauen – wirtschaftlich unmöglich, aber politisch gewollt von der neoliberalen Politikerkaste.
Sie spielen auf Zeit, dass im EURORAUM eine wirtschaftlich Angleichung erfolgen wird – die aber nicht erfolgen kann, wie z.B. Nord- und Süditalien seit Jahrzehnten zeigen.
Zahlen werden die Bürger durch einen Lohn- und Sozialabbau.

Trotzdem ist es sehr wichtig, dass wir die Lügen (z.B. in der Griechenland-Aussaugung) immer wieder thematisieren, da das neoliberale Spekulationsgesindel ihre Lügen diesbezüglich über die Medien mehrfach täglich wiederholen. Sie wollen uns ermüden – vergesse es nicht.

jowi
Mitglied

@R_Winter

Ich kritisiere den Artikel von Jens überhaupt nicht, im Gegenteil. Heute morgen, bei der Fahrt zur Arbeit, bekam ich gleich das Kotzen als ich die Nachrichten hörte. Deutschland führt sich auf wie der Imperator der EU.

Ermüdend finde ich aber auch die immer kreativeren Methoden ein Pferd weiter zu reiten, welches längst tot ist, den EURO. Dass er die Ungleichheiten zwischen den Volkswirtschaften verstärkt, wie viele Beweise dafür braucht man noch?

wschira
Mitglied

Hallo Herr Berger,

Ihr Kommentar ist absolut klar und überzeugend. Allerdings sehe ich eine kleine Unklarheit:

„…jeder zweite Grieche ist arbeitslos, bei den jungen Griechen hat sogar mehr als die Hälfte keinen Job.“

Das ist ja wohl für beide Gruppen der gleiche Anteil. Haben Sie das so gemeint?

justice4all
Gast

Nein, denn jungere sind eine Teilmenge aller Griechen.

Ich habs so verstanden:

ALLE Griechen : ca. 50% Arbeitlosigkeit
davon junge Griechen: > 50% arbeitlos

Am_Rande
Gast
Ein schöner linker Eiertanz-Artikel. Da wird beschrieben, wie die real-existierenden demokratischen Regierungen in Europa die Krise immer weiter verschlimmern; aber es wird darauf gehofft, dass „irgendwie“ dieselben Regierungen zur Lösung der Krise beitragen… Der Euro war ein Lösungsansatz der politischen Elite für ein Problem, das eigentlich gar nicht bestand. Aber die Politik wird die Lösung für das nun reale Problem bringen; ja, ja, ja… Würde die EZB den Eurostaaten ihre Forderungen an Griechenland abkaufen, hätte sie die volle Gestaltungsmacht. Sie könnte – was rechtlich jedoch problematisch sein dürfte – einen Schuldenschnitt anregen und die Verluste übernehmen, ohne dass dafür die… Read more »
R_Winter
Mitglied

@Am_Rande

Ist schon klar, dass Du als neoliberaler „Eiertänzer“ den Sinn des Artikels nicht oder verdreht verstehen willst. JB zeigt Möglichkeiten auf und verspricht sich von Merkel/Schäuble keine Lösung, denn sie sind in jeder Beziehung einfach dumm oder auch nur korrupt.

Am_Rande
Gast

@ R_Winter

Ich als Vertreter des Klassischen Liberalismus bin als solcher fähig, zu denken und zu lesen:
Die „zahlreiche Lösungen für das ,griechische Problem’“ von denen Herr Berger schreibt, sind nur eine einzige: „Dafür müssten die Schulden jedoch einmal mehr wandern – und zwar von den öffentlichen Haushalten hin zur EZB.“

Tja, der Konjunktiv ist seit jeher die liebste Zeitform der Linken.

ChrisA
Gast

@Am_Rande:

Jetzt bin ich gespannt:

Der Euro war ein Lösungsansatz der politischen Elite für ein Problem, das eigentlich gar nicht bestand.

Welches Problem wurde aus Sicht der politischen Eliten denn zu lösen versucht, das aus Ihrer Sicht gar nicht bestand? Und warum bestand es Ihrer Meinung nach nicht, wurde von den politischen Eliten aber dennoch als Problem wahrgenommen?

(Die Fragen sind ernst gemeint und nicht ironisch)

Am_Rande
Gast
@ ChrisA Das „Problem“ jeder politischen Elite ist immer die Dispersität der Macht; also jede Form von Subsidiarität und Föderalismus. Wie jeder denkende Mensch verstanden hat, war die Einführung des Euros eine politische Handlung, die von der Politik aus politischen Motiven betrieben wurde: „Der Euro ist ja nur ein Synonym für Europa. Verstehen Sie: Für mich ist die Idee der Einigung Europas nicht irgendeine Sache wie dem Riester seine Rentenversicherung. Das ist eine wichtige Sache, aber von der Qualifikation ist das ein Nichts gegenüber dem Euro! Die Rentenversicherung wird jetzt geändert, wird wieder geändert, wird noch einmal geändert. Aber Europa… Read more »
Heldentasse
Mitglied

OT: Ich habe heute mal das addon Cahoots installiert, und bin begeistert das sogar schon der Spiegelfechter aufgenommen wurde. 😉

Insgesamt könnte dieses Werkzeug nützlich sein, um schnell herauszufinden welchen Herren die Schreiberlinge dienen.

Besten Gruß

Lazarus09
Gast

Das Sprüchlein das dass ausscheiden Griechenlands aus dem Euro nun plötzlich doch verkraftbar wäre, darf getrost als Einladung zur Spekulation gegen den Euro und auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone gewertet werden, was auch meint das nun auch auf den Ausstieg des nächstschwächsten Eurolandes gewettet werden kann. Die Folgen dürften dann wiedereinmal an der EZB hängen bleiben….Faites vos jeux

lemmy Caution
Gast

In Griechenland kündigt sich eine Koalition aus Syriza und Papandreu an.
Chavismo war linke Soziologen-Typen + Militärs.
Das in Griechenland wäre es dann linke Soziologen-Typen + die Mafia.

Wenn eine solche Regierung mit Neuverhandlungen ankommt, sollten wir ähnlich reagieren wie die Regierungen Russlands und Chinas auf Maburros aktuelle haste-mal-nen-Dollar Tour.
Russland: Leute aus der 3. Reihe der Regierungsbürokratie ohne Entscheidungsbefugnisse zu den Verhandlungen entsenden. Etwa Staatssekretäre des Aussenministeriums
China: unverbindliche freundliche Worte finden und versprechen, dass sich deutsche Unternehmen nach Investitionsmöglichkeiten in Griechenland umsehen.

https://www.greenleft.org.au/node/51358
!!!NO PASARÁN!!!

Wolli
Gast

Hallo Herr Berger,
danke für den guten Artikel.
Ich habe da mal eine Frage:
Könnte es nicht sein das mit den finanzpolitischen Aussagen, von Merkel und Schäuble, gegen Griechenland nicht eher Frankreich und Italien gemeint sind? Ist es nicht eine Aufforderung an die „MÄRKTE“ den Zins für Französische und Italienische Staatsanleihen nach oben zu treiben. Ich denke das es für diese Länder schwer werden wird Angriffe der „MÄRKTE“ abzuwehren, um nicht beim ESM und IWF um Hilfe zu bitten.

Könnte es sein das unsere Kanzlerin Frankreich und Italien in Richtung Sozialabbau treiben will? Die „MÄRKTE“ wären doch sehr dankbar für die zusätzlichen Euronen.

mfg
WW

Mod
Gast
@Wolli, auch meinen Dank für diesen guten Artikel, als Finanzkapital-Laie der ich bin kann ich die Funktionsweisen von Pressemeldungen, die Einfluss haben um Ziele zu erreichen kaum beurteilen und hier muss ich aus dem Artikel zitieren: Entweder blufft die deutsche Regierung und will mit diesem Schachzug „nur“ Einfluss auf die Wahlergebnisse in Griechenland nehmen oder sie hat die Marktkonformität bereits so verinnerlicht, dass es ihr ausschließlich um die Finanzmärkte aber nicht mehr um das Wohl des Volkes geht. Sicher – für die Finanzmärkte hätte ein griechischer Euroausstieg samt Staatsbankrott kein sonderliches Schreckenspotenzial. Den Forderungen um unter die Finanzhilfen (ESM) als… Read more »
Bruder Johannes
Gast

Egal, wie und was man tut. Das wird mit GR nie was.

http://bit.ly/17wlpsI

Wenn man einen Vogel in’s Aquarium versenkt, wird kein Fisch draus.

BTW: Eines der oberen Ziele der EU ist „die Angleichung der Lebensverhältnisse“ europaweit. Stellt sich die Frage, welchen Standard man hier zugrunde legt. Eines ist jedoch klar: je gleichförmiger die Lebensverhältnisse sind desto besser funktioniert eine Gemeinschaftswährung.

Heldentasse
Mitglied

Egal, wie und was man tut. Das wird mit GR nie was.

Nun ja, wenn das so ist verkaufen wir GR am besten an die Osmanen oder gar Russland. Das wäre kulturell bestimmt das Beste weil die können ja im Gegensatz zu uns (die vom Virus der Freiheit beleckten) keine wahrhafte Demokratie organisieren.

Hilfsweise könnte man sie aber auch annektieren und marktkonform umerziehen, wäre doch gelacht wenn wir der Freiheit nicht EU weit auf die Sprünge hülfen.

Besten Gruß

Mod
Gast

@Heldentasse, sollte die Linke in Griechenland die Wahlen gewinnen, ist Griechenland schneller draussen (EU) wie denen lieb sein dürfte, ob Syriza die Privatisierungen (Wasser, Strom, Wohnen, Gesundheitssystem usw.) rückgängig machen wird, ist dabei die Gretchenfrage die über den Austritt oder besser Rauswurf aus der EU entscheidet!

http://www.daserste.de/live/index.html

justice4all
Gast

Verfolgt eigentlich jemand den Eurokurs und was in Schweiz los ist? Was haben uns die EU-Merkel und Sanktionsmarionetten da eingebrockt?

schwitzig
Gast

@justice4all

Was haben uns die EU-Merkel und Sanktionsmarionetten da eingebrockt?

Einen Währungskrieg.

bunducafe
Mitglied

Ich glaube, das nennt man schlichtweg Politik, oder?! Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht und es darf nicht angeeckt werden….
Oder habe ich da was falsch verstanden

wpDiscuz